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Depotbank : V-Bank zwingt Reiche zur Kasse

Die von der Europäischen Zentralbank auf Einlagen der Geschäftsbanken verhängten negativen Zinsen ziehen immer weitere Kreise. Bild: dpa

Vermögensverwalter müssen bei der V-Bank bald für jeden Kunden auf nicht angelegtes Geld von 500.000 Euro an Gebühren bezahlen. Doch es gibt Auswege.

          Die von der Europäischen Zentralbank auf Einlagen der Geschäftsbanken verhängten negativen Zinsen ziehen immer weitere Kreise. Jetzt müssen auch Reiche, die ihr Geld von bankunabhängigen Vermögensverwaltern betreuen lassen und die ihr Wertpapierdepot bei der Münchener V-Bank führen, dort Gebühren auf liquide Mittel entrichten. Die V-Bank ist nicht irgendeine Depotbank, sondern verwaltet Kundengelder von rund 15 Milliarden Euro. In diesem Nischenmarkt hat die V-Bank damit zum Beispiel die Deutsche Bank überholt und ist dem von der französischen Bank BNP Paribas übernommenen Marktführer DAB Bank auf den Fersen. Vermögensverwalter loben unter anderem das gute Berichtswesen und den hohen Spezialisierungsgrad der 2008 gegründeten V-Bank.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Jens Hagemann, der von 2002 bis 2007 Vorstandssprecher der DAB Bank war und dann die V-Bank gründete, ist eine starke Unternehmerpersönlichkeit. Im vergangenen Jahr zahlte die V-Bank erstmals eine Dividende, nachdem sie rund 4 Millionen Euro Gewinn gemacht hatte. Jetzt schwingt sich Hagemann mit einem von ihm und seinem Vorstandskollegen Stefan Lettmeier unterzeichneten Brief an seine Geschäftspartner, die bankunabhängigen Vermögensverwalter, zum Vorreiter für Gebühren auf das nicht angelegte Geld von Depotkunden auf.

          „Bislang haben wir die Kosten für die Liquiditätshaltung zu Lasten unserer Zinsmarge getragen“, schreiben Hagemann und Lettmeier in dem Brief, der dieser Zeitung vorliegt. Mittlerweile könne die V-Bank wegen der geldpolitischen Maßnahmen der Notenbanken aber nicht einmal mehr kurzfristige Gelder am Kapitalmarkt parken, ohne selbst Negativzinsen in Kauf nehmen zu müssen. „Damit schlagen die Kosten der Liquiditätshaltung unmittelbar und signifikant auf unser Ergebnis durch.“ Die V-Bank hoffe daher auf „Ihr Verständnis und das Ihrer Kunden für die Entscheidung, ab dem 1. Oktober 2016 bei Euro-Konten für Beträge, die über 500 000 Euro hinausgehen, eine Wertaufbewahrungsgebühr in Höhe von 0,4 Prozent zu erheben“, schreiben die Vorstände an die bankunabhängigen Vermögensverwalter.

          „Es trifft die Reichen“

          Ein solcher Vermögensverwalter ist Hans-Georg Kuhlmann. Am Jungfernstieg in bester Lage Hamburgs beheimatet, legt Kuhlmanns Vermögensverwaltung P.A.M. Privates Anlage Management GmbH & Co. für rund 100 Kunden Geld an. Ein Großteil der Depots wird bei der Hamburger Bank Donner & Reuschel geführt, ein Teil auch bei der Berenberg Bank, aber für einige Kunden, die weniger auf Glamour Wert legen, hat Kuhlmann auch Depots bei der V-Bank eröffnet. Derzeit hat er eine durchschnittliche Liquditätsquote in den Depots von rund 15 Prozent. Das heißt: Man müsste über mehr als 3 Millionen an Depotvolumen verfügen um bei einer Liquiditätsquote von 15 Prozent in die Nähe der 500 000 Euro Barbestand zu kommen, von dem an die V-Bank künftig Gebühren erhebt. Kuhlmann hat solche Kunden, sagt aber auch: „Es trifft die Reichen.“

          Gleichwohl wird die Entscheidung der V-Bank Auswirkungen auf die Anlagepolitik der Vermögensverwalter haben, denn Gebühren auf liquide Mittel will möglichst niemand zahlen. Ein Ausweg: Fremdwährungskonten. Kuhlmann etwa berichtet von einem Großkunden, der schon seit einiger Zeit bei der V-Bank ein Währungskonto in Singapur-Dollar führen lässt und darauf vor kurzem sogar noch Zinsen erhielt.

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