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Niedrigzins : Was die jüngste EZB-Entscheidung für die Sparer bedeutet

Unglückliche Sparer Bild: Getty

EZB-Chef Mario Draghi dreht den Geldhahn weiter auf - nicht ohne Folgen. Lohnt sich ein Tagesgeld-Konto oder sollten die deutschen Sparer auf Festgeld setzen?

          Die Reaktionen der Banken auf die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) sind am Freitag zunächst verhalten gewesen: Erfahrungsgemäß brauche es etwas Zeit, bis sich veränderte Notenbank-Zinsen auch in veränderten Zinsen für private Sparer und Hausbauer wiederfinden, sagte Max Herbst von der FMH-Finanzberatung, der regelmäßig die Zinsen der Banken für Privatleute beobachtet. Eine gewisse Tendenz zeichne sich gleichwohl schon ab, seit die grundsätzliche Linie der Notenbanken in Europa und Amerika zu erkennen war: Die Zinsen für kurzfristige Einlagen, vor allem Tagesgeld, sind weiter gesunken. Hingegen hat es beim Festgeld, das etwas länger angelegt wird, beispielsweise auf ein Jahr, seit Oktober einen gewissen, wenn auch überschaubaren Anstieg der Zinsen gegeben.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für Tagesgeld bekommt man jetzt im Durchschnitt nur noch 0,36 Prozent. Die besten Anbieter, derzeit die VW Bank und die Audi Bank, bieten für Neukunden 1,25 Prozent, allerdings befristet für vier Monate. Beim Festgeld, auf zwölf Monate angelegt, gibt es jetzt im Durchschnitt 0,39 Prozent – vor drei Monaten war das noch ein bisschen weniger gewesen, damals 0,37 Prozent. Zu den besten Anbietern beim Festgeld mit europäischer Einlagensicherung gehört der französische Crédit Agricole, der derzeit 1,3 Prozent zahlt, wenn man einen Betrag von mindestens 5000 Euro für ein Jahr dort fest anlegt.

          Die Hypothekenzinsen für private Hausbauer sind in den vergangenen Wochen eher noch weiter gesunken, nachdem sie im Frühjahr (zusammen mit den Renditen der Bundesanleihen) wahrnehmbar gestiegen waren. Zuletzt zahlten private Kunden im Durchschnitt 1,53 Prozent für ein Hypothekendarlehen mit Zinsfestschreibung über 10 Jahre. Seit Donnerstag allerdings scheint es in den Banken wieder eine Tendenz zu geben, die Hypothekenzinsen anzuheben – als Begründung genannt wird dabei mitunter auch die amerikanische Notenbank Fed, die auf ihrer Sitzung am 15. und 16. Dezember voraussichtlich die Leitzinsen anheben wird.

          „Die Zinsen von Festgeld dürften etwas zulegen“

          Die bisherige Erfahrung mit den negativen Einlagenzinsen für Banken bei der Europäischen Zentralbank ist, dass die Banken versuchen, die negativen Zinsen an Kunden weiterzugeben – allerdings vor allem an Groß- und Firmenkunden, die große Beträge bei ihnen parken. Negative Einlagenzinsen für Privatkunden, wie sie etwa die Deutsche Skatbank für sehr große Beträge nimmt und wie sie in der Schweiz die Alternative Bank eingeführt hat, haben sich bislang in Deutschland nicht durchsetzen können. Dafür haben zumindest einige Banken alle möglichen Gebühren für Privatkunden angehoben, um die negativen Zinsen auf diese Weise weiterzugeben.

          Es spricht vieles dafür, dass diese Entwicklung weitergeht. „Die EZB hat ja gerade das Geldparken für Banken noch einmal teurer gemacht. Geparkt wird meist kurz – darum wird sich wohl auch bei den kurzfristig gewährten Zinsen durch die Banken selbst im Gegenzug am schnellsten eine Reaktion einstellen“, meint Peter Weißenberg vom Zinsvergleichsportal Biallo. „Also beispielsweise beim Tagesgeld.“

          Auch Max Herbst von der FMH-Finanzberatung meint, dass man beim Tagesgeld Auswirkungen der EZB-Entscheidung spüren wird: „Ich glaube, dass die Banken die Strafzinserhöhung im Laufe der nächsten Wochen an die Kunden weitergeben werden“, sagt er. Vor allem jene Banken, die sich zurzeit im Mittelfeld der Tagesgeldanbieter bewegten, würden die Zinsen weiter senken. Die Spitzenreiter in den Tagesgeldtabellen, die günstige Konditionen für Neukunden vor allem zur Akquise verwenden, dürften sich den Markt hingegen sehr genau ansehen – ob sie mitziehen können, ohne den Kontakt zur Spitze zu verlieren.

          Anders sieht es aus, wenn das Geld nicht jederzeit verfügbar ist: „Die Zinsen von Festgeld dürften bei längeren Zinsbindungen etwas zulegen“, meint Herbst. „Und zwar, weil die Banken dort weitere Anlagegelder gewinnen wollen.“ Es sei derzeit für die Banken nicht einfach, Kunden dazu zu bewegen, Geld etwas länger festzulegen. Die meisten Sparer wollten flexibel bleiben, um bei einem möglichen Zinsanstieg schnell dabei sein zu können. Bei längerfristigen Krediten oder Anlagen spielten allerdings auch längerfristige Kalkulationen in den Banken eine Rolle, sagt Weißenberg. Da gelte die Beobachtung: Viel niedriger als im Moment geht es nicht mehr. Daraus resultiere schon seit einiger Zeit eine relative Stabilität bei den Konditionen vieler Institute.

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