https://www.faz.net/-hbv-9zry3

Vermögensverwalterumfrage : Technologie- statt Finanzaktien

Ob Japan für die Geldanlage derzeit so ein gutes Pflaster ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Bild: AFP

In der F.A.Z.-Umfrage unter Vermögensverwaltern sind die Branchenfavoriten unter den Aktien klar. An den Regionen scheiden sich die Geister.

          2 Min.

          Als es um das Depotgewicht von Aktien in den kommenden 12 Monaten ging, zeigten sich die von der F.A.Z. befragten 20 Vermögensverwalter (siehe Ausgabe vom 14. Mai) uneinig. Hinsichtlich der Wahl der richtigen Aktien besteht dagegen größere Einigkeit. Geht es etwa um die bevorzugten Anlageregionen, weichen die Mittelwerte der Empfehlungen nur leicht vom durchschnittlichen Urteil „Halten“ ab. Vor allem für die Vereinigten Staaten, Deutschland und den Euroraum gibt es dazu eine starke Tendenz, die für Deutschland am Ende etwas mehr in Richtung „Zukaufen“ und für den Euroraum etwas mehr in Richtung „Reduzieren“ ausfällt.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Einschätzungen sind aber bisweilen doch unterschiedlich. „Die Vereinigten Staaten haben deutlich gezeigt, dass sie bereit waren, schnell und massiv zu handeln, um den Auswirkungen der gegenwärtigen Covid-Krise entgegenzuwirken“, sagt Florence Barjou, die bei der vor allem für ihre ETF bekannten Fondsgesellschaft Lyxor die Abteilung Multi-Asset-Investments leitet. „Die Vereinigten Staaten bleiben neutral“, sagt dagegen Thomas Petschnigg, Mitglied des Anlagekomitees der Bank Vontobel. „Das Land hat einen starken IT-Sektor, aber spät auf die Virusbedrohung reagiert.“

          Umstrittener sind Aktienanlagen in Japan und in Schwellenländern, selbst wenn das Urteil auch hier am häufigsten „Halten“ heißt. Doch während man Japan nach Ansicht der Fondsgesellschaft Fidelity meiden sollte, rät der Fondsberater Shareholder Value zum starken Zukaufen. Die asiatischen Volkswirtschaften schienen insgesamt besser durch die Krise zu kommen, sagt Vorstand Ulf Becker. Davon profitierten auch japanische Unternehmen. „Hinzu kommt, dass diese in den Bereichen Robotik und Automatisierung sehr gut aufgestellt sind, beide Branchen dürften mittelfristig eher zu den Gewinnern der Krise gehören.“ Skeptisch äußert sich dagegen Petschnigg von Vontobel: „Die japanische Wirtschaft hatte die schwächste Wachstumsdynamik vor der Coronavirus-Krise und sollte daher auch die schwächste Erholungsdynamik nach der Krise aufweisen.“

          Was die Anlagestile betrifft, so wird fast durchgängig geraten, „Low-Vola“- und „Income“-Strategien beizubehalten, also auf Aktien zu setzen, die entweder niedrige Kursschwankungen oder hohe Ausschüttungen aufweisen. Wachstumsstrategien werden stärker befürwortet: Immerhin die Hälfte der Befragten rät dazu. „Wir setzen auf Big Growth, Wachstumsaktien mit hoher Qualität, Substanz für die Krisenresistenz und großer Marktkapitalisierung. Diese haben sich im schnell eingetretenen Bärenmarkt und auch in der bisherigen Erholungsbewegung überproportional gut gehalten“, sagt Torsten Reidel, Geschäftsführer beim Vermögensverwalter Grüner Fisher. An Substanz-Aktien, also fundamental solide aufgestellten Unternehmen, scheiden sich dagegen die Geister. Vier von zehn Befragten plädieren für Zukäufe, fast jeder vierte aber auch, weniger darauf zu setzen oder diese gar zu meiden.

          Etwas mehr zum Umschichten neigen die Vermögensverwalter offensichtlich mit Blick auf die Branchen. Eine Mehrheit der Befragten rät dazu, bei Aktien aus den erneuerbaren Energien oder dem Bereich Infrastruktur die Bestände tendenziell zu erhöhen. Noch stärker setzen die Vermögensverwalter auf Gesundheitswerte. „Aufgrund der demographischen Entwicklungen sowie der Innovationsmöglichkeiten und der Effizienzsteigerungen innerhalb des Gesundheitsmarktes ist auch in den nächsten Jahren mit einem überdurchschnittlichen Wachstum in dieser Branche zu rechnen“, sagt Alexander Chamier, Investmentstratege der Apo Asset Management.

          Unumstrittener Favorit sind aber weiter die Technologiewerte: Drei Viertel raten hier zum Zukauf oder zum Übergewichten, niemand dazu, weniger davon im Depot zu haben. „Die Sektoren Technologie und Gesundheit sind eindeutige Gewinner der pandemischen Krise, daher sind wir hier stark „long“, erläutert Ingo Mainert, Chef-Anlagestratege von Allianz Global Investors für Multi-Asset-Anlagen in Europa. „Zyklische Konsumgüter und potentiell auch der Bankensektor leiden hingegen unter der tiefen Rezession.“ Dass Mainert mit diesem kritischen Blick nicht allein ist, zeigen die Umfrageergebnisse: Mehr als die Hälfte der Befragten rät dazu, das Gewicht von Finanzwerten im Portfolio zu reduzieren oder diese sogar zu meiden. Die Branche wird damit insgesamt am ungünstigsten beurteilt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Weingläser im Vergleich : Tief ins Glas geschaut

          Einen schlechten Wein kann kein Glas der Welt retten. Aber einem gelungenen Wein kann das Glas den letzten Schliff geben. Denn die Form beeinflusst den Geschmack.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.