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Steuerliche Konsequenzen : Wenn man sein Vermögen einer Stiftung überträgt

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Wohin mit dem Vermögen? Die Übertragung von Anteilen auf eine deutsche Familienstiftung kann durchaus eine Gestaltungsalternative bieten. Bild: dpa

Auch Familienstiftungen zahlen Steuern – und können internationale Familien vor Steuerbelastungen schützen. Vor allem bei Wegzügen kann die Übertragung von Anteilen eine Alternative bieten.

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          Einer Stiftung Vermögen zu übertragen bedeutet, sich von dem Vermögen zu trennen. Das Vermögen gehört nun einem anderen, nämlich der Stiftung. Dies gilt nicht nur rechtlich, sondern auch wirtschaftlich. Darin unterscheidet sich die Stiftung von Gesellschaften. Wer Vermögen in eine Gesellschaft einbringt, bleibt wertmäßig in dem Umfang an dem eingebrachten Vermögen beteiligt, in dem er an der Gesellschaft beteiligt ist. Er kann den Wert des Eingebrachten sogar alleine seiner Beteiligung gutschreiben lassen. An Stiftungen aber gibt es keine Beteiligungen. Die Stiftung, jedenfalls die staatlich anerkannte und staatlicher Aufsicht unterliegende rechtsfähige Stiftung, ist vielmehr ein eigenständiges Rechtssubjekt ohne Anteilseigner.

          Dies hat auch steuerliche Konsequenzen. So hat die Stiftung wie jede natürliche und juristische Person steuerliche Pflichten zu erfüllen. Sie hat auf ihre Einkünfte Körperschaftsteuer zu zahlen und wird damit auch weitgehend wie Körperschaften, etwa GmbHs oder Aktiengesellschaften, behandelt. Sie unterliegt mit ihren Einkünften grundsätzlich einem Körperschaftsteuersatz von 15 Prozent, der sich noch mal um den Solidaritätszuschlag erhöht, und soweit sie einen Gewerbebetrieb unterhält, zusätzlich auch der Gewerbesteuer mit einem vom konkreten Hebesatz abhängigen Steuersatz von circa 14 Prozent. Nur wenn eine Stiftung ausschließlich gemeinnützig tätig ist, ist sie von der Körperschaftsteuer und auch der Gewerbesteuer befreit.

          Keine Steuerbefreiungen für Familienstiftungen

          Doch auch die gemeinnützige Stiftung bleibt körperschaftsteuer- und gewerbesteuerpflichtig, soweit sie einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb unterhält, es sei denn, dieser ist als sogenannter Zweckbetrieb anzusehen, weil er insbesondere zur Erfüllung der satzungsmäßigen, gemeinnützigen Zwecke zwingend notwendig ist. Für eine privatnützige Stiftung, insbesondere eine Familienstiftung, deren Zweck in der Versorgung der Familie liegt, gibt es derartige Steuerbefreiungen hingegen nicht. Anders als eine Kapitalgesellschaft erwirtschaftet eine Familienstiftung aber nicht generell gewerbliche Einkünfte, sie kann viel-mehr auch solche aus Vermietung und Verpachtung, aus land- und forstwirtschaftlichem Vermögen oder aus Kapitalvermögen erzielen. Dementsprechend gehört auch nicht das gesamte Vermögen der Stiftung notwendigerweise zum Betriebsvermögen. Vielmehr kann eine Stiftung wie eine natürliche Person auch Privatvermögen halten und damit beispielsweise eine Immobilie, die sie schon länger als zehn Jahre hält, steuerfrei verkaufen.

          Die Erstausstattung der Stiftung und auch spätere Zustiftungen stellen keine ertragsteuerpflichtigen Einkünfte dar, sie sind aber – soweit sie unentgeltlich erfolgen – erbschaft- und schenkungsteuerpflichtig. Auch der Stifter schuldet bei derartigen Zuwendungen neben der Stiftung die Schenkungsteuer, wenn auch die Stiftung als Beschenkte vorrangig vom Finanzamt in Anspruch genommen wird. Einkommensteuerliche Belastungen hat der Stifter bei unentgeltlichen Übertragungen von Vermögen auf die Stiftung hingegen in der Regel nicht zu befürchten. Bei der Übertragung etwa von Immobilien auch in der zehnjährigen Spekulationsfrist schützt die Unentgeltlichkeit der Zuwendung vor einkommensteuerlichen Belastungen. Die Stiftung führt dann die Anschaffungskosten und die Abschreibung des Stifters fort. Aufgrund der Schenkungsteuerpflicht solcher Zuwendungen ist sie auch von der Zahlung von Grunderwerbsteuer befreit. Ebenso führt die Übertragung von Beteiligungen an Kapitalgesellschaften von 1 Prozent und mehr bei Unentgeltlichkeit zu keiner Steuerpflicht.

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