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Anlegermesse Invest : Geigen und Ferienhaus zwischen Aktien und Fonds

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Angesichts der niedrigen Zinsen machen sich viele Menschen Sorgen um die Zukunft ihrer Ersparnisse und informieren sich auf der „Invest“. Bild: Messe Stuttgart

Auf der Anlegermesse Invest in Stuttgart ist alles gefragt. Besonders Internet-Finanzplattformen umwerben die Messebesucher.

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          Der Stand von Laura Germann auf der Anlegermesse Invest in Stuttgart wirkt auf den ersten Blick etwas exotisch. Die Geigenbaumeisterin aus Hamburg preist Streichinstrumente als Anlageobjekt an. „Das ist eine Alternative zu Gold oder Silber“, meint sie und betont, es müsse auf keinen Fall eine Stradivari sein. Instrumente europäischer Hersteller wie Widhalm oder Gagliano seien schon ab 30.000 Euro zu haben. Die mittlere jährliche Rendite seit 1955 betrage 7 Prozent, behauptet sie. Manch einer der rund 12000 Messebesucher kommt mit der jungen Frau bei der zweitägigen Veranstaltung ins Gespräch.

          Die meisten interessieren sich aber angesichts niedriger Zinsen jedoch für Informationen über die Anlage in Aktien, börsengehandelte Indexfonds (ETFs), Anleihen, Hebelprodukte oder Ähnliches. Da die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen stark gesenkt hat, sorgen sich viele Menschen um die Zukunft ihrer Ersparnisse.

          „Es besteht die Gefahr, dass die nächste Krise durch die Notenbank mit verursacht wird“, sagt Georg Fahrenschon, der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV). Er gilt als scharfer Kritiker der Zinspolitik. Die beobachtet gleichfalls Ralph Danielski, Geschäftsführer der Börse Stuttgart, mit zunehmender Sorge. „Alle stellen sich die Frage: Wann kommt die Zinswende?“

          Internet-Finanzplattformen locken mit „sicheren“ Angeboten

          Konservative Anleger werden auf der Messe auch von Internet-Finanzplattformen umworben. Für ein Jahr Festgeld verspricht beispielsweise das Finanzportal Savedo 0,9 Prozent Zinsen. Bei deutschen Banken und Sparkassen bekommt man derzeit nur wenige Zehntelprozent oder manchmal sogar nur 0,05 Prozent. Besagte Internetplattformen vermitteln Anlagen bei Banken in Portugal, Großbritannien, Rumänien, Bulgarien oder Kroatien. Die Nischenbranche sieht sich dank Niedrigzinsphase im Aufwind.

          Savedo ist zum ersten Mal auf der Messe vertreten. „Als Start-up muss man auch Offline-Vertrieb machen, um neue Kunden zu gewinnen“, heißt es dort. Ähnlich wie das Berliner Unternehmen preisen Portale wie Zinspilot oder auch Weltsparen „rentable und sichere“ Alternativen zu deutschen Niedrigzinsen an. „100 Prozent abgesichert“, heißt es auf der Weltsparen-Website, und weiter: „Einlagen sind bis zu einem Gegenwert von 100.000 Euro pro Bank und Sparer gemäß EU-Recht garantiert.“

          Direkte Einnahmen der Banken wesentlich höher

          Und wie laufen die Geschäfte der Finanzplattformen? Weltsparen berichtet beispielsweise, die Kundenzahl habe sich binnen eines Jahres etwa verdreifacht, auf mehr als 65.000 Kunden, für die Anlagen über gut 2,8 Milliarden Euro vermittelt wurden. Weltsparen bekommt Gebühren von den Banken, an die vermittelt wurde. Zinspilot teilt mit, man habe im vergangenen Jahr 40.000 Kunden gewonnen mit Guthaben von 1,2 Milliarden Euro. Im Vergleich zu den Volumen, die Banken auf dem direkten Weg einnehmen, ist das noch wenig. Banken und Sparkassen verfügen laut Deutscher Bundesbank über 3433 Milliarden Euro als Guthaben von Privat- und Firmenkunden.

          Die in Estland ansässige Bigbank wirbt gleichfalls um Festgeld von deutschen Anlegern. Über die genaue Zahl von Kunden macht Vorstandsvorsitzender Kaido Saar keine Angaben. „In Deutschland liegen die durchschnittlichen Pro-Kopf-Einlagen bei etwa 27.000 Euro“, berichtet er. Zum Vergleich: Der Durchschnitt bei dem Institut liege unter 20.000 Euro.

          Messebesucher bevorzugen Aktien

          Börsen-Geschäftsführer Danielski sieht eine kleine Renaissance für die Anleihen und verweist darauf, dass bei dem auf den Privatanleger spezialisierten Handelsplatz die entsprechenden Orderbuchansätze seit Monaten wieder zugenommen hätten. „Aber auf niedrigem Niveau.“ An den Ständen der großen Banken spielen Informationen zu Anleihen keine herausragende Rolle. Aber die IKB setzt ein kleines Ausrufezeichen und bewirbt sie aktiv.

          Die komplette Online-Vermögensverwaltung spielt auf der Messe noch eine Nebenrolle: Die Direktbank Comdirect arbeitet derzeit an einem Robo-Advisor-Angebot. Sie bietet seit einigen Jahren mit dem Anlage-Assistenten schon ein Portfolio-Tool für Selbstentscheider an. Aber: In den nächsten Wochen soll ein vollständig digitales Angebot auf den Markt gebracht werden, wie Bereichsleiter Investing, Jan Enno Einfeld, erläutert.

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          Und der Selbstentscheider, der nicht die Hilfe eines Beraters in Anspruch nimmt, ist auch der typische Invest-Besucher. Er bevorzugt Aktien, wie aus einer Umfrage der Börse Stuttgart und des Deutschen Derivate Verbands (DDV) und 3650 Personen hervorgeht. Von ihnen gaben knapp 60 Prozent an, auf die Anteilscheine zu setzen. Danach folgen Fonds/ETFs (19 Prozent), Derivate (12 Prozent) und Anleihen (6 Prozent).

          Fast die Hälfte der Befragten rechnet mit einer jährlichen Rendite von mehr als 7 Prozent, die meisten anderen liegen zwischen 3 und 7 Prozent. Und wer gar nicht in Wertpapieren anlegen will, findet auf der Messe auch ein eher konservatives Angebot. Da wird der Kauf eines Ferienhauses in Norwegen empfohlen. Pro Jahr wird mit 7 Prozent Verzinsung alleine durch die Mieteinnahmen geworben. Hinzu komme noch die Wertsteigerung des Hauses.

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