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Zahlungsverkehr : In wenigen Tagen wird die Iban für alle zur Pflicht

Schwierig zu behalten: Die internationale Kontonummer Iban besteht aus 22 Buchstaben und Ziffern. Bild: dpa

Alles Hoffen war vergebens: Vom 1. Februar an gibt es nur noch die neue, lange Kontonummer. Damit verschwinden die alten Nummern und Bankleitzahlen endgültig. Was Sie zukünftig beachten müssen.

          Manchmal lohnt es sich, unerfreuliche Dinge einfach auszusitzen, weil sich diese irgendwann doch in Luft auflösen. Bei der langen internationalen Kontonummer, der Iban (International Bank Account Number), hat das zum Leidwesen vieler Bankkunden nicht geklappt. In 25 Tagen wird diese Kolonne aus hierzulande 22 Buchstaben und Ziffern für wirklich jeden zur Pflicht, der in Deutschland und in Europa eine Bankzahlung tätigen will. Einen Weg zurück gibt es nicht. Von da an soll es nur noch „Sepa“-Überweisungen geben. Dabei steht Sepa (Single Euro Payments Area) für den einheitlichen europäischen Zahlungsraum.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Denn vom 1. Februar an sind auch Privatpersonen verpflichtet, für ihre Überweisungen, Daueraufträge und Lastschriften nur noch die Iban zu verwenden. Die Kreditinstitute hatten bisher die nicht im neuen Format ausgefüllten Aufträge umgewandelt, was sie künftig nicht mehr tun dürfen. Dabei hatten private Bankkunden zwei Jahre Zeit, sich an die neue, lange Kontonummer zu gewöhnen. Doch diese Übergangsfrist endet nun. Seit dem 1.August 2014 waren zunächst nur Unternehmen und Vereine dazu verpflichtet, die neuen Bankdaten zu verwenden. Hierfür war eigentlich schon der 1. Februar 2014 vorgesehen. Große Schwierigkeiten bei der Umstellung verzögerten aber damals die Einführung um sechs Monate.

          Was ändert sich für den Kunden?

          Und was ändert sich für die Bankkunden konkret? Eigentlich nicht viel, heißt es von den Banken. Die Kunden müssten nur bei ihren künftigen Überweisungen die Iban des Empfängers statt seiner alten Kontonummer eingeben. Diese lasse sich mit Hilfe von Umrechnern, sogenannten Konvertern, im Internet erfragen, sofern die bisherige Bankleitzahl und Kontonummer bekannt seien. Daueraufträge würden in der Regel automatisch umgestellt.

          Für die Umstellung der Lastschriften ist der Empfänger verantwortlich. Nur bei der Erteilung neuer Abbuchungsaufträge muss der Kunde selbst künftig die Iban angeben. Für Online-Bankkunden ändert sich dann auch die Überweisungsmaske im Internet. Statt bisher zwei Feldern – eines für die alte Kontonummer des Empfängers und eines für die Iban – wird es künftig nur noch ein Feld für die neue Kontonummer geben. Einige Banken sind aber wohl schon vor dem finalen Termin dazu übergegangen, das zweite Feld zu streichen. Einen Konverter direkt auf dem Online-Überweisungsformular dürfen die Finanzinstitute nach Angaben des Bundesverbands deutscher Banken künftig nicht mehr anbieten. Dennoch wird er auf vielen Internetseiten zu finden sein.

          Bankenverband hält Iban für nicht kompliziert

          Was auch nicht alle betrifft: Haben Kunden vorgedruckte Überweisungsformulare mit ihrer alten Kontonummer zu Hause liegen, dann können sie diese vom 1. Februar an nicht mehr verwenden. Diese seien dann nicht mehr statthaft, sagt eine Sprecherin des Bankenverbandes. Ralf-Christoph Arnoldt, Fachmann für den Zahlungsverkehr vom Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, rät, die alten Überweisungsformulare auszumustern und ansonsten zur Gelassenheit. Die meisten Geldinstitute hätten die Kontodaten ihrer Kunden sowie Daueraufträge und gespeicherte Überweisungsvorlagen im Online-Banking schon längst automatisch auf das Sepa-Zahlverfahren umgestellt.

          Die Iban sei nicht so kompliziert und schwierig, wie sie im ersten Moment vielleicht erscheine, heißt es zur Beruhigung von vielen Banken. „Hat man dieses System einmal verinnerlicht, gibt es bei der Umstellung keine Probleme“, sagt zum Beispiel Michael Kemmer, der Hauptgeschäftsführer des privaten Bankenverbandes. Doch wer auch nur einmal an einem Bankterminal stand und eine solche, möglichst klein geschriebene und zusammengerückte Zeichenfolge eingeben musste, würde ihm vermutlich doch widersprechen, und das vehement. Die Deutsche Bundesbank rät Zahlungsempfängern wie Unternehmen, ihre Iban jeweils in Vierergruppen darzustellen, um diese zum Beispiel auf den Rechnungen besser lesbar zu machen. Doch viele Betriebe haben das bislang nicht getan, wie die leidvollen Erfahrungen von Kunden zeigen.

          Überweisungen brauchen nur noch einen Tag

          Und was sind die Vorteile der Iban? Als Hauptvorteil der Sepa-Zahlungen gilt die höhere Geschwindigkeit, mit der das Geld weitergeleitet wird. Eine Überweisung komme so von einem Werktag auf den anderen beim Empfänger an, sagt der Bankenverband. Früher hat dies zwischen verschiedenen Instituten bisweilen mehrere Tage gedauert. Für die Kreditinstitute soll das Verfahren die Kosten des Zahlungsverkehrs senken. Bankkunden wiederum sollen dadurch günstiger in das europäische Ausland überweisen können.

          Und was geschieht, wenn die lange Nummer falsch eingegeben wird? Nach Angaben das Bankenverbandes verhindere die zweistellige Prüfzahl, die durch einen komplizierten Algorithmus für jede Iban ermittelt werde, Zahlendreher jeglicher Art. Die Kontonummer und den Namen des Zahlungsempfängers verglichen die Geldinstitute allerdings schon lange nicht mehr. Sollte also tatsächlich einmal ein Irrläufer entstehen, dann könne das Kreditinstitut zumindest feststellen, wohin das Geld geflossen sei. Zurückholen könne es dieses aber nicht mehr. Das kann nur der Kunde selbst in die Hand nehmen – in der Hoffnung, dass es der andere rasch wieder herausgibt.

          Älteren Menschen droht Problemen

          Die Deutsche Bundesbank zweifelt an einer völlig reibungslosen Umstellung von der alten Kontonummer und Bankleitzahl auf die neuen Bankdaten. Ihren Angaben zufolge waren zuletzt noch rund 10 Prozent aller Überweisungen hierzulande nicht sepafähig. „Eine kleine Minderheit hält immer noch an der alten Kontonummer fest“, sagt Bundesbank-Vorstand Carl Ludwig Thiele und ist skeptisch, dass sich diese noch bis zum 1. Februar umstimmen lasse. Er äußert sich auch besorgt darüber, ob das bis dahin wirklich jeder wisse.

          Schwierigkeiten befürchtet Thiele insbesondere bei älteren Menschen oder auch Kunden, die etwa aus Sicherheitsgründen kein Online-Banking nutzen: „Denn die Banken dürfen nicht weiter konvertieren. Sie müssen Überweisungsträger mit der alten Kontonummer zurückgeben.“ Ob sie sich allerdings in der Praxis tatsächlich daran halten, wenn vor allem die ältere Kundschaft Schwierigkeiten hat, ist zumindest zu bezweifeln.

          Kemmer vom Bankenverband verweist darauf, dass der Kunde nicht im Regen stehen werde: „Natürlich bieten wir unseren Kunden weiter Hilfestellung, die bisherigen Kontonummern und Bankleitzahlen werden aber aus dem täglichen Geschäft verschwinden.“ Dabei haben deutsche Bankkunden offenbar noch Glück im Unglück: die Iban umfasst in anderen Ländern nicht nur 22 Stellen wie hierzulande, sondern bis zu 34 Stellen. Ausgedrückt in einer Zahl, wären dies eine Quintilliarde, also eine 1 mit 33 Nullen.

          Iban und Bic Die Iban setzt sich aus dem Ländercode, für Deutschland „DE“, einer zweistelligen Prüfziffer, der alten achtstelligen Bankleitzahl und der bisherigen zehnstelligen Kontonummer zusammen. Ist letztere nicht so lang, dass es insgesamt 22 Stellen werden, dann wird der fehlende Platz zwischen den beiden letzten Angaben mit Nullen aufgefüllt. Daneben gibt es die neue Bankleitzahl Bic (Business Identifier Code). Sie muss bei Zahlungen innerhalb Deutschlands nicht angegeben werden. Vom 1. Februar an entfällt sie auch für grenzüberschreitende Zahlungen innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraumes. Dazu zählen die EU, Island, Lichtenstein und Norwegen. Benötigt wird die Bic dann nur noch bei Auslandsüberweisungen in Länder außerhalb dieses Raumes wie in die Schweiz. Kunden finden ihre Iban und BIC auf Kontoauszügen oder der Rückseite ihrer Girokarte.

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