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Nullzinspolitik : Draghi hält die Sparer bei schlechter Laune

EZB-Präsident Mario Draghi Bild: AP

Höhere Zinsen sind in weiter Ferne. Die systematische Entmutigung der Sparer durch die Notenbanken hat noch immer kein Ende.

          Den führenden Notenbankern der Welt, die in dem amerikanischen Ferienörtchen Jackson Hole zu ihrem alljährlichen Symposion zusammenkamen, ist etwas wahrlich Bemerkenswertes gelungen. Da traten mit Janet Yellen, der Präsidentin der amerikanischen Notenbank Fed, und Mario Draghi, dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), nacheinander die beiden mächtigsten Geldpolitiker der Erde als Redner auf und schafften es tatsächlich, in ihren Vorträgen zur Geldpolitik kein Sterbenswörtchen zu sagen.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dies könnte man nun – wie in der Welt der Notenbanken durchaus üblich – zum Anlass für wilde Interpretationen aller Art nehmen, was ein solches Schweigen für die weitere Geldpolitik in Amerika und Europa wohl zu bedeuten hat. Oder aber man könnte sich einfach damit zufriedengeben, dass sich die Konferenz selbst als ein „ökonomisches Symposion“ versteht, bei der auch in früheren Jahren nicht immer über Geldpolitik gesprochen wurde.

          Die Nullzinspolitik ist niemals bald zu ende

          Auch wenn die Impulse, die sich die Finanzmärkte erhofft hatten, erst einmal ausblieben, wird insbesondere Draghi dem Thema jedoch nicht lange ausweichen können. Denn schon am 7. September kommt der Rat der EZB zu seiner nächsten Sitzung zusammen. Aller Voraussicht nach werden sich die Notenbanker dann intensiv mit ihrem umstrittenen Anleihekaufprogramm beschäftigen: Seit mehr als zwei Jahren kauft die EZB Staats- und mittlerweile auch Unternehmensanleihen für zuletzt 60 Milliarden Euro im Monat. Ende 2017 soll das Programm nach bisheriger Planung enden.

          Doch sogar wenn die Notenbanker tatsächlich an dieser Planung festhalten (was unwahrscheinlich ist), bedeutet dies eines nicht – dass damit die Zeit der Nullzinspolitik ein baldiges Ende fände. Denn die EZB würde dann zwar keine zusätzlichen Wertpapiere mehr kaufen, aber das Geld auslaufender Anleihen weiter in neue Anleihen reinvestieren.

          Was so technisch klingt, ist im Klartext eine unangenehme Nachricht für alle Sparer: Sie müssen sich darauf einstellen, dass höhere Zinsen in weiter Ferne sind. Die systematische Entmutigung der Sparer durch die Notenbanken hat noch immer kein Ende.

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