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Ehegattensplitting : Lohnt sich die Arbeit nach der Babypause?

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Doch noch ein bisschen länger zu Hause spielen? Könnte sich finanziell lohnen! Bild: dapd

Viele Mütter zögern mit der Rückkehr in den Beruf. Das Ehegattensplitting bremst den Elan. Wie sehr, das zeigen neue Berechnungen, die das Forschungsinstitut IZA für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung gemacht hat.

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          Nach der Geburt eines Kindes stellt sich für viele Paare schnell die Frage, ob künftig wieder beide arbeiten sollen oder ein Partner zur Betreuung des Nachwuchses länger zuhause bleibt. Doch das deutsche Steuer- und Sozialsystem erschwert es den Müttern, wieder in den Beruf zurückzukehren. Das haben Berechnungen des renommierten Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung ergeben. Studien hatten zuvor nachgewiesen, dass in Deutschland mehr Alleinverdiener-Haushalte existieren als in anderen Ländern mit anderen Steuersystemen.

          Vor allem für Ehepaare ist es zumindest aus finanziellen Gründen nicht immer attraktiv, wenn beide Partner arbeiten. Denn dann verlieren sie einen Teil des steuerlichen Vorteils durch das Ehegattensplitting. Sie müssen zudem zusätzlich für die gesetzliche Krankenversicherung bezahlen. Arbeitet ein Partner hingegen nicht, ist er beim anderen kostenlos mitversichert. Hinzu kommen die Kosten für eine mögliche Kinderbetreuung, um die Berufstätigkeit beider Eltern erst zu ermöglichen. Viele Mütter arbeiten trotzdem, um ihre beruflichen Kenntnisse nicht zu verlieren und sich Karrierechancen zu erhalten.

          Die Rechnungen des IZA ergaben, dass die größten Hürden bestehen, wenn ein Partner ein hohes Gehalt hat. Dann ist der Splittingvorteil sehr hoch. Verdient der Mann zum Beispiel 100.000 Euro und die Frau könnte für 20.000 Euro eine Teilzeitstelle finden, bekommt das Ehepaar bei zu betreuenden zwei Kindern nur etwa ein Viertel davon als zusätzliches Netto ausbezahlt. Für unverheiratete Paare wäre es noch etwa die Hälfte.

          Besonders unattraktiv ist es für Ehepaare, wenn ein Partner zugunsten des anderen von einer Vollzeit- auf eine Teilzeitstelle wechselt und sich beide dann die Kinderbetreuung teilen, wie es immer mehr Paare gerne machen würden. Das IZA hat das ausgerechnet für den Fall eines Mann, der bisher 80.000 Euro verdiente und jetzt in Teilzeit nur noch 40.000 Euro. Seine Frau arbeitet für das gleiche Gehalt. Das Paar hat also kein höheres Bruttoeinkommen als vorher. Durch diese Konstruktion verliert das Paar 2000 Euro im Jahr an Nettoeinkommen. Muss trotzdem noch eine Kinderbetreuung organsiert werden, sinkt das Netto noch weiter. Schuld ist daran aber nicht das Ehegattensplitting, sondern der Verlust der kostenlosen Mitversicherung der Ehefrau in der gesetzlichen Krankenversicherung, für die sie nun extra bezahlen muss.

          Mini-Jobs mindern den Splittingvorteil nicht

          Am attraktivsten sind für Ehepaare Mini-Jobs. Sie sind steuer- und sozialabgabenfrei und mindern den Splittingvorteil des Hauptverdieners nicht. Dabei darf aber nicht mehr als 450 Euro im Monat  verdient werden. Niedriger sind die Hürden auch, wenn das Gehalt beider Ehepartner nicht sehr hoch ist. Dann ist der Steuersatz niedriger und der Splittingvorteil wirkt weniger.

          Beim Splittingverfahren teilt das Finanzamt das gemeinsame Einkommen des Paares durch zwei und ermittelt den für diese Hälfte üblichen Steuersatz. Der ist niedriger als für die gesamte Summe, denn in Deutschland sinkt der Steuersatz mit dem Einkommen. Diesen niedrigen Steuersatz wendet der Fiskus dann für das gesamte Einkommen des Paares an. Es spart dadurch Steuern. Nicht-verheiratete Paare werden getrennt besteuert.  Seit Jahrzehnten werden daher immer wieder Versuche unternommen, das Splitting abzuschaffen. Sie sind bisher alle gescheitert.

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