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Altersvorsorge : Sparkassen machen Resignation unter Sparern aus

Viele Frauen zwischen 50 und 70 Jahren haben wenig gesetzliche Rentenansprüche. Sie sind auf private Altersvorsorge angewiesen. Bild: Picture-Alliance

„Frauen zwischen 50 und 70 gehören zu den stärksten Verlierern“, zeigt eine Umfrage der deutschen Sparkassen. Auch sonst machen die Niedrigzinsen den Sparern zu schaffen.

          Die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank bereitet immer mehr Menschen große Sorgen. In der jährlichen Umfrage „Vermögensbarometer“, die der Deutsche Sparkassenverband unter 1800 Bundesbürgern vor dem Weltspartag an diesem Freitag durchgeführt hat, gaben jetzt 58 Prozent an, dass sie die großteils verschwundenen Zinsen für das derzeit größte Problem für ihre Vermögensbildung halten. Das ist ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 17 Prozentpunkte. „Damit ist die Niedrigst- und Negativzinsphase endgültig in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, sagte Sparkassenverbandspräsident Georg Fahrenschon.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Sparkassen haben weiter gefragt, welche Rolle die Niedrigzinsen für die Anlageentscheidungen der Deutschen spielen. Fast ein Drittel (29 Prozent) äußerten, die Zinsen seien für sie irrelevant. Der Deutsche Sparkassenverband wertet diese Haltung als Resignation: „Die Menschen fügen sich in ihr Schicksal, weil sie keine Handlungsalternativen sehen.“ Eigentlich wollten sie sich ein finanzielles Polster für später aufbauen, aber die niedrigen Zinsen verhinderten dies.

          Ein gutes Drittel spart gar nichts

          Für eine höhere Rendite bei ihrer Geldanlage auch mehr Risiko in Kauf zu nehmen lehnen 70 Prozent der Befragten rundweg ab, nur zehn Prozent können sich das vorstellen. Gesunken ist der Anteil derer, die rein gar nichts für ihr Alter zurücklegen. Ein gutes Drittel (36 Prozent) spart nach der Umfrage gar nichts für die Rentenzeit. In der Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen hat sogar die Hälfte angegeben, kein Geld auf die hohe Kante zu legen.

          Vom billigen Geld wollen sich die Bundesbürger aber auch nicht – anders als von der Zentralbank geplant – dazu anregen lassen, mehr auszugeben. Nach der Umfrage haben nur 5 Prozent ihren Konsum ausgeweitet, 20 Prozent haben ihn dagegen eingeschränkt, und 75 Prozent haben nichts verändert.

          Frauen zwischen 50 und 70 Jahren sind stärkste Verlierer

          Auffällig im Vergleich zu anderen Bevölkerungsgruppen äußerten sich Frauen im Alter zwischen 50 und 70 Jahren. Sie zeigen ein besonders hohes Bedürfnis nach Sicherheit bei der Geldanlage (68 Prozent). Sie haben, anders als Jüngere, aber weniger Zeit zum Ansparen fürs Rentenalter und können weniger darauf hoffen, dass die Zinsen und damit der Erfolg ihrer Anlagen steigt.

          Auch ist ihre Abneigung gegen (gerade zinsgünstige) Kredite mit 66 Prozent höher als bei den Männern gleichen Alters (59 Prozent) und beim Durchschnitt der Bevölkerung (54 Prozent). „Damit gehört diese Gruppe zu den stärksten Verlierern der aktuellen Geldpolitik“, schließt der Sparkassenverband. Die Frauen in dieser Altersgruppe hätten oft viel gearbeitet, aber häufig zu Hause und nicht im Beruf. Insofern haben sie wenig gesetzliche Rentenansprüche angesammelt und sind umso mehr auf private Altersversorge angewiesen.

          Doch ein Fünftel sieht sich nicht in der Lage, monatlich Geld zurückzulegen. Immerhin 74 Prozent der 50 bis 70 Jahre alten Frauen geben an, sie hätten Maßnahmen zur Altersvorsorge ergriffen. Doch nur 13 Prozent setzen auf Aktien. Diese riskante Chance des Wertpapiersparens ergreifen dagegen immerhin 33 Prozent der Männer dieser Altersgruppe.

          Dass viele Frauen zwischen 50 und 70 Jahren mit ihrer auf Sicherheit bedachten Altersvorsorge angesichts der niedrigen Zinsen ihre Ziele kaum erreichen werden, scheint einigen durchaus bewusst. So ergab die Umfrage auch, dass nur 48 Prozent mit ihrer finanziellen Situation zufrieden sind. Das ist weniger als der Durchschnitt von 52 Prozent.

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