https://www.faz.net/-hbv-97pyb

Digitale Finanzberater : Wie gut können Roboter mit Geld umgehen?

Bild: A.S. IllusIllustration F.A.S., Shutterstock, Becris/The Noun Project (Creative Commons 3.0)

Sogenannte Robo Advisor verwalten das Geld der Anleger automatisch. In turbulenten Börsenzeiten müssen sie aber zeigen, ob sie besser sind als die menschlichen Gegenüber.

          Die Zeiten sind rauher geworden an der Börse. Und das nicht nur für Menschen, die eigenständig Aktien kaufen und verkaufen, sondern auch für Computerprogramme, die sich nun in schwankungsreichen Börsenwochen bewähren müssen. In der noch überschaubaren Zeit ihres Bestehens ist es den digitalen Vermögensverwaltern, die Robo Advisors genannt werden und auf Algorithmen beruhen, gut gelungen, für die Anleger eine ordentliche Rendite zu erwirtschaften. Ihre Portfolios, in der Regel zusammengesetzt aus Aktien und Anleihen sowie mitunter zusätzlich aus Rohstoffen und Immobilien, haben im vergangenen Jahr von steigenden Börsenkursen und durchweg sehr niedrigen Schwankungen profitiert.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch das war einmal. Hatte es so ausgesehen, als ob es angesichts der brummenden Weltwirtschaft und der lockeren Geldpolitik so positiv weitergehen würde, wurden Aktienanleger in der vorletzten Januarwoche schlagartig nervös. Aus Furcht vor höherer Inflation in den Vereinigten Staaten, stärker als geplant steigenden Zinsen und einer strafferen Geldpolitik trennten sich viele von den Aktien, so dass Börsenbarometer den Februar trotz einer leichten Erholung im Minus beendeten: Hierzulande verlor der Dax 5,7 Prozent, in Amerika stand der Dow Jones 4,3 Prozent schwächer da. Die turbulenten Wochen schlugen sich auch auf die Robo Advisors nieder. Für die jungen Unternehmen und ihre Kunden war es eine Nagelprobe, wie sie in einer plötzlich veränderten Marktlage funktionieren.

          Art des Risikomanagements ist entscheidend

          Zwar haben die automatisierten Geldanleger vieles gemeinsam: Ihre Kunden müssen zunächst einen Fragebogen ausfüllen, um ihr Risikoprofil zu bestimmen, daraufhin wird ihnen ein passendes Portfolio vorgeschlagen. Bei den allermeisten Robo Advisor bestehen diese Portfolios aus verschiedenen Indexfonds (ETF), die jeweils die Wertentwicklung eines Index nachbilden und günstiger sind als aktiv verwaltete Fonds. Grundsätzlich gilt: Je risikofreudiger ein Anleger ist, desto mehr Aktien-ETF wird er in seinem Portfolio finden.

          Wie stark sich allerdings die Anlagemodelle der Robo Advisors unterscheiden, das haben die zurückliegenden starken Schwankungen offenbart. So hat ein ausgewogenes Portfolio des Robo Advisor Quirion, der zur Privatbank Quirin gehört, in den beiden turbulentesten Wochen vom 24. Januar bis 9. Februar 4,3 Prozent verloren. In demselben Zeitraum, so ermittelte die Finanzplattform Brokervergleich in ihrem langfristigen Echtgeldtest von elf Robotern, hat der Marktführer Scalable Capital mit einem gängigen Portfolio fast doppelt so viel eingebüßt, nämlich 8,2 Prozent.

          Der Grund liegt in dem verschiedenen Arten des Risikomanagements: Quirion hält – wie die meisten Konkurrenten – die Quote zwischen Aktien und Anteile so stabil, wie es dem Risikoprofil des Anlegers entspricht. Entwickeln sich die Vermögensklassen verschieden und könnten das Anlageziel gefährden, wird das Portfolio wieder in die Balance gebracht. Das heißt: „Wären die Aktienkurse jüngst noch weiter runtergegangen, hätten wir zugekauft“, sagt Quirion-Analyst Anselm Hüwe. Derart antizyklisch schichtet der Quirion-Algorithmus aber nur um, wenn die Kurse zehn Prozent von der Zielallokation abweichen. Davon waren die Börsen, so heftig sie in den zurückliegenden Wochen manchmal zuckten, aber weit entfernt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Theresa May beim EU-Gipfel in Brüssel

          Brüssel : Eine kleine Atempause im Brexit-Streit

          Die EU-Staaten haben sich auf zwei Szenarien im Brexit-Prozess verständigt – und den Austritt erst einmal aufgeschoben. Eine Lösung des Streits ist aber nicht in Sicht.

          Mays Kritik am Parlament : „Das Volk hat genug“

          Nachdem ihr Brexit-Abkommen wiederholt im Unterhaus gescheitert ist, spielt Theresa May das „blame game“ und gibt den Abgeordneten die Schuld. Doch die wehren sich gegen die „aggressiven“ und „hetzerischen“ Vorwürfe.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.