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Global Wealth Report : Asiaten erstmals reicher als Westeuropäer

Links das alte Asien, rechts das neue Bild: AFP

Die Privatvermögen in Fernost wachsen rasant, auch weil die Asiaten eine Vorliebe für Aktien haben. Doch auch der schwache Euro macht die deutschen Millionäre ärmer.

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          In Deutschland leben nach einer Studie der Boston Consulting Group 350.000 Dollar-Millionäre. 679 davon haben mehr als 100 Millionen, 49 sogar eine Milliarde Dollar (890 Millionen Euro) auf dem Konto, wie der am Montag vorgestellte „Global Wealth Report“ zeigt. Gegenüber dem Vorjahresreport sind diese Zahlen rückläufig, weil der schwache Euro manches Vermögen, in Dollar ausgedrückt, geschrumpft hat. Allein die Zahl der superreichen Deutschen mit mehr als 100 Millionen Dollar hat sich nach Angaben von Ludger Kübel-Sorger, Partner bei BCG, durch diesen Währungseffekt um 300 verringert. Die Zahl der Dollar-Millionäre lag 2013 noch bei 386.000.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch wegen der Euro-Schwäche haben sich die Gewichte in der Welt der Reichen verschoben. Zum ersten Mal besitzen die Asiaten (ohne Japan) mehr Privatvermögen als die Westeuropäer. In dem Bericht, den die Beratungsgesellschaft zum 15. Mal erhoben hat, kommen die Asiaten auf ein gemeinsames Privatvermögen von 47 Billionen Dollar (42 Billionen Euro). Die Westeuropäer vereinen schlappe 40 Billionen Dollar auf sich. Nordamerika bleibt mit einem kumulierten Privatvermögen von 51 Billionen Dollar die reichste Region der Welt. Doch schon für 2016 erwarten die Studienautoren, dass Asien den Spitzenplatz mit einem Vermögen von dann 57 Billionen übernehmen wird. Bis 2019 könnte ein Drittel des weltweiten Privatvermögens von dann 222 Billionen Dollar in der Region liegen.

          Allein im Laufe des vergangenen Jahres ist das Privatvermögen in Asien um fast 30 Prozent gewachsen, in der ganzen Welt um 12 Prozent und in Westeuropa gerade einmal um 6,6. „Wir beobachten eine Dynamik, in der die Länder der ,neuen Welt‘ gegenüber denen der ,alten Welt‘ deutlich stärker zulegen“, kommentiert Kübel-Sorger die Studienergebnisse. Die Asiaten schlagen auch aus ihrer Vorliebe für Aktien Profit. Drei Viertel des Vermögenswachstums dort gehen auf Wertzuwächse früherer Investitionen zurück. In Westeuropa sind es 60 Prozent. „In Deutschland und Italien gibt es zwar sehr große Vermögen, aber die Anleger sind auf Zinsprodukte und Anleihen fixiert“, sagt Kübel-Sorger. „Damit sind in Zeiten der Niedrigzinsen keine großen Zuwächse zu erzielen.“

          Nach Zahlen, die die DZ-Bank am Montag vorgelegt hat, haben die Deutschen gerade einmal 10,8 Prozent ihres Geldvermögens in Aktien, Aktienfonds und Zertifikate angelegt. Seit der Finanzkrise haben sie demnach fast ein Fünftel ihres Vermögens in zurzeit kaum verzinsten Sichteinlagen wie Tagesgeld und Sparbuch geparkt. Ein weiterer großer Teil stecke in Versicherungen und Rentenpapieren.

          Die starke Sicherheitsorientierung der Anleger hat den Vorteil, dass die Bürger in Deutschland von Kurseinbrüchen an den Aktienmärkten weniger stark tangiert werden, heißt es in der Analyse der DZ-Bank. Aber auch die Spezialisten des Zentralinstituts der Volks- und Raiffeisenbanken kommen zu dem Schluss: Während der hohe Anteil zinsabhängiger Anlageformen kaum noch Erträge bringt, bleibt ein Ausgleich durch Kurszuwächse an den Aktienmärkten durch den geringen Anteil risikobehafteter Anlageformen weitgehend versperrt. Nur langsam wendeten sich die deutschen Anleger auch stärker aktienkursabhängigen Anlageformen wie Fonds und ETF zu.

          Die zunehmenden Hinweise auf eine Blase an den chinesischen Börsen bringen die Autoren des Vermögensreports von BCG nicht davon ab, den Asiaten auch in den nächsten Jahren große Vermögenszuwächse vorherzusagen. Sie erwarten zwar ein etwas schwächeres, aber immer noch kräftiges Wirtschaftswachstum in der gesamten Region, was als weiterer Treiber für die Privatvermögensbildung gilt. Neben China und Indien gerieten andere große Volkswirtschaften wie Südkorea, Indonesien und Thailand oft aus dem Blick, sagt Kübel-Sorger. Der Vermögensaufbau in der Region gewinnt ihm zufolge immer mehr an Breite. „Es sind nicht mehr nur die Superreichen, es gibt auch immer mehr Asiaten mit einem Vermögen von 100.000 Euro aufwärts.“

          Ein weiterer Grund für den Vermögenszuwachs ist die relativ hohe Sparquote der Asiaten von 10 Prozent, in Westeuropa liegt sie nur bei 5 Prozent. So arbeiten sich in Asien viele Vermögende immer weiter hoch in den Kategorien. So erwarten die Studienautoren, dass es in Asien bis 2019 Jahr für Jahr gut ein Drittel mehr Superreiche mit mehr als 100 Millionen Dollar Vermögen geben wird.

          Auf die ganze Welt gesehen erwarten die BCG-Experten, dass sich das Vermögen der Superreichen von heute 10 Billionen in den nächsten 5 Jahren auf 18 Billionen Dollar steigern wird. Millionär zu sein ist in diesen Sphären schon gar nichts besonderes mehr. 17 Millionen Millionäre haben die Studienautoren 2014 in der Welt gezählt, 2 Millionen mehr als noch im Jahr davor. Auch hier hat vor allem der Zuwachs der bestehenden Geldanlagen das Wachstum angetrieben. Da das vermutlich auch weiter so geht, sagen die Autoren voraus, dass die Millionäre bis 2019 zusammen 46 Prozent des weltweiten Privatvermögens auf ihren Kontos haben; aktuell sind es 41 Prozent.

          Weit mehr Superreiche mit mehr als 100 Millionen Dollar als in Deutschland leben in den Vereinigten Staaten, nämlich 5200. An zweiter und dritter Stelle folgen China und Großbritannien mit jeweils gut 1000 Superreichen. Die höchste Millionärsdichte in der Welt kann die Schweiz aufweisen. Dort kommen auf 1000 Haushalte 135 mit einem Vermögen von mehr als einer Million Dollar. Dicht dahinter folgen Bahrein mit 123, Singapur (107) und Kuweit (99).

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