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Angebote der Banken : Es gibt wieder mehr Zinsen!

Zinsen muss ein Sparer heute suchen. Bild: dpa

Ein kleiner Lichtblick in tristen Nullzinszeiten: Deutsche Banken machen den Sparern wieder bessere Angebote. Auch im Ausland gibt es etwas zu holen.

          Seit gut einem Jahr lotst die Deutsche Bank ihre Kunden recht erfolgreich zu anderen Banken. Die Vermittlung läuft über die Plattform namens „Zinsmarkt“, auf der vier verschiedene Geldinstitute eine Reihe von Festgeldanlagen von einem Monat Laufzeit bis zu sieben Jahren anbieten. So findet ein Sparer, der sein Geld für sechs Monate anlegen will, auf dem Zinsportal derzeit drei Angebote. Das attraktivste kommt von der französischen MyMoney Bank, sie lockt mit 0,45 Prozent im Jahr. Das ist nicht schlecht. Anderswo ist aber noch mehr zu holen als auf dem Zinsmarktplatz der Deutschen Bank: zum Beispiel bei der Deutschen Bank selbst.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          0,75 Prozent Zinsen im Jahr gibt es aktuell bei Deutschlands größtem Geldinstitut, und zwar für eine Festgeldanlage über sechs Monate. Wer die Mindestsumme von 2500 Euro anlegt, erhält also 9,38Euro Zinsen. Das klingt erst einmal mickrig, ist in diesen Niedrigzinszeiten aber stattlich im Vergleich zu den meisten anderen Banken. Zumal sich das Angebot nicht nur an Neukunden richtet. Auch Stammkunden können bis zu einer Anlagesumme von 100.000 Euro davon profitieren – vorausgesetzt, das Geld liegt nicht schon auf einem Konto oder Depot bei der Deutschen Bank, sondern bei einem anderen Institut. Sollen die Sparer also zugreifen bei den „Zugreif-Zinsen“, wie die Deutsche Bank ihr Angebot auf allen Werbekanälen anpreist?

          Auch wenn die Verzinsung von 0,75 Prozent deutlich unter der Inflationsrate von 2 Prozent liegt und der Realzins somit negativ ist: Viel mehr ist absehbar nicht zu erwarten. Die Europäische Zentralbank schiebt eine Leitzinserhöhung auf, wenn nicht auf den Sankt-Nimmerleinstag, so doch mindestens bis ins nächste Jahr hinein. Der deutsche Sparer, der sein Geld gerne sicher anlegt, ist also weiter arm dran: Der Realzins von minus ein Prozent, der hierzulande in diesem Jahr zu erwarten ist, bringt ihnen insgesamt nach Berechnungen der DZ Bank einen Wertverlust auf verzinsliches Geldvermögen (Einlagen, Rentenpapiere, Versicherungen) von etwa 47 Milliarden Euro.

          Diesen Vermögensschwund wettzumachen ist für konservative Sparer ein Ding der Unmöglichkeit. Mit Tagesgeld funktioniert es schon mal gar nicht. Mehr als ein Prozent Zinsen gibt es nicht, und das auch nur für Neukunden und vorübergehend für drei oder vier Monate.

          Im Ausland gibt es mehr zu holen

          Festgeld ist weniger flexibel, aber lukrativer. Das beste Angebot unter den deutschen Banken hat die ABC Bank: Für eine Laufzeit von sechs Monaten bietet sie 0,8 Prozent im Jahr – bei gleicher Sicherheit also einen Tick mehr als die Deutsche Bank –, für zwölf Monate 0,9 Prozent, für zwei Jahre 1,05 Prozent. Die Kölner Bank ist Teil des Mischkonzerns Werhahn, der vor allem mit Baustoffen und Konsumgütern sein Geld verdient.

          Im Ausland gibt es mehr zu holen, am meisten bei der Praxia Bank, einer vor zwei Jahren gegründeten Digitalbank aus Griechenland. Über das Portal „Weltsparen“ bietet die Bank pro Jahr 0,9 Prozent Zinsen bei sechs Monaten Laufzeit, 1,4 Prozent bei zwölf Monaten und 1,5 Prozent bei zwei Jahren, zudem gibt es jeweils eine Abschlussprämie von 50 Euro. Doch müssen Sparer hinnehmen, dass die Praxia Bank weniger krisenfest erscheint als etablierte Geldinstitute, die einen besseren Ruf haben und aus einem Land mit besserem Rating kommen.

          Zwar ist die Einlagensicherung in der Europäischen Union einheitlich geregelt, so dass bei einer Bank bis zu 100.000 Euro je Sparer geschützt sind. Doch obliegt die Einlagensicherung den jeweiligen Ländern, in denen das Sparergeld angelegt ist. Während Deutschland höchste Sicherheit garantiert, fällt Griechenlands Bonität in einen Bereich, der als Ramsch bezeichnet wird. Gleichwohl hält Max Herbst von der FMH-Finanzberatung das Risiko für überschaubar: „Für eine Geldanlage über sechs Monate sehe ich jetzt kein Problem. Und wenn die Einlagensicherung in Griechenland nicht mehr in der Lage sein sollte, Sparer auszuzahlen, wird wohl die EU aushelfen.“ Steuerlich kann es bei ausländischen Banken kompliziert werden: Sparer müssen Zinserträge dann oft selbst dem Finanzamt melden, während Geldinstitute mit deutscher Lizenz die Abgeltungsteuer direkt ans Finanzamt abführen.

          Wie alle anderen Institute mit Lockangeboten setzt auch die Deutsche Bank mit ihren „Zugreif-Zinsen“ darauf, dass Sparer nach dem Wechsel träge werden und ihr Geld nicht mehr woanders hinbringen. Das hat aber seinen Preis. Wer sein Geld schon bei der Deutschen Bank liegen hat, erhält aufs Festgeld bis zu einer Laufzeit von fünf Jahren gerade einmal 0,05 Prozent.

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