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Der Steuertipp : So werden Börsenverluste abgesetzt

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Wie werden Börsenverluste steuerlich angesetzt? Bild: dpa

An der Börse kann jeder Rendite erzielen und muss Gewinne entsprechend versteuern. Was passiert aber bei Verlusten, was gilt es hier steuerlich zu beachten?

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          Es ist ein einfaches Gesetz: Je höher die Rendite einer Kapitalanlage, desto höher ist auch das Risiko eines Totalverlustes. Da das Finanzamt von Gewinnen profitiert, indem es sie mit 25 Prozent Abgeltungsteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag besteuert, ist es nur recht und billig, dass sich der Fiskus im Falle eines Totalverlustes auch an diesem beteiligt.

          Entsprechend lässt die höchste Steuerrechtsprechung unter anderem folgende Verluste zum Abzug zu: erstens die Verluste aus der Veräußerung nahezu wertloser Aktien. Nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 12. Juni 2018 (VIII R 32/16) sind diese klar absetzbar. Er untersagt damit eine Einschränkung der Finanzverwaltung, die Verluste nicht anerkennen möchte, wenn die Veräußerungskosten höher als der Restwert sind.

          Zweitens sind wohl auch Verluste durch die (wertlose) Ausbuchung oder Einziehung von Aktien absetzbar, wenn vorher keine Veräußerung der Aktien gelang (BFH vom 12. Mai 2015, IX R 57/13). Es ist natürlich besser, vorher noch zu verkaufen.

          Drittens Verluste aus dem Verfall von Optionen, Optionsscheinen und Knock-out-Instrumenten (BFH-Urteile vom 12. Januar 2016, IX R 48/14, IX R 49/14, IX R 50/14) und Verluste des Stillhalters der Option bei Optionsausübung (BFH-Urteil vom 20. Oktober 2016, VIII R 55/13). Viertens Totalverluste aus Rentenpapieren und sonstigen zinstragenden Kapitalforderungen (BFH-Urteil vom 24. Oktober 2017, VIII R 13/15). Allerdings vertritt hier das Finanzgericht Kassel eine andere Meinung (Urteil vom 12. April 2018, 9 K 1053/15).

          Leider hat die Finanzverwaltung in der Vergangenheit immer wieder eine abweichende Rechtsauffassung vertreten und den Verlustabzug in verschiedenen Konstellationen versagt. Entsprechend berücksichtigten Banken die Verluste beim Einbehalt der Abgeltungsteuer oftmals nicht, so dass der Anleger die Verluste nachträglich (unter Mitwirkung seiner Bank) identifizieren und durch Abgabe der Anlage KAP zur Korrektur der Kapitalertragsteuer nachträglich geltend machen sollte.

          Der Autor ist Rechtsanwalt, Steuerberater und Partner bei KPMG.

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