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Tipp für Bahnfahrer : Bahntickets zum halben Preis

Ein ICE und ein Eurostar im Londoner Bahnhof St. Pancras. Bild: dpa

Zugfahrten ins Ausland sind schwer zu buchen und oft teurer als nötig. Reisebüro und Bahnschalter kosten zusätzlich Nerven. Eine App verschafft jetzt aber Abhilfe.

          Heute noch in Mainz, morgen Abend schon auf dem Eiffelturm – das ist der Plan. Der Zug übernimmt die Anreise. Um 20 Uhr muss er da sein. Ein Blick im Internet auf bahn.de zeigt die möglichen Fahrten. Am besten erscheint die Verbindung ab 14.40 Uhr. Jetzt nur noch die Fahrkarte kaufen.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch hier beginnt das Problem. Hinter der Abfahrtszeit steht: „Preisauskunft nicht möglich“ und damit auch keine Buchung. Für vier andere mögliche Züge in diesem Zeitraum gilt das ebenso. „Für Länder wie Frankreich oder Italien fehlt uns eine Online-Schnittstelle zu den dortigen Bahnen“, begründet das ein Bahnsprecher. Einen Zug um kurz vor 17 Uhr kann man zwar buchen, weil dann die Deutsche Bahn mit eigenem ICE nach Paris fährt. Aber der kommt zu spät an.

          Jetzt gibt es zwei Alternativen: Ab zum Bahnhof und am Schalter nachfragen. Oder ins Reisebüro. Aber das kostet Zeit, und es gibt keine Garantie, dass man den niedrigsten Preis bekommt. Denn die Computer enthalten nicht alle Sparangebote der ausländischen Bahnen. Und nicht jeder Mitarbeiter nimmt sich die Zeit, um jede mögliche Zugverbindung und Tarifvariante durchzuprüfen. Vor allem nicht am Bahnhof, wenn hinten schon die Schlange drängt. Die Bahn könnte zudem den Anreiz haben, eine Verbindung herauszusuchen, die möglichst lange in Deutschland verläuft, weil sie daran verdient. Reisebüros wiederum erheben manchmal eine Gebühr für die Ticket-Suche. Telefonisch bei der Bahn bestellen geht nicht mehr, weil die Fahrkarten per Post zugestellt werden. Dazu ist bis morgen keine Zeit mehr. Sehr umständlich wäre die Buchung mehrerer Tickets für den deutschen Streckenteil und den Rest auf den Internetseiten der Auslandsbahnen.

          Über solche Erschwernisse wundern sich vor allem die, die ins Ausland normalerweise mit dem Flugzeug fliegen. Ein Flugticket ist längst ohne Probleme online zum bestmöglichen Preis und in wenigen Minuten buchbar. Das will eine französische Start-up-Firma auch für Bahnreisende möglich machen. „Capitaine Train“ heißt sie, wurde 2009 von Ingenieuren gegründet und hat einen deutschen Geschäftsführer. Mit mehr als 800.000 angemeldeten Nutzern verkauft sie schon rund 5000 Fahrkarten am Tag für 13.000 Bahnhöfe in 19 Ländern Europas.

          Preisersparnis um bis zu 50 Prozent

          Und jetzt auch für deutsche Kunden. Der große Vorteil von Capitaine Train: Das Unternehmen mit 40 Mitarbeitern hat Zugang zu den Buchungssystemen großer europäischer Bahnunternehmen wie der französischen SNCF, der italienischen Trenitalia, aber auch von Eurostar (Verkehr nach London) und Thales (vor allem Köln–Brüssel–Paris und Amsterdam–Paris). Capitaine Train sucht für eine Verbindung in all diesen Systemen gleichzeitig nach der günstigsten Kombination verschiedener Züge unterschiedlicher Bahngesellschaften. Der Kunde kann sie dann sofort im Netz oder über Handy buchen. Er bekommt dann mehrere Tickets einzelner Bahnen online zur Verfügung gestellt. Bahncards werden berücksichtigt. Die Buchung ist in einer Minute erledigt.

          Fahrkarten für Auslandsstrecken sind aber über Capitaine Train nicht nur schneller zu bekommen, sondern auch günstiger – um bis zu 50 Prozent. Denn Capitaine erkennt in wenigen Sekunden alle Sparangebote der Auslandsbahnen, auch die, die die Deutsche Bahn nicht im Computer hat oder die der Mitarbeiter bei manueller Suche nicht findet.

          Capitaine ermittelt auch Streckenverläufe, die vielleicht ein paar Minuten mehr Zeit oder einen Umstieg mehr erfordern, aber Geld sparen. Und auf gemeinsam von französischer und Deutscher Bahn betriebenen Strecken wie Frankfurt–Paris kann Capitaine die deutschen Preise unterbieten, indem es das verbilligte SNCF-Sitzkontingent nützt, wenn das deutsche ausgeschöpft ist.

          Keine Kosten für die App-Kunden

          Die größten Ersparnisse erreicht Capitaine vor allem bei längerer Vorausbuchung, weil das System dann alle Sparpreise anbieten kann. Einen Tag vor Abfahrt kann es hingegen meist auch nur die unrabattierten Tickets wie die Deutsche Bahn verkaufen. Deutliche Preisvorteile ermöglicht Capitaine besonders dann, wenn der Kunde sich auf einen Zug festlegt. Dann kommen die Sparpreise zur Geltung.

          Bei völlig flexiblen Tickets ist Capitaine in der Regel genauso teuer wie ein Ticket über die Bahngesellschaft. Aber oft verkauft die eben online gar nichts. Capitaine hat dann zumindest den Vorteil einer einfachen Buchung. Und bietet online auch die günstigsten Tickets für Strecken außerhalb Deutschlands an, etwa von Amsterdam nach Paris. Das ermöglicht die Deutsche Bahn nur am Bahnhof und nicht immer in der billigsten Variante.

          Dieser Artikel ist aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung
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          Capitaine ist besonders interessant für Buchungen nach Frankreich, Italien und London, weil es dort seinen direkten Zugang zu den dortigen Bahngesellschaften nutzen kann. In alle anderen Länder, etwa in die Schweiz und Österreich, bietet es die gleichen Preise wie die Deutsche Bahn, weil sie deren System nutzt. Das soll sich bis Ende 2016 ändern. Dann will Capitaine Train Zugang zu allen wichtigen Bahngesellschaften Westeuropas haben und dadurch niedrigere Preise anbieten können. Die Kunden müssen an Capitaine keine Gebühren bezahlen. Die Franzosen verdienen an der Provision von fünf Prozent, die die Bahngesellschaften entrichten müssen.

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