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Steuertipp : Vorsicht bei Ebay!

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Die Nachhaltigkeit der Tätigkeit verbunden mit einer aktiven Teilnahme am Markt ist das Kriterium für einen Gewerbebetrieb. Bild: dpa

Wer bei Ebay alte Sachen verkauft, sollte aufpassen. Denn der Übergang von einmaligen Veräußerungen zu einem gewerblichen Handel, für der Fiskus Gewerbesteuer verlangt, ist fließend.

          Ein Angebot bei Ebay plazieren, das Auto an einen Verwandten verkaufen - fast jeder von uns betätigt sich hin und wieder als Kaufmann. Doch Achtung: Der Übergang von solchen einmaligen Veräußerungshandlungen zu einem gewerblichen Handel, den der Fiskus der Gewerbesteuer unterwirft, ist fließend.

          Eines der entscheidenden Kriterien für das Vorliegen eines Gewerbebetriebs ist die Nachhaltigkeit der Tätigkeit verbunden mit einer aktiven Teilnahme am Markt. Dies bedeutet zum einen, dass der Steuerpflichtige eine Wiederholungsabsicht bei seiner Tätigkeit hat. Allerdings reicht hierfür der gelegentliche Verkauf von Haushaltsgegenständen oder Schmuck aus dem Privatbesitz etwa auf einem Flohmarkt nicht aus, selbst wenn dabei die Absicht bestand, einen Gewinn zu erzielen. Und auch der private Briefmarkenliebhaber ist nur dann als Unternehmer anzusehen, wenn er sich beim Aufbau seiner Sammlung wie ein Händler verhält.

          Wer aber in großem Stil und regelmäßig bei Online-Auktionen wie Ebay tätig wird, kann schnell vom Finanzamt als Gewerbetreibender angesehen werden. Dies ist vor allem der Fall, wenn es sich um den Einkauf oder Verkauf größerer Mengen eines neuen Artikels handelt, der nicht für den Eigengebrauch bestimmt ist, sondern zum Weiterverkauf. Eine klare Trennung zwischen dem betrieblichen und dem privaten Bereich muss insbesondere erfolgen, wenn man bereits als Gewerbetreibender beim Finanzamt erfasst ist. Ansonsten wird auch gelegentlicher zusätzlicher Internethandel als Teil des Gewerbebetriebs gewertet.

          Ein Gewerbebetrieb setzt nicht voraus, dass die Tätigkeit ununterbrochen ausgeübt wird. Auch Saisonbetriebe wie Verkaufsstände auf Jahrmärkten sind nachhaltig und damit gewerblich tätig. Die erforderliche unternehmerische Marktteilhabe heißt, dass sich der Verkäufer mit seiner Tätigkeit im Prinzip an einen unbegrenzten Käuferkreis wendet.

          Wird de facto die Verkaufsabsicht nur einem kleinen Personenkreis, unter Umständen auch nur einer einzigen Person bekannt, spricht dies ebenfalls nicht gegen eine gewerbliche Tätigkeit. Ein aktuelles, noch nicht rechtskräftiges Urteil des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz vom 18. Juli 2014 (1 K 2552/11) zeigt allerdings, dass auch diesbezüglich die Beurteilung unterschiedlich ausfallen kann: Die Richter stuften die Tätigkeit eines international agierenden Fußballschiedsrichters als nicht gewerblich ein, da der Abnehmerkreis seiner Leistung (diverse Fußballverbände) sehr begrenzt sei.

          Insofern unterscheide er sich von einem Tennis-Schiedsrichter, der von Turnierveranstaltern beauftragt werde, die als Marktteilnehmern untereinander konkurrierten. Hinzu kamen als weitere gegen die Gewerblichkeit sprechende Gründe die nicht frei verhandelbare Vergütung des Fußballschiedsrichters, die mehr einer festen Aufwandsentschädigung entspricht, sowie die festen, in den Statuten der Verbände geregelten Tätigkeitsbedingungen.

          Liegt ein Gewerbebetrieb vor, unterliegen die erzielten Gewinne der Einkommensteuer. Zusätzlich fällt Gewerbesteuer an, allerdings nur, sofern ein Freibetrag von 24.500 Euro überschritten wird. Zudem ermäßigt die Gewerbesteuer nach einem bestimmten Verrechnungsmaßstab die Einkommensteuerlast. Nicht zu vergessen ist die Umsatzsteuer, auf deren Erhebung nur verzichtet werden kann, wenn sich der Jahresumsatz im Gründungsjahr auf nicht mehr als 17.500 Euro beläuft und im Folgejahr 50.000 Euro voraussichtlich nicht übersteigen wird. Private Veräußerungsgeschäfte sind zwar nicht gewerbe- und umsatzsteuerpflichtig. Einkommensteuer kann aber auch hier anfallen, wenn der Zeitraum zwischen An- und Verkauf eines Gegenstandes weniger als ein Jahr beträgt und der Gewinn im Kalenderjahr mehr als 600 Euro beträgt.

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