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Weniger kaufen, weniger reisen : Vor allem Menschen über 65 Jahre sparen mehr

Pflege der Genügsamkeit: Gerade ältere Menschen sparen in der Corona-Krise mehr Geld als sonst. Bild: Diana Cabrera Rojas

Die Sparquote in Deutschland steigt deutlich auf 16,2 Prozent. Mit Zukunftssorgen hat das allerdings wenig zu tun.

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          Die Deutschen sparen in der Pandemie deutlich mehr. Rund 331 Milliarden Euro haben die deutschen Privathaushalte im vergangenen Jahr zurückgelegt, das waren gut 111 Milliarden Euro mehr als im Vorjahr. Die Sparquote der privaten Haushalte in Deutschland, das ist der Anteil der Ersparnisse am verfügbaren Einkommen, stieg von 10,9 auf 16,2 Prozent. Das geht aus Berechnungen der DZ Bank für die F.A.Z. hervor. Besonders hoch war die Sparquote demnach im zweiten Quartal 2020 zwischen April und Juni mit saisonbereinigt 20,3 Prozent und im vierten Quartal zwischen Oktober und Dezember mit 17,2 Prozent. Die Entwicklung der Sichteinlagen in Deutschland in den ersten Monaten dieses Jahres lege nahe, dass weiterhin viel gespart werde, der Trend habe sich sogar eher noch etwas verstärkt.

          Christian Siedenbiedel
          (sibi.), Finanzen, Wirtschaft

          Im ersten Halbjahr 2021 dürfte die Sparquote weiterhin hoch bleiben, sagt DZ-Bank-Ökonom Michael Stappel. Mit der Öffnung der Wirtschaft im Jahresverlauf werde sich diese Entwicklung umkehren. Dann dürfte die Sparquote unter die Werte früherer Jahre fallen, zurückgestellter Konsum werde zum Teil nachgeholt. „Das betrifft vor allem die Aktivitäten, die stark unter dem Lockdown litten, wie Gastronomie, Shopping und Reisen, so gut das dann möglich ist“, sagt Stappel: „Für das Gesamtjahr 2021 rechnen wir dann mit einer Sparquote, die sich zwischen der von 2019 und 2020 bewegt.“

          Geringere Konsumneigung?

          Unterdessen zeigen Berechnungen der Europäischen Zentralbank (EZB), dass die Bildung von Ersparnissen in der Corona-Krise recht ungleichmäßig erfolgt. EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel und EZB-Chefvolkswirt Philip Lane berichten, nur ein relativ kleiner Teil der zusätzlichen Ersparnis entfalle auf sogenanntes Vorsichtssparen, weil Menschen sich etwa Sorgen über den Arbeitsplatz machten. Der größere Teil werde gespart, weil die Menschen durch den Lockdown weniger Möglichkeiten zum Geldausgeben hätten. Dabei gebe es nicht nur Unterschiede im Sparen zwischen wohlhabenden und weniger wohlhabenden Haushalten, sondern auch hinsichtlich des Alters. „Vor allem bei älteren Menschen in der Gruppe von mehr als 65 Jahren ist die Ersparnis gewachsen“, sagt Schnabel.

          Die Gründe mögen vielfältig sein. Dass diese Altersgruppe beim Einkaufen in Corona-Zeiten besonders vorsichtig war, könnte man sich ebenso vorstellen wie besonders starke Einschränkungen beim Reisen. Vielleicht sind auch zumindest solche älteren Menschen, die eine gute Altersvorsorge haben, etwas weniger anfällig für wirtschaftliche Verwerfungen der Krise als jüngere. Möglicherweise sind auch manche ältere Menschen zurückhaltender beim Online-Shopping oder Bestellungen bei Lieferdiensten. Auf jeden Fall ist die Verteilung der zusätzlichen Ersparnis nach Altersgruppen auffällig deutlich.

          Die EZB meint, daraus könnten sich möglicherweise nach dem Lockdown Schwierigkeiten ergeben, wenn die aufgestaute Kaufkraft vor allem auf wohlhabendere ältere Menschen entfalle. „Dann muss sich zeigen, geben die das aus, oder haben sie eine geringere Konsumneigung“, sagt Schnabel. Denkbar wäre natürlich, dass die wohlhabenden älteren Menschen trotzdem einen Teil ihrer Ersparnisse auch an Kinder oder Enkel weitergeben – und die nach der Pandemie richtig Lust aufs Geldausgeben haben.

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