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Steuererklärung : Lohnt sich ein Steuerberater?

Der klassische Steuerberater: Seine Beschäftigung lohnt sich für die Mehrheit nicht Bild: © Stephanie Carter/ImageZoo/Corb

Ein Steuerberater kann locker 1000 Euro kosten. Nur braucht man ihn heute wirklich? Mit ein bisschen Geduld kann man sich das Geld sparen. Vereine und Computerprogramme sind günstiger - und reichen aus.

          5 Min.

          Jetzt wird wieder geschwitzt in deutschen Wohnzimmern. Der Stichtag 31. Mai rückt schnell näher: Zeit, die Steuererklärung für 2012 abzugeben. Für die meisten ist das auch nach vielen Berufsjahren immer noch eine große Herausforderung.

          Dyrk Scherff
          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dann überhäufen wieder Berge von Belegen und Formularen den Tisch, gleich neben den Erklärungsblättern der Steuerverwaltung und dem Taschenrechner. Die Kopie der Steuererklärung des Vorjahres dient als Vorlage - und trotzdem vergehen wieder Stunden, bis die neue Erklärung erstellt ist. Begleitet von dem mulmigen Gefühl, irgendeine wichtige Absetzmöglichkeit vergessen zu haben.

          Manch einer flucht dann vor sich hin, schimpft auf das komplizierte deutsche Steuersystem und sehnt endlich Entlastung herbei. Die gibt es zuhauf. Steuerberater und Rechtsanwälte, Lohnsteuerhilfevereine und der Computer mit spezieller Steuersoftware stehen bereit. Aber sie gibt es nicht kostenlos. Die Computerprogramme sind da mit Preisen ab 15 Euro noch die günstigsten. Steuerberater verlangen bei mittleren Einkünften hingegen schnell 700 Euro für eine Standarderklärung. Das muss über die Steuererstattung erst einmal wieder hereingeholt werden. Im Januar wurden die Gebühren zudem zum ersten Mal seit 14 Jahren erhöht, um rund fünf Prozent.

          Bei Unstimmigkeiten prüft die Steuerberaterkammer

          Ob sich ein Steuerberater lohnt, zeigt ein Blick in die Steuerberatergebührenordnung. Sie setzt Minimal- und Maximalgebühren fest. Sie steigen mit der Summe der positiven Einkünfte - also nicht etwa mit der Höhe der nachher erreichten Steuerrückzahlung. Nur die Minimalgebühren sind fällig, wenn der Aufwand klein ist und der Steuerberater auf dem Land aktiv ist. In Großstädten, wo die Kosten der Kanzleien höher sind, haben sich Gebühren in oder knapp unter der Mitte zwischen Minimal- und Maximalsatz eingependelt. Verlangt der Berater mehr als diese sogenannte Mittelgebühr, muss er das besonders gut begründen, haben Gerichte entschieden. Davor scheuen viele zurück.

          Der Kunde kann die Kosten senken, wenn er mithilft und damit dem Berater Arbeit abnimmt. Die Belege sollten vollständig sein, denn Nachfragen etwa bei der Bank kosten den Berater Zeit, die er in Rechnung stellt. Die Nachweise sollten nicht einfach wild durcheinander im Karton überreicht werden, sondern schon vorsortiert, zum Beispiel nach Kapitaleinkünften, Ausgaben fürs Kind, doppelter Haushaltsführung oder außergewöhnlichen Belastungen.

          Trotzdem: Weniger als die Minimumgebühr darf der Berater nicht verlangen. Wie viel die Steuererklärung am Ende kostet, weiß der Kunde vorher nicht - ein Nachteil. Im besten Fall bekommt er am Anfang eine grobe Spanne genannt. Er kann auch einen Pauschalpreis ausmachen. Der dürfte aber höher ausfallen als eine Abrechnung nach Gebührenordnung, weil der Berater einen Sicherheitspuffer aufschlägt. Bei Unstimmigkeiten über die Rechnung können Mandanten sie von der Steuerberaterkammer prüfen lassen.

          Lohnsteuerhilfevereine sind preiswerter

          Für reine Beratung, etwa vor einem Umzug ins Ausland und für das Prüfen von Steuerbescheiden, verlangt der Berater eine zeitabhängige Gebühr. Sie beträgt für eine halbe Stunde zwischen 36 und 83 Euro. „Um einen durchschnittlichen Bescheid zu überprüfen, brauche ich ungefähr 15 Minuten“, sagt Sonja Prechtner, Steuerberaterin aus Eltville bei Wiesbaden. Den Steuerberatern gleichgestellt sind die Rechtsanwälte. Sie dürfen auch beraten und verlangen dann die gleichen Gebühren wie die Steuerberater.

          Wer den hohen Aufwendungen für den Steuerberater lieber entkommen möchte, kann sich beispielsweise an die sogenannten Lohnsteuerhilfevereine wenden, die deutlich günstiger sind. Das dürfen Arbeitnehmer, Beamte und Auszubildende sowie Rentner und Pensionäre, nicht aber Freiberufler und Gewerbetreibende. Die Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung, Kapitalvermögen und sonstige Einkünfte dürfen dabei 13.000 Euro nicht übersteigen (26.000 Euro bei Ehepaaren). Die Höhe des Arbeitseinkommens ist nicht begrenzt.

          Wer die Steuererklärung von den Vereinen ausfertigen lassen will, muss nur einmalig eine kleine Aufnahmegebühr und dann einen jährlichen Mitgliedsbeitrag zahlen. Der hängt vom Einkommen ab, wozu auch Einkünfte auf Vermietung und Verpachtung und Kapitalanlagen gezählt werden. Die Beiträge betragen maximal 300 Euro. Für Einkommen von 50.000 Euro sind zum Beispiel bei Steuerring, einem der größten Vereine, 155 Euro fällig. Der Steuerberater würde mindestens 180 Euro, bei der oft üblichen Mittelgebühr aber schon rund 1000 Euro verlangen.

          Vorsicht: Die Qualität muss stimmen

          Die Lohnsteuerhilfevereine arbeiten mit ausgebildeten Fachkräften, zum Beispiel ehemaligen Finanzbeamten, Bilanzbuchhaltern oder Steuerfachangestellten. Verlangt wird, dass der Mitarbeiter drei Jahre lang mindestens 16 Wochenstunden im Bereich der Einkommensteuer tätig war. Doppelte Haushaltsführung, Mieteinnahmen, inländische Kapitaleinkünfte, außergewöhnliche Belastungen - damit kommen die Vereine gut klar. An die Grenzen könnten sie in Spezialfällen stoßen wie bei Grenzgängern in die Schweiz oder der Verrechnung ausländischer Kapitaleinkünfte. Da müssen allerdings auch die meisten Steuerberater genauer recherchieren.

          Die Vereine bieten noch mehr fürs Geld: Neben der Steuererklärung werden auch Einsprüche eingelegt und bei guten Erfolgsaussichten sogar gerichtlich durchgefochten. Das kann sogar bis zum Bundesverfassungsgericht gehen. Dort erstritt zum Beispiel 2008 ein Verein die Neuregelung der Pendlerpauschale. Zudem können sich die Mitglieder auch einfach nur beraten lassen. All das kostet nichts extra - im Gegensatz zum Steuerberater.

          Die Vereine gibt es in jeder Großstadt gleich mehrmals, aber auch in mittleren Städten sind sie zu finden. Rund 800 mit etwa vier Millionen Mitgliedern sind es in ganz Deutschland, zehn Prozent aller Steuererklärungen werden von Vereinen erstellt. Es gibt Mini-Vereine mit einem Betreuer im eigenen Wohnzimmer bis zu bundesweit aktiven Großorganisationen wie Steuerring mit rund 1000 Beratungsstellen und 240.000 Mitgliedern. Je kleiner der Verein, desto eher muss man darauf achten, ob eine ausreichende Qualität gewährleistet ist.

          Bei einfachen Fällen reichen Computerprogramme

          Für einfache Steuerfälle muss aber selbst der Gang zum Lohnsteuerhilfeverein nicht sein. Da reichen schon die Erläuterungen zu den Steuerformularen, die die Finanzbehörden ins Internet gestellt haben. Zur Absicherung kann man noch eines der vielen Steuercomputerprogramme kaufen. Sie kosten zwischen 15 und 40 Euro. Anerkannt sind t@x, Wiso Steuer-Sparbuch, Steuereasy und Steuer-Spar-Erklärung. Sie leiten durch die einzelnen Bereiche der Steuererklärung und fragen immer wieder nach, ob jeweils etwas abzusetzen ist. Dadurch entgeht dem Nutzer fast kein wichtiger Spartipp, auch wenn sich immer wieder kleine Mängel einschleichen.

          Steuerberater und Lohnsteuerhilfevereine können aber kaum deutlich bessere Tipps geben. Sie könnten höchstens bei aktuellen Gerichtsurteilen einen Zeitvorteil gegenüber den Programmen haben. Ihr Mehrwert liegt eher darin, dem Kunden die Arbeit abzunehmen. Zudem haften sie für die Angaben im Gegensatz zu den Computerprogrammen.

          Einen Steuerberater brauchen nur Selbständige

          Allerdings erleichtert die Steuersoftware die Arbeit vor allem dann, wenn sie jedes Jahr genutzt wird. Denn die Daten können gespeichert werden und müssen dann im kommenden Jahr nur noch aktualisiert werden. Sie können zudem gleich direkt elektronisch über das Programm Elster ans Finanzamt geschickt werden. Dort wird die Erklärung dann schneller als der Rest bearbeitet.

          Fazit: Einen Steuerberater brauchen nur Selbständige. Arbeitnehmer und Rentner können für die üblichen Steuererklärungen auf die Lohnsteuerhilfevereine ausweichen. Bei beiden reicht es, wenn die Erklärung 2012 Ende des Jahres abgegeben wird. Ende Mai fertig werden muss derjenige, der seine Steuererklärung selbst oder mithilfe eines Computerprogramms erstellt. Das ist die günstigste Variante und ist nur beim ersten Mal wirklich schwer. Wer ein paar Stunden Zeit investiert, kann auf diese Weise viel Geld sparen.

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