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Steueroasen : Lieber auf die Bahamas als in die Schweiz

Traumhafte Bahamas: Golfspielen im Steuerparadies Bild: AFP

Die Schweiz wird als Steuerparadies immer ungemütlicher. Und auch Andorra und Monacos Tage sind gezählt. Zugkräftiger sind da die Bahamas - oder Bulgarien.

          Die Schweiz wird als Steuerparadies zunehmend unattraktiv. Verschärfte Gesetzgebung, Druck aus dem Ausland und Informanten, die mit Daten einen schnellen Franken machen – es wird ungemütlich in der Alpenrepublik. Doch an Steueroasen gibt es keinen Mangel.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Welche Steueroase für wen am begehrenswertesten ist, das hängt von der Ausgestaltung ab. Für viele Bundesbürger sicherlich überraschend führt beispielsweise die Nicht-Regierungsorganisation „Tax Justice Network“ in ihrem „Financial Secrecy Index“ Deutschland an achter Stelle, die Bahamas dagegen nur auf Platz 35 und Monaco auf Platz 75. Das liegt aber nicht an niedrigen Steuersätzen, sondern daran, dass die deutschen Behörden, die so gerne Steuerdaten aus anderen Ländern kaufen, selbst an viele ausländische Behörden keine Steuerdaten weitergeben und an der schieren Größe des Finanzplatzes Frankfurt.

          Die britische Unternehmensberatung Bradley Hackford bezeichnet sich selbst als Spezialist für die Veränderung der Steuerheimat. „Relocation“ nennt sich diese Dienstleistung. 2014 haben die Dienstleister eine Rangliste der am wenigsten besteuerten Länder aufgestellt. Mitberücksichtigt wurden dabei neben Höhe der Steuern und der „Qualität der wirtschaftlichen Anreize für neue Bürger“ auch die (Rechts-)Sicherheitslage vor Ort sowie die Lage des Landes und die Lebensqualität.

          Und ab auf die Bahamas

          Bevorzugter Zielort: die Bahamas. Ein Pluspunkt dürfte dabei sein, dass man auf den Bahamas kaum Steuern zahlt. Der Staat finanziert sich hier durch Exportabgaben und Zölle. Der Platz auf der „Grauen Liste“ der OECD stört in dem Staat, in dem auf 750 Einwohner eine Bank kommt, anscheinend nicht wirklich. Das strenge Bankgeheimnis kann zwar vom Obersten Gerichtshof aufgehoben werden, allerdings nur wenn gegen die Gesetze der Bahamas verstoßen wurde. Steuerhinterziehung ist kein Grund. Eine Aufenthaltsgenehmigung gibt es ab Immobilienerwerb für 500.000 Dollar, ab 1,5 Millionen geht es etwas schneller.

          Aber auch Europa bietet nette Plätzchen. Die Paradiese auf dem alten Kontinent finden sich auf der Bradley-Hackford-Liste an Platz 2 bis 4, wobei Andorra den Vorzug vor Monaco und Bulgarien erhielt. Die Bevölkerung des Pyrenäenstaats, der nicht ganz doppelt so groß ist wie Frankfurt am Main, hat sich seit 1970 annähernd vervierfacht. 55 Prozent sind Ausländer, vor allem natürlich Franzosen und Spanier, aber auch immer mehr Russen und Asiaten.

          Die paradiesischen Zeiten sind allerdings auch dort vorbei. Seit Jahresbeginn gibt es eine Einkommensteuer, deren Spitzensatz bei 10 Prozent liegt. Aber es gibt weder eine Kapital- noch eine Erbschaftsteuer. Doch Andorra ist angezählt: Bis 2017 soll der automatische Informationsaustausch in Steuersachen nach OECD-Konvention implementiert werden. Auch Monaco hat seine besten Tage als Steueroase hinter sich. Der Informationsaustausch wird bis 2017 wohl kommen. Dafür zahlen außer Franzosen Ausländer weiter keine Steuern. Eine Aufenthaltsbewilligung gibt es für Personen, die nicht für ihren Lebensunterhalt arbeiten müssen und mindestens 500.000 Euro bei einer monegassischen Bank haben.

          Bulgarien ist das neue Monaco

          Das EU-Land Bulgarien lockt wie Andorra mit einem Spitzensteuersatz von 10 Prozent und 5 Prozent für Dividenden. Das kann sich das Land nicht zuletzt deswegen leisten, weil Ausländer mindestens 511.000 Euro investieren müssen – zum Beispiel in Staatsanleihen. Interessant auch: Bulgarien hat wie die Bahamas bisher die OECD-Konvention zum wechselseitigen Informationsaustausch bisher nicht unterzeichnet.

          Zu den weitere Staaten die Bradley Hackford empfiehlt, gehören Panama, Mauritius, Dubai, die Kanalinsel Guernsey, die Cayman-Inseln und immer noch auf Platz 10, die Schweiz. Davon haben die letzten drei die OECD-Konvention unterzeichnet.

          Nicht jede Steueroase ist auch ein ruhiges Plätzchen. So gilt etwa das afrikanische Liberia als Steueroase. Wer sich dort überwiegend auf einem Schiff aufhält, ist nicht zu steuerlichen Abgaben verpflichtet. Doch die Ebola-Epidemie und die unruhige politische Situation lädt nicht zur Wohnsitzverlegung ein.

          Stürmisches Belize

          Belize, das ehemalige Britisch-Honduras, gilt als Paradies für Offshore-Gesellschaften. Wer eine solche Gesellschaft gründet und dadurch Arbeitsplätze schafft, ist 15 Jahre lang abgabenfrei. Das Bankgeheimnis ist verfassungsmäßig garantiert, wegen Steuerdelikten wird nicht ausgeliefert und von internationalem Datenaustausch ist wenig zu sehen.

          Wer ständig bleiben will, muss sich erst einmal 12 Monate stetig in Belize aufgehalten und mindestens 25.000 Dollar zur Verfügung haben. Es sei denn, man ist Rentner – das heißt über 45 – und hat mehr als 2000 Dollar aus einer ausländischen Pensionsanlage oder Versicherung. Dann ist es das halbe Problem – und alle ausländischen Einkünfte sind steuerfrei.

          Zu reich sollte man allerdings nicht sein: Das Auswärtige Amt weist daraufhin, dass die Kriminalität in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen ist. Besonders in Belize City und nach Einbruch der Dunkelheit sei Vorsicht geboten. Auch in Touristenzentren sei es ratsam, Wertgegenstände im Hotelsafe zu verwahren und keinen Schmuck zu tragen. Die Schweizer Bundesverwaltung warnt davor, von Unbekannten Getränke anzunehmen oder bei Fahrzeugpannen helfen zu wollen. Zudem solle man Immobilien nur durch Vermittlung eines Anwalts kaufen. Vor allem aber ist Belize Hurrikangebiet. Die zerstörerische Gewalt der Tropenstürme führt immer wieder zu Staatspleiten, insgesamt drei in den vergangenen 15 Jahren.

          Aber man muss nicht nach Belize auswandern: Eine Firmengründung lässt sich via Internet erledigen oder wird von Anwaltskanzleien vermittelt. Und das Offshore-Konto lässt sich per Online-Banking führen, Kreditkarte inklusive.

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