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Tipps zur richtigen Gestaltung : Die Familienstiftung ist kein Steuersparmodell

  • -Aktualisiert am

Trotzdem kann sich die Einrichtung steuerlich lohnen. Das hängt von der Gestaltung ab. Die Möglichkeiten sind vielfältig.

          5 Min.

          Die deutsche Familienstiftung wird erbschaftsteuerlich eher wie ein Familienmitglied denn wie eine fremde juristische Person behandelt. Für sonstige Stiftungen gilt das nicht. Da Stiftungen mit dem Stifter nicht verwandt sind, haben sie eigentlich Zuwendungen des Stifters – sei es zu seinen Lebzeiten oder von Todes wegen – in der ungünstigsten Steuerklasse III zu versteuern. Die Steuerklasse III kennt nur zwei Steuersätze. Für Erwerbe bis zu einem Wert von 6 Millionen Euro gilt ein Steuersatz von 30 Prozent. Liegt der Wert einschließlich aller Erwerbe innerhalb der letzten zehn Jahre darüber, werden er und die Vorerwerbe mit sogar 50 Prozent der Erbschaft- und Schenkungsteuer unterworfen. Darüber hinaus kann eine Stiftung normalerweise nur einen Freibetrag von 20.000 Euro geltend machen, während der persönliche Freibetrag etwa von Kindern bei 400.000 Euro und Enkeln bei 200.000 Euro liegt.

          Anders bei der deutschen Familienstiftung. Hier bestimmt sich die Steuerklasse nach dem Verwandtschaftsverhältnis des Stifters zu demjenigen Begünstigten, der mit ihm am entferntesten verwandt ist. Dient die Stiftung somit allein der Versorgung des Stifters, seiner Ehefrau und seiner Abkömmlinge, so werden die Zuwendungen im Rahmen der Errichtung der Stiftung in der Steuerklasse I und damit je nach Wert des der Stiftung übertragenen Vermögens mit Steuersätzen von 7 Prozent (bei Erwerben bis 75.000 Euro) bis zu 30 Prozent (bei Erwerben über 26 Millionen Euro) besteuert. Denn wenn sich der Zweck der Stiftung auf die Versorgung der Kernfamilie beschränkt, gehören alle Begünstigten der SteuerklasseI an.

          Ein Freibetrag von 20.000 Euro

          Werden hingegen beispielsweise auch Neffen und Nichten oder Schwiegerkinder in den Begünstigtenkreis aufgenommen, so gilt für den gesamten Erwerb der Familienstiftung die Steuerklasse II mit ebenfalls in Wertstufen gestaffelten Steuersätzen von 15 bis 43 Prozent. Die Familienstiftung ist zudem nicht auf den geringen Freibetrag von 20.000 Euro beschränkt. Ihr steht vielmehr der Freibetrag zu, den auch der aus dem begünstigten Kreis entfernteste mit dem Stifter Verwandte geltend machen könnte. Die Finanzverwaltung wendet dieses Steuerklassen- und Freibetragsprivileg allerdings nur auf die Erstausstattung der Stiftung und nicht auf spätere Zustiftungen an. Diese werden vielmehr auch bei Familienstiftungen grundsätzlich in Steuerklasse III besteuert. Eine Privilegierung kann jedoch auch bei späteren Zuwendungen in Betracht kommen, wenn sich der Stifter bereits im Stiftungsgeschäft hierzu verpflichtet hat.

          Da die vorgenannten Privilegien nur für deutsche Familienstiftungen gelten, kommt es wesentlich darauf an, unter welchen Voraussetzungen überhaupt eine Familienstiftung vorliegt. Die Finanzverwaltung hat sich in den Erbschaftsteuerrichtlinien insoweit festgelegt, dass sie von einer Familienstiftung ausgeht, wenn entweder dem Stifter und seiner Familie mindestens die Hälfte der Erträge der Stiftung und im Falle späterer Auflösung mindestens die Hälfe ihres Vermögens zufallen oder sie nur in Höhe eines Viertels bezugs- und anfallsberechtigt sind, dafür aber zusätzliche Merkmale ein besonderes Familieninteresse belegen; so etwa wenn die Familie in der Stiftung maßgeblichen Einfluss ausüben kann. Liegen diese Voraussetzungen vor, ist die Familienstiftung zudem nur dann steuerprivilegiert, wenn sie ihren Sitz oder ihre Geschäftsleitung in Deutschland hat.

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