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Fahrdienstvermittler Uber : Der Börsengang des Jahres

Am 10. Mai geht Uber in Amerika an die Börse. Das letzte Jahr war schwer für das Unternehmen, das unter anderem mit Milliardenverlusten und dem neuen Konkurrenten Lyft zu kämpfen hat. Bild: dpa

Uber geht am nächsten Freitag an die Börse. Es wird ein Spektakel – doch Privatanleger sollten sehr vorsichtig sein.

          Am kommenden Freitag findet das Börsenereignis des Jahres statt, und es enthält alle Zutaten, die ein gelungenes Spektakel in der Welt der Finanzen so benötigt: eine bahnbrechende Geschäftsidee, einen skandalumwitterten Gründer und Geld, viel Geld. 91,5 Milliarden Dollar, um genau zu sein.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wenn alles so läuft wie geplant, wird Uber, gemeinhin als Fahrdienstvermittler bezeichnet, bei seinem Börsengang exakt so viel wert sein. Ähnliches hat die Wall Street seit dem Börsengang von Alibaba 2014 nicht mehr erlebt. Selbst im schlechtesten Falle käme Uber auf Grundlage der genannten Preisspanne für die Aktie noch immer auf einen Wert von rund 80 Milliarden Dollar, was die Frage aufwirft: Übertreibt die Börse es mal wieder? Oder ist Uber tatsächlich ein Unternehmen, wie es in einer Generation nur einmal vorkommt, wie Uber-Chef Dara Khosrowshahi behauptet?

          Was kann Uber gewöhnlichen Anlegern bieten?

          Eine definitive Antwort, das hat der Blick in die Zukunft nun einmal so an sich, wird man darauf heute nicht geben können. Aber es gibt Indizien. Als der draufgängerische Travis Kalanick gemeinsam mit einem Mitstreiter Uber im Jahr 2009 gründete, war die dahinterstehende Idee ebenso einfach wie genial. Warum nicht die Tatsache ausnutzen, so dachten sich die beiden, dass ein Großteil der Menschheit mehr oder weniger passabel Auto fahren kann? Fahrer von Privatautos können Menschen genauso von A nach B befördern wie Taxis, nur eben billiger, lautete der Grundgedanke. Eine App bringt Fahrer und Kunden zusammen, die Einnahmen einer Fahrt teilen sich Uber und die Fahrer. Die Idee kam an: zunächst vor allem in Amerika, mehr und mehr aber auch im Rest der Welt. Man habe 90 Millionen Kunden in mehr als 700 Städten, schreibt Uber im Börsenprospekt.

          Namhafte Investoren wie der Staatsfonds Saudi-Arabiens oder auch die japanische Softbank (siehe Grafik) stiegen mit Milliardenbeträgen ein. Sie sehen den Börsengang als Chance, eine bestimmte Menge ihrer Anteile zu Geld zu machen. Besonders profitieren würde auch Uber-Gründer Kalanick, der fast neun Prozent der Firmenanteile hält. Aber welche Aussichten kann Uber gewöhnlichen Aktionären bieten, die die Aktie vom nächsten Freitag an kaufen können?

          Wägt man nüchtern Vor- und Nachteile gegeneinander ab, fallen aktuell vor allem die Nachteile ins Auge. Dies hat mit dem Börsenprospekt zu tun, der erstmals detaillierte Zahlen zum Stand der Geschäfte liefert. Demnach hat Uber im vergangenen Jahr einen Betriebsverlust von rund drei Milliarden Dollar gemacht. Darin spiegeln sich die Schwierigkeiten wider, die das auf den ersten Blick geniale Geschäftsmodell mit sich bringt: Uber muss in vielen Gegenden der Welt viel Geld in die Hand nehmen, um neue Fahrer und neue Kunden mit speziellen Rabatten für sich zu gewinnen.

          In den Vereinigten Staaten ist Uber zudem mit Lyft ein ernsthafter Konkurrent erwachsen, der bereits Ende März an die Börse gegangen ist. Lyft hat auch davon profitiert, dass Uber-Gründer Kalanick hin und wieder zu Ausfällen in der Öffentlichkeit neigt. Dies sowie eine als frauenfeindlich beschriebene Unternehmenskultur führten am Ende zwar zum Rückzug des Gründers von der Firmenspitze, kosteten Uber aber nach eigenen Angaben Hunderttausende Kunden.

          Allerdings sind dies Momentaufnahmen. Die wichtigste Frage für potentielle Aktionäre ist eine andere: Wird die Firma in Zukunft auskömmliche Gewinne erzielen, auch wenn ihr dies momentan noch nicht gelingt? Zumindest scheinen die Streitereien mit vielen europäischen Ländern abzunehmen, in denen die Taxi-Lobby ihr Monopol eisern verteidigt, seitdem der konziliantere Khosrowshahi Vorstandschef von Uber ist.

          Nach Ansicht vieler Experten wird sich die Zukunft von Uber aber nicht im Umgang mit Märkten entscheiden, auf denen es Uber bislang untersagt ist, private Fahrer als Taxi-Ersatz einzusetzen. Auch nicht im Geschäft mit Essensauslieferungen, das Uber seit einiger Zeit zusätzlich anbietet. Sondern auf dem Gebiet der selbstfahrenden Autos. „Uber muss im autonomen Fahren eine führende Position auf der Welt anstreben“, sagt Fondsmanager Martin Hermann von der Privatbank Berenberg. Würden sich selbstfahrende Autos in Zukunft durchsetzen, könnte Uber einerseits zwar enorme Kosten sparen. Schließlich muss die Firma bislang die Einnahmen einer Fahrt mit den Fahrern teilen.

          Andererseits liegt in der neuen Technologie auch eine Gefahr für Ubers Geschäftsmodell. Denn obwohl Uber selbst viel Geld in die Entwicklung solcher Fahrzeuge steckt, sind Google und Elektroautobauer Tesla stärkere Konkurrenten. Nach einem tödlichen Unfall mit einem selbstfahrenden Uber-Auto 2018 ist die Firma zurückgefallen. Das Fazit für Anleger: Es spricht viel dafür, das Uber-Börsenspektakel erst einmal aus sicherer Entfernung zu betrachten.

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