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Bankgebühren : Sparkassen wollen mehr Transparenz bei Gebühren

  • -Aktualisiert am

Immer mehr Banken verlangen Gebühren für die Kontoführung und Nutzung am Handy. Bild: dpa

Nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs empfiehlt der Präsident des baden-württembergischen Sparkassenverbands pauschale Gebührenmodelle. Verbraucherzentralen warnen vor zweifelhaften Gebühren.

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          Der Präsident des baden-württembergischen Sparkassenverbands, Peter Schneider, hat an die Banken appelliert, auf einfache und nachvollziehbare Gebührenmodelle zu setzen. „Ich halte von verschwurbelten Gebührenmodellen gar nichts“, sagte Schneider in Stuttgart mit Blick auf die jüngste Entscheidung des Bundesgerichtshofs, wonach Institute für per SMS zugesandte Tan-Nummern im Online-Banking nur dann eine Gebühr erheben dürfen, wenn sie tatsächlich vom Kunden eingesetzt werden. Eine Klausel, wonach jede per SMS versandte Zugangsnummer für das Online-Banking zehn Cent kostet, ist demnach unzulässig.

          „Die Kundschaft mag pauschale Gebührenmodelle“, sagte der Verbandsfunktionär, der die Interessen der 51 Sparkassen in Baden-Württemberg vertritt. Er empfehle den Häusern klare Gebührenmodelle. „Die Kunden wollen überwiegend ein pauschales Angebot.“ Der Verbraucherzentrale Bundesverband hatte gegen eine hessische Sparkasse geklagt, weil sie für jede an das Handy des Kunden gesendete SMS-Tan eine Gebühr von zehn Cent erhebe. Die Gebühr fiel nach Darstellung der Verbraucherschützer auch an, wenn ein Kunde die Tan etwa wegen Phishing-Verdachts oder Zeitablaufs gar nicht nutzte. Erst vor kurzem hatten die Verbraucherzentralen Banken und Sparkassen vor zweifelhaften neuen Gebühren als Reaktion auf niedrige Zinsen gewarnt. Viele Institute hatten in der Vergangenheit sich gegeneinander die Kunden streitig gemacht, weil sie mit einem kostenlosen Girokonto geworben hatten.

          Nach Protesten Absage an den Negativzins

          Schneider versicherte, dass die baden-württembergischen Sparkassen von Privatkunden keine Negativzinsen für hohe Einlagen verlangen wollen. „Ich glaube, dass diese Botschaft bei den Privatkunden angekommen ist.“ Die Volksbank in Reutlingen hatte zuletzt die theoretische Möglichkeit geschaffen, Negativzinsen von Kunden zu verlangen, sich dann aber nach heftigen Protesten wieder davon distanziert. Der Sparkassen-Präsident beklagte ein bundesweit wohl strengeres Vorgehen des Fiskus bei Betriebsprüfungen von Banken, wenn es um die Höhe der Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle geht.

          Die Finanzämter fragten intensiv nach und dringen oftmals darauf, dass die Positionen gesenkt werden. Ein Sprecherin des baden-württembergischen Finanzministeriums sagte, bei der Besteuerung der Banken werde in der Betriebsprüfung untersucht, ob diese Pauschal- und Einzelwertberichtigungen steuerlich korrekt umgesetzt wurden. „Denn eine solche Wertberichtigung bedeutet Aufwand, der steuerlich zu einer Gewinnminderung führt. Daher überprüft die Finanzverwaltung, ob die Höhe der Wertberichtigung akzeptiert werden kann.“ Schneider warnte vor einem noch schärferen Vorgehen der Finanzbehörden. Die Risikovorsorge befinde sich schon heute aufgrund der anhaltend guten Wirtschaftslage auf niedrigem Niveau. Aber dieser Zustand werde nicht ewig anhalten.

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          Die gute Konjunktur sorgte auch dafür, dass die Kunden mehr Geld zu den baden-württembergischen Sparkassen brachten als noch im Vorjahr. Die Institute verwalteten Ende Juni 130 Milliarden Euro an Einlagen. Davon stammten gut 97 Milliarden Euro von Privatleuten, das sind 4,4 Prozent mehr als zum Vorjahreszeitpunkt. Nach Änderungen an der Richtlinie zur Vergabe von Krediten für Wohnimmobilien zogen diese wieder an.

          Die Verunsicherung habe sich gelegt. Im ersten Halbjahr 2017 wurden über 4,5 Milliarden Euro neue Darlehen zugesagt. Das waren rund 150 Millionen Euro mehr als im gleichen Zeitraum 2016. Schneider machte deutlich, dass die Sparkassen im Südwesten künftig bei Schließungen von Filialen noch genauer hinschauen wollen. Da sei schon ein gewisses Tempo an den Tag gelegt worden. Das könne nicht so weitergehen. Das Filialnetz für die Kunden wird vor allem aus Kostengründen ausgedünnt. Im ersten Halbjahr 2017 ist die Zahl der Filialen um 49 auf 2107 gesunken.

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