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Nie mehr Steueroase : Monaco will nur ein ganz normaler Finanzplatz sein

Nicht nur Touristen lieben Monaco: Auch zahlreiche Banken und Superreiche fühlen sich in der Stadt wohl. Bild: Bloomberg

Das Fürstentum zieht seit langem die Betuchten dieser Welt an. Den Ruf als Steuerparadies streift es allmählich ab. Jetzt setzt es auf Banken und Start-ups.

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          Die Bucht von Monaco ist wunderschön: hellblaues Wasser, eine felsige Küste, fast immer scheint die Sonne. Über die ästhetische Qualität der Gebäude am Ufer lässt sich streiten. Kaum ein Flecken des bloß zwei Quadratkilometer großen Fürstentums ist unbebaut. Vom südfranzösischen Charme der Nachbarstadt Nizza hat Monaco kaum etwas.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Futuristische Hochhäuser stehen neben Wohnblöcken, die auch in eine Pariser Banlieue passen würden. Wer protzige Architektur und ausgestellten Reichtum mag, kommt auf seine Kosten. Alles ist eng, die außergewöhnliche Straßenführung taugt sogar einmal im Jahr für das Formel-1-Rennen von Monaco.

          So eng ist es im mediterranen Kleinststaat vor allem, weil die Nachfrage nach Wohnungen ungebrochen ist. 38.000 Einwohner zählt er inzwischen, davon nur etwa 9000 eigentliche Monegassen. Mit einem Zuwachs von 180 Prozent innerhalb eines Jahrzehnts erreichte der durchschnittliche Quadratmeter-Preis Anfang 2017 das höchste Niveau auf der ganzen Welt, Monaco überholte damals Hongkong. 41.400 Euro zahlten Eigentümer für den Quadratmeter. Der durchschnittliche Verkaufspreis für eine Wohnung lag bei 4,3 Millionen Euro.

          Standortvorteile statt laxer Regulierung

          Die Attraktivität des Fürstentums scheint also ungebrochen, doch die Regierung von Monaco muss einiges dafür tun, diesen Status aufrechtzuerhalten. Im Juni 2000 noch hatte es die OECD erstmals in die Liste der Steueroasen aufgenommen. Ein Jahr gab die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung dem Land damals, um sich an ihre Vorgaben anzupassen. Doch der Prozess zog sich hin.

          Zwischenzeitlich standen nur noch die drei europäischen Fürstentümer Monaco, Liechtenstein und Andorra sowie Nauru und Vanuatu, Liberia und die Marshall-Inseln auf der grauen Liste. Erst im Jahr 2009 nahm die Organisation Monaco nach vielen Zugeständnissen der dortigen Regierung davon herunter. Kritik gab es an dem damals fortbestehenden Bankgeheimnis, das es inzwischen nicht mehr gibt.

          Die großzügige Steuergesetzgebung, die Rechtssicherheit und die moderne Infrastruktur machen das kleine Land an der Côte d’Azur zu einem attraktiven Platz für Finanzdienstleister. 31 Banken haben sich hier niedergelassen. Hedgefonds, Private-Equity-Firmen und Family Offices komplettieren den Finanzplatz. „Die Zeiten von Offshore sind vorbei“, sagt Jean Castellini, Wirtschafts- und Finanzminister von Monaco und damit Teil der kleinen sechsköpfigen Regierung, im Gespräch mit der F.A.Z.

          Dann wechselt er kurz vom Französischen ins Deutsche: „Das ist die Welt von gestern.“ Monaco halte sich an internationale Regeln. „Wenn jemand täuschen will, dann ist Monaco der letzte Platz, den er auswählen sollte.“ Das Fürstentum will nicht durch eine laxe Regulierung überzeugen, sondern durch Standortvorteile. „Hedgefonds- und Private-Equity-Manager sind hierhergekommen, die überall auf der Welt Erfahrung gesammelt haben, weil sie Kunden dort bedienen, wo sie bedient werden wollen.“

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          Neue Regeln erfordern Abkehr von alten Praktiken

          In dem Land mit weniger als 40.000 Einwohnern verwalten Banken ein Kundenvermögen von rund 120 Milliarden Euro. Castellini wertet es als gutes Zeichen, dass ein internationaler Akteur wie Barclays im Fürstentum geblieben ist, obwohl er sich aus Frankreich zurückgezogen hat. Auch HSBC pflegt seine Filiale.

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