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Kolumne „Frag den Mohr“ : Wie komme ich als Privatanleger an Anleihen?

Geldanlage mit langer Tradition: Unternehmensanleihe der United States Steel Corporation aus dem Jahr 1901 Bild: dpa

Die Regulierung schützt den Anleger so gut vor sich selbst, dass ihm kaum noch Anleihen zur Verfügung stehen. Ein schneller Rat in zwei Minuten.

          1 Min.

          Schon die Frage zeigt das Pro­blem. Bei Aktien würde das keiner fragen. Da ist klar, dass sich jedermann die Papiere von Daimler, Bayer und VW ebenso unkompliziert ins Depot legen kann wie es auch der Manager eines großen Aktienfonds oder einer Pensionskasse kann. Selbst rund 10.000 Auslandsaktien sind an deutschen Börsen gut handelbar.

          Daniel Mohr
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Im Anleihemarkt sieht es anders aus, leider aus Sicht der Privatanleger. Wer die ganze Bandbreite des Marktes nutzen will, muss sich in die Hände von Anleihefonds und ETF begeben, insbesondere wenn es um Unternehmensanleihen geht. Warum ist das so? Die Finanzaufsicht BaFin hat das gerade in einer Studie an der EU-Regulierung festgemacht: Seit 2018 ist Privatanlegern ein Basisinformationsblatt zur Verfügung zu stellen, bevor sie eine Anleihe kaufen können. Diese werden aber für Unternehmensanleihen in der Regel nicht erstellt. Ergebnis: Die Privatanleger dürfen sie nicht kaufen. Die Handelsvolumina von Privatanlegern in Anleihen haben sich seither entsprechend glatt halbiert. Finanzministerium und BaFin haben schon auf das Pro­blem hingewiesen. Die EU-Kommission hat jedoch (noch) nicht reagiert.

          Die Börse Stuttgart, die im Handel mit Anleihen für Privatanleger eine führende Rolle einnimmt, berichtet, dass von 10.000 Anleihen auf ihrer Plattform wegen der Regulierung überhaupt nur noch 2000 für Privatanleger investierbar sind. Sie arbeitet gerade daran, die Handelbarkeit für Privatanleger individuell je Anleihe direkt sichtbar anzuzeigen. Von den theoretisch investierbaren Anleihen werden aber zudem immer mehr nur in einer hohen Stückelung begeben. Das heißt, ein Anleger muss oft mindestens 100.000 Euro in eine einzige Anleihe investieren, weniger geht nicht. Das kommt nur für die wenigsten Privatanleger-Depots in Frage. Auch das hat regulatorische Gründe, weil für diese Anleihen weniger umfassende Regeln gelten.

          Immerhin: Einige Anleihen lassen sich auch für Privatanleger in kleiner Stückelung finden. Der Rest funktioniert nur über Fonds.

          Haben Sie Fragen rund um das Thema Geld? Bitte an Daniel Mohr unter fragdenmohr@faz.de

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