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Der Steuertipp : Sparen mit dem doppelten Haushalt

  • -Aktualisiert am

Bei beruflich bedingter doppelter Haushaltsführung hilft der Fiskus. Bild: dpa

Wer einen doppelten Haushalt führen muss, sollte genau zu prüfen, ob ein Werbungskostenabzug in Frage kommt. Das zeigt abermals ein aktuelles Urteil. Worauf gilt es zu achten?

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          Bei beruflich bedingter doppelter Haushaltsführung hilft der Fiskus, indem er etwa Kosten für die Wohnung am Arbeitsort (maximal 1000 Euro pro Monat) und für die wöchentliche Familienheimfahrt (0,30 Euro pro Entfernungskilometer) als Werbungskosten steuermindernd zulässt. Voraussetzung ist unter anderem, dass ein eigener Hausstand am Lebensmittelpunkt unterhalten wird.

          Wohnen beide Ehegatten während der Woche gemeinsam in einer Wohnung am Arbeitsort und nutzen an freien Tagen eine andere Wohnung, unterstellt der Fiskus regelmäßig, dass der Lebensmittelpunkt in der Wohnung an der Arbeitsstätte ist, und verneint die doppelte Haushaltsführung.

          Ein Urteil des Finanzgerichts (FG) Münster (vom 26. September 2018, 7 K 3215/16 E) zeigt, dass es sich aber auch in solchen vermeintlich klaren Fällen lohnt, genau hinzuschauen. Im konkreten Fall wohnte ein Ehepaar bereits seit vielen Jahren zusammen am Ort ihrer Arbeitsstätten, und die Tochter ging dort zur Schule. Die Familie verbrachte aber nahezu alle ihre freien Tage, teilweise auch getrennt voneinander, im Heimatort, in dem sie ein Haus gemeinsam mit der Mutter der Ehefrau bewohnten.

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          Das Gericht bejahte den eigenen Hausstand im Heimatort, weil die Ehefrau Miteigentümerin des Grundstücks war und sich das Ehepaar an den Kosten für den Haushalt (wie den Abwassergebühren und Instandhaltungsmaßnahmen) beteiligte. Die Abwägung der Umstände des Einzelfalls ergab für das Gericht, dass sich auch dort der Lebensmittelpunkt der Familie befand. Dafür sprachen etwa die nur dort bestehenden nennenswerten sozialen Kontakte, die dort regelmäßig aufgesuchten Ärzte sowie Vereinszugehörigkeiten. Ebenfalls sahen die Richter die höhere Wohnqualität im Heimatort aufgrund des großen Gartens im Vergleich zur Dachgeschosswohnung am Beschäftigungsort als Indiz.

          Das Urteil zeigt, dass es sich in Fällen des doppelten Haushalts lohnt, für jeden Einzelfall genau zu prüfen, ob ein Werbungskostenabzug in Frage kommt, und auch entsprechende Nachweise vorzuhalten.

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