https://www.faz.net/-hbv-9g1c5

Weltspartag : Sparen ist nie überflüssig

Das Füttern eines Sparschweins ist immer sinnvoll. Es kommt drauf an, wofür. Bild: dpa

Am Weltspartag stellt sich besonders derzeit die Frage nach dem Sinn des Sparens. Den hat es auf jeden Fall – auch wenn man sich besser von tradierten Sparschwein-Vorstellungen verabschiedet.

          4 Min.

          Der Weltspartag scheint so deutsch wie selten etwas anderes. Ist er aber nicht – denn sonst hieße er ja auch nicht Welt-Spartag. Die Geburtsstunde des „World Thrift Day“ schlug, als im Jahr 1924 in Mailand erstmals Sparkassen-Delegierte aus 27 Ländern von Japan bis Uruguay zusammentrafen: „Kein Ruhetag, sondern ein Tag der Arbeit und des Handelns, inspiriert vom Ideal des Sparens mit dem Blick darauf, dessen Prinzipien durch Beispiel, Wort und Bild zu propagieren“, hieß es in einer Resolution des Kongresses.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das war ein hehres Ziel, als Banken dafür noch mit knalligen Slogans warben wie „Lieber ordentliche Zinsen als blöde Plastikschweine geschenkt bekommen!“ So war es in den achtziger Jahren, und es gab noch deutlich mehr als 2 Prozent Zinsen aufs Sparbuch, ganz zu schweigen von 5 Prozent in den frühen Siebzigern.

          Heute verzweifelt der klassische deutsche Sparer schier. Im August sank der Zins auf Spareinlagen mit dreimonatiger Kündigungsfrist auf ein neues Rekordtief von 0,15 Prozent – als ob das noch einen Unterschied ausgemacht hätte zu den 0,19 Prozent, die es vor Jahresfrist gab. Und so schimpft man auf die Europäische Zentralbank, die die Sparer enteigne.

          Im Schnitt negativ

          Allerdings irrt sich der Sparer in einer Hinsicht: Gelohnt hat sich das Banksparen in der langen Frist noch nie. Denn nach Abzug der Inflation waren die Zinsen auch schon in der Vergangenheit oft negativ. Das war etwa in den frühen Neunzigern der Fall, als die Banken zwar fast 3 Prozent Zinsen zahlten, Inflationsraten von 5 Prozent und mehr aber die Sparguthaben schneller auffraßen als heute. Auch zur Mitte der Siebziger war unter diesen Gesichtspunkten der Weltspartag alles andere als ein Fest. Spitzenwerte von real 2 Prozent Zinsen sind indes schon lange her. Das war zuletzt 1986 der Fall.

          Im Durchschnitt lagen die realen Sparzinsen in Deutschland seit 1967 bei minus 0,08 Prozent. Wer das dem Euro anlasten möchte, irrt. Denn zwischen 1967 und 1999 lagen die Sparzinsen in Deutschland real bei durchschnittlich minus 0,1 Prozent. Aber weil kaum etwas so sicher ist wie das Sparbuch oder vergleichbare Anlagen, ist das am Ende eigentlich keine Überraschung.

          Denn so knapp ist Geld schon lange nicht, als dass es Banken nötig hätten, kleinste Mengen teuer zu bezahlen. Dass die Zinsen höher ausfallen, wenn Geldinstitute dies brauchen, zeigt sich etwa auf Plattformen wie Zinspilot. Hier bieten kleine Banken aus Rumänien, Bulgarien und ähnlichen Ländern noch hohe Zinsen – und zudem ist das Risiko etwa bei der maltesischen Fimbank schon höher als etwa bei der Stadtparkasse Düsseldorf.

          Zinseszins richtig einschätzen

          Letztlich also war das Sparen im allgemeinen längerfristig immer nur dazu gut, wie man sagt, „die Groschen zusammenzuhalten.“ Und das ist schon etwas wert und reicht für manche Zwecke aus. Als häufigste Sparziele werden in Umfragen immer wieder Urlaubsreisen und der Autokauf genannt. Diese vergleichsweise kurzfristigen Wünsche sind gut zu realisieren, indem man Geld beiseite legt. Eine sichere Anlage sorgt dafür, dass am Ende der Sparperiode kein Geld verloren gegangen ist und ein kleiner Zins dafür, dass sich der Inflationsschaden zumindest in Grenzen hält.

          Zugegeben, selten kostete das so viel Geld wie jetzt. Und das gilt auch für die längerfristige Betrachtung. Über zehn Jahre hinweg zahlten Sparer nach Inflation im Jahresdurchschnitt zuletzt etwa 0,8 Prozent für die Aufbewahrung ihrer Groschen. Das wird nur von den siebziger Jahren noch übertroffen. Doch eines darf man dabei nicht übersehen: In deutlich mehr als der Hälfte der Zehn-Jahres-Perioden seit 1967 war der Realzins negativ. Die beste langfristige Sparperiode war übrigens die Zeit zwischen etwa 1993 und 2008 – also vor der Finanzkrise.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Linda Tripp spricht im Juli 1998 zu Reportern.

          Linda Tripp : Auslöserin der Lewinsky-Affäre ist tot

          Ihre heimlichen Tonbandaufnahmen brachten vor mehr als 20 Jahren Bill Clintons Präsidentschaft ins Wanken. Nun ist Linda Tripp im Alter von 70 Jahren gestorben. Monica Lewinsky hatte sich kurz vorher noch zu Wort gemeldet.
          Nach einer langen Nacht in Brüssel ging es für Bundesfinanzminister Olaf Scholz am Mittwoch in Berlin weiter.

          Corona-Bonds : Büchse der Pandora

          Die Behauptung, Corona-Bonds würden ein Ausnahmefall bleiben, zeigt bestenfalls politische Naivität. Wer die Büchse der Pandora öffnet, kann sie nie wieder schließen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.