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Umfrage : Vermögende Anleger sind sorgloser geworden

Vermögende Anleger haben andere Sorgen. Bild: Reuters

Eine Befragung der Fürstlich-Castell’schen Bank zeigt: Vermögende Anleger sind verstärkt zu bewährten Mustern zurückgekehrt. Das könnte für ein Ende der guten Zeiten sprechen.

          3 Min.

          Wer kein Geld hat, hat Sorgen, wer viel Geld hat auch – nur andere. Die Fürstlich Castell’sche Bank, eine in Würzburg ansässige Privatbank, hat untersucht, welche Sorgen das genau sind. Befragt wurden dabei im März und April 63 sogenannte „High-Net-Worth-Individuals“ mit einem Nettoeinkommen von mehr als 150.000 Euro pro Jahr und einem liquiden Vermögen von mehr als einer Million, von denen es laut dem Vorstandsvorsitzenden Sebastian Klein in Deutschland etwa 800.000 bis eine Million gibt. Auch wenn die Gruppe der Befragten womöglich klein erscheine, ist Klein stolz darauf diese zu haben: „Es ist eine eher zurückhaltende und scheue Zielgruppe, die für Marktforscher eher schwer zugänglich ist.“

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Vor zwei Jahren hat die Bank die Befragung schon einmal durchgeführt. Zu konstatieren ist nun, dass sich die durch die Nachwehen der Finanzkrise ausgelösten Sorgen deutlich gelegt haben. 2016 gehörten die Angst vor einem Auseinanderbrechen der Eurozone und der Kummer über eine lang anhaltende Niedrigzinsphase zu den größten Sorgen. Damals beschäftigen diese noch mehr als jeden Dritten, heute noch nicht einmal jeden Fünften. An der Spitze steht dagegen mittlerweile die Sorge um die Entwicklung der Schwellenländer. „Da gehört Russland dazu, aber auch andere“, sagt Klein.

          Realistische bei Risiko und Rendite

          Insgesamt hat das Erregungsniveau etwas abgenommen. Verbrachte vor zwei Jahren noch fast jeder Zweite wegen seines  Vermögens die ein oder andere schlaflose Nacht, waren es jetzt noch 44 Prozent, derweil halb so viele Befragte sich davon nachts nicht beeindrucken lassen - vier Prozentpunkte mehr als vor zwei Jahren.

          Klein sieht bei den Vermögenden eine Professionalisierung, ein „Ankommen in der neuen Normalität“. Dazu gehöre vor allem, dass das Verhältnis von Risiko und Rendite realistischer eingeschätzt werde als noch vor zwei Jahren. Glaubte damals noch mehr als die Hälfte der Befragten, dass man für fünf Prozent Rendite nur einen Verlust von fünf Prozent des Kapitals riskieren müsse, sind es heute nur noch 35 Prozent. Dagegen rechnen 44 Prozent mit höheren Risiken – doppelt so viele wie 2016. Erschreckend sei allerdings, so Klein, dass nach wie vor jeder Fünfte glaube, es gebe bei fünf Prozent Rendite kein Verlustrisiko. „Das zeigt, dass es um die Finanzbildung nach wie vor manchmal desaströs bestellt ist.“

          Zwei Seiten der Normalisierung

          Die Normalisierung kommt für Klein auch in der gestiegenen Wertschätzung der professionellen Beratung zum Ausdruck. Von einem hohen Zustimmungswert von 78 Prozent ist diese nochmals auf 86 Prozent gestiegen. Zwar ist für die meisten Befragten das eigene Urteilsvermögen in der Geldanlage immer noch am wichtigsten, doch konnte sich der persönliche Bankberater Platz zwei wieder zurückerobern. Unabhängige Vermögensverwalter sind dagegen ins Hintertreffen geraten. Besonders deutlich zeigt sich der Professionalisierungsprozess aber darin, dass das größere Vertrauen auf sich selbst, Freunde und Verwandte, das diese nach der Finanzkrise genossen, merklich zurückgegangen ist.

          Diese Normalisierung hat für Klein indes zwei Seiten. Zwei Ergebnisse spielen dabei eine Rolle. Zum einen vertrauen die Befragten wieder deutlich weniger auf Immobilien und Gold und wieder stärker auf Wertpapiere. Zum anderen sagten mit mehr als drei Vierteln erheblich mehr Vermögende von sich, dass ihnen aus den vergangenen Jahren die Gewinne am lebhaftesten im Gedächtnis geblieben seien.

          Es ergibt sich so ein Gesamtbild, wonach die Erfahrungen aus der Finanzkrise immer stärker zu verblassen zu beginnen. Gleichzeitig habe die Zahl der Aktionäre wieder zu stiegen begonnen, so Klein. „Womöglich sehen wir hier einen spätzyklischen Einstieg neuer Anleger, die dann von einer möglichen Korrektur wieder verschreckt werden. So könnte sich ein bekanntes Muster wiederholen.“

          Kritik an Regulierung

          Kummer machen Klein in diesem Fall die Erschwernisse, die der Gesetzgeber aufgrund der Erfahrungen aus der Finanzkrise für die herkömmlichen Beratungsdepots geschaffen hat. Es sei für Anleger nicht mehr so einfach, Einzeltitel zu kaufen oder zu verkaufen. Banken müssen Kostenhinweise und weitere Formulare erstellen, bevor sie Transaktionen vornehmen könnten. „Dieser vermeintliche Kundenschutz könnte sich in einer größeren Krise noch als kontraproduktiv erweisen, wenn Anleger ihre Investments schnell reduzieren wollen.“ Für die eigenen Kunden stelle sich dieses Problem nicht in diesem Maße, weil man als Vermögensverwalter agiere und so nach den Risikovorgaben der Kunden selbst tätig werden könne.

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