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Technische Analyse : Die Unsicherheiten von Öl- und Gas-Aktien

  • -Aktualisiert am

Ölfeld in der Nordsee Bild: dpa

Die Wertpapiere der Ölproduzenten Exxon und BP sind im Abwärtstrend. Hier spiegelt sich unter anderem die Erwartung wider, dass der Ölpreis auch von einer globalen Konjunkturschwäche betroffen sein wird.

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          Bei vielen Öl und Gas-Aktien diesseits und jenseits des Atlantiks hat sich in den vergangenen Wochen durch den Marktrutsch das mittel- und langfristige technische Bild weiter eingetrübt. Hier spiegelt sich unter anderem die Erwartung wider, dass der Ölpreis – neben der Angebotssteuerung durch einige Marktteilnehmer – auch von einer globalen Konjunkturschwäche betroffen sein wird. Zwar weisen viele Öl- und Gas-Aktien im historischen Vergleich attraktive Bewertungsniveaus und Bruttodividendenrenditen auf, jedoch mahnt die technische Gesamtlage weiterhin zur Vorsicht.

          In dieser relativen Schwäche des Sektors und vieler Einzeltitel sollte sich schon wiederfinden, dass auch in einer späteren Phase der globalen Konjunkturverbesserung die Klimadiskussion immer intensiver auf diesem Sektor lasten sollte und viele Unternehmen langfristig vor einem Transformationprozess des Geschäftsmodells – im Kern weniger direkte Öl- und Gas-Aktivitäten – stehen sollten. Auch der für die zweite Jahreshälfte 2020 angedachte Börsengang von Wintershall Dea findet vor diesem Hintergrund zurzeit ein herausforderndes Gesamtmarkt- und Sektorumfeld vor.

          Marathonläufer Exxon

          Der amerikanische Öl- und Gas-Multi Exxon gehörte zu den technischen Marathonläufern am amerikanischen Aktienmarkt. Dies sind Aktien, die sich in langfristigen Aufwärtsbewegungen befinden. So bewegte sich beispielsweise Exxon von August 1984 mit einem Start um 4,75 Dollar in einem idealtypischen Hausse-Trend bis zum August 2014 auf 104,76 Dollar, ein Allzeithoch. Allerdings ging schon von 2005 an die lang- und mittelfristige Aufwärtsdynamik kontinuierlich zurück. Deshalb überrascht es nicht, dass Exxon in den Jahren 2014/2015 den vorherigen, 30-jährigen Hausse-Trend zumindest zur Seite verlassen hat. Ausgehend vom Allzeithoch, entwickelte sich ein Baisse-Trend, der im Laufe der Jahre kontinuierlich an Stabilität gewann. Dieser – jetzt seit sechs Jahren bestehende – Baisse-Trend mit einer zentralen Baisse-Trendlinie zurzeit bei 81 Dollar ist aus übergeordneter technischer Sicht die Gegenbewegung auf die vorherige 30-jährige Hausse.

          Begleitet von der Verunsicherung an den internationalen Ölmärkten war Exxon zuletzt mit einem weiteren ausgeprägten Verkaufssignal durch die fünfjährige gestaffelte Unterstützungszone von 65 bis 73 Dollar gerutscht. Trotz der von Exxon kontinuierlich durchgeführten Aktienrückkaufprogramme und der über dem Marktdurchschnitt liegenden Brutto-Dividendenrendite von derzeit 6,8 Prozent folgte ein Kurseinbruch bis auf 50 Dollar. Einerseits ist dieses Verkaufssignal abgearbeitet und die Aktie hat um 50 Dollar eine Stabilisierungschance, so dass der Titel jetzt auf „technisch Halten“ hochgestuft wird. Andererseits kann es Jahre dauern, bis Exxon eine tragfähige technische Bodenformation herausbildet und der intakte mehrjährige Baisse-Trend zumindest zur Seite verlassen wird. Hier fehlen aktuell die technischen Perspektiven für Neuinvestments.

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