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Die Vermögensfrage : Drum rechne, wer sich ewig bindet...

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Guter Wille: Für die guten wie die schlechten Tage gibt es bei den Finanzen Optimierungsbedarf. Bild: F1online

Verheiratete können bei Steuern und Versicherungen sparen. Wenn aber die Ehe scheitert, besteht selten ein langer Anspruch auf Unterhalt.

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          2013 haben sich 373.655 Paare in Deutschland das Jawort gegeben. Für das Fest haben die Brautpaare zig Schuh- und Brautläden abgeklappert, die Preise für Gestecke und Ringe verglichen und viel Zeit in die Sitzordnung investiert. Bekanntermaßen sind Familienfeiern ein Nährboden für Zwistigkeiten. Und dann gilt es, Tante Inge möglichst weit von Onkel Lothar zu platzieren. Schließlich soll so eine Hochzeit ein Fest der Freude sein. Romantisch eben.

          Glaubt man einer Umfrage von TNS Emnid aus dem Jahr 2014, spielt neben all der Romantik der schnöde Mammon auch eine Rolle. Danach würden 30 Prozent der Befragten vor dem Jawort den Taschenrechner zücken und mit ihrem Steuerberater sprechen. Denn für sie ist Steuern sparen ein guter Grund, zu heiraten. 40 Prozent der Befragten würden sich das Jawort geben, um finanziell und im Unglücksfall besser abgesichert zu sein. Doch rechnet sich eine Ehe oder eine eingetragene Partnerschaft – ganz nüchtern kalkuliert – überhaupt?

          Um eines vorwegzunehmen: Steuern und Geld sparen können Paare mit Trauschein vor allem dann, wenn sie sich für die klassische Hausfrauen-Ehe entscheiden: Ein Partner verdient das Geld, der andere bleibt zu Hause, kümmert sich um Hund, Haus, Garten und den Nachwuchs. Diese Rechnung geht jedoch nur dann auf, wenn die Ehe nicht vorzeitig geschieden wird. Alle Ehepaare profitieren hingegen unabhängig von der Höhe des jeweiligen Einkommens, wenn sie zusammenbleiben, bis dass der Tod sie scheidet: Das Erbrecht gewährt Verheirateten deutlich höhere Freibeträge als Paaren in wilder Ehe.

          Großer Steuervorteil bei unterschiedlichen Einkommen

          Zum Thema Steuern lässt sich präzisieren: Ehepaare können zwischen einer Einzelveranlagung und einer gemeinsamen Veranlagung wählen. Bei Letzterer profitieren die frisch Vermählten bei der Einkommensteuer vom günstigen Splittingtarif. Dabei werden die Einkommen der Partner addiert, der Betrag halbiert, die Höhe der Steuer ermittelt und diese dann verdoppelt. Diese Berechnungsmethode führt dazu, dass die Einkommensteuer bei der Zusammenveranlagung meist niedriger ausfällt. Es gilt die Faustregel: Je unterschiedlicher das zu versteuernde Einkommen der beiden Partner, desto größer der Steuervorteil. Kaum ein Plus in der Haushaltskasse ergibt sich, wenn das Einkommen der beiden Partner ungefähr gleich hoch ist.

          Nehmen wir ein Beispiel: Beide Ehegatten verfügen über ein zu versteuerndes Einkommen von 30.000 Euro. In diesem Fall ist der Steuervorteil nach dem Gang zum Standesamt de facto gleich null. „Es können lediglich Frei- und Pauschbeträge, die einer der Ehegatten nicht benötigt, vom anderen genutzt werden“, sagt Steuerberater Wolfgang Wawro vom Steuerberaterverband Berlin-Brandenburg. Ganz anders verhält es sich hingegen, wenn beispielsweise einer der Ehegatten ein zu versteuerndes Einkommen von 80.000 Euro hat und der andere nichts verdient. In diesem Fall spart das Paar mit dem Trauschein 7892,45 Euro im Jahr, rechnet Wawro vor. Die Zusammenveranlagung können Ehepaare im Übrigen für das gesamte Jahr wählen, auch wenn sie erst Ende Dezember nach dem Gespräch mit dem Steuerberater das Standesamt aufsuchen.

          Nach der Heirat stufen die Finanzämter die Ehegatten automatisch in die Steuerklasse IV/IV ein. Diese Kombination rechnet sich vor allem für die Paare, die annähernd gleich viel verdienen. Bringt einer der Partner rund 60 Prozent des Einkommens nach Hause, der andere 40 Prozent, lohnt sich die Steuerklassenkombination III/V. Allerdings bleibt in Steuerklasse V netto wenig übrig. „Zudem verlangt das Finanzamt in vielen Fällen eine ordentliche Nachzahlung“, sagt Wawro.

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