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Studie zu Anlagerisiken : Wer Porsche fährt, legt schlechter an

Da wird doch nicht etwa ein Fondsmanager hinter dem Steuer sitzen? (Symbolbild) Bild: dpa

Fondsmanager fahren gerne Sportwagen. Der Rendite tut das gar nicht gut – das zeigt eine Studie von Finanzmarktforschern aus Amerika und Singapur.

          Autos verraten viel über ihre Besitzer. Steht beim Nachbarn auf einmal eine Familienkutsche in der Garage, ahnt man: Dort kündigt sich Nachwuchs an. Wird dagegen ein zweiter Porsche angeschafft, deutet dies auf andere Prioritäten hin.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Stephen Brown, Yan Lu, Sugata Ray und Melvyn Teo, vier Finanzmarktforscher aus Amerika und Singapur, wollten es genauer wissen und haben sich eine einfache Frage gestellt: Was sagt das Auto eines Fondsmanagers über dessen Anlagequalitäten aus? Erstaunlicherweise viel mehr, als selbst überzeugte Küchenpsychologen vermuten würden. Man könnte nun die Augen verdrehen und an der Wissenschaftlichkeit solcher Studien zweifeln.

          Aber die Tatsache, dass das unter Finanzökonomen hochangesehene „Journal of Finance“ die Untersuchung veröffentlicht hat, spricht für sich. Das Ergebnis in Kurzform: Je sportlicher und PS-schwerer das Auto, das ein Fondsmanager fährt, umso riskanter legt er das Geld seiner Kunden an. Dies könnte einem ja womöglich noch recht sein. Das Problem aber ist, dass sich dieses zusätzliche Risiko keineswegs in höheren Renditen bezahlt macht. Stattdessen sind es die Fondsmanager mit dem langweiligen Auto, die trotz einer in der Regel wenig aufregenden Strategie eine bessere Wertentwicklung erzielen.

          Die Forscher haben in ihrer Studie mit einem Risiko-Rendite-Maß gerechnet, das dem gemeinen Anleger wenig sagt, der sogenannten Sharpe-Ratio. Finanzprofessor Stefan Mittnik von der Ludwig-Maximilians-Universität München hat sich deshalb für die F.A.S. die Mühe gemacht, diese Angaben in konkrete Zahlen umzurechnen. Das Resultat ist frappierend:

          Ähnliche Schwankungen der Portfoliowerte vorausgesetzt, kämen Fondsmanager mit Sportwagen derzeit im Durchschnitt auf eine Rendite von fünf Prozent pro Jahr. Geldverwalter mit vermeintlich langweiligem Minivan in der Garage dagegen erzielen ein durchschnittliches Jahresplus von 13 Prozent. Über einen Zeitraum von zehn Jahren betrachtet, bedeutet dies, dass die Vorsichtigen das Vermögen um gut 250 Prozent vermehren, während die risikobereiteren Fondsmanager nur ein Viertel dieser Zugewinne erzielen.

          Außereheliche Affären und Häuser auf Pump

          Den Forschern ist es sogar gelungen, Motorleistung und Wertentwicklung der Fonds miteinander ins Verhältnis zu setzen: 100 zusätzliche PS schmälern danach die jährliche Rendite im Schnitt um einen Prozentpunkt. Nun fragt man sich, woher die Wissenschaftler so genau wissen wollen, welche Autos einzelne Fondsmanager fahren. Ihre Ergebnisse beruhen ausschließlich auf Informationen aus Amerika, wo in öffentlichen Datenbanken frei einsehbar ist, welche Autos auf jemanden zugelassen sind. Diese Daten haben sie mit den Namen von rund 1100 amerikanischen Hedgefondsmanagern abgeglichen, die Gelder ohnehin etwas freier anlegen können als normale Verwalter. Welche Automarken die Manager fahren, wird leider nicht verraten, die Autos werden entweder als sportlich oder als solide-langweilig eingestuft. Aber man kann sich denken, dass ein Porsche nicht in letztere Kategorie gehört.

          Aber könnte es nicht sein, dass die Fondsmanager durch andere finanzielle Anreize wie Boni zu einer riskanteren Anlagestrategie verführt werden und dass dies alles mit dem eigenen Auto gar nichts zu tun hat? Das schließen die Forscher durch komplexe Berechnungen und Tests aus. Ihnen zufolge handelt es sich bei den Fans schneller Autos unter den Managern um Menschen, für die der Begriff „Sensation Seeking“ zutrifft.

          Solche Menschen sind stets auf der Suche nach intensiven Erfahrungen und eher bereit, dafür Risiken jeder Art einzugehen. Dies tun sie in der Regel weitgehend unabhängig von finanziellen Vor- oder Nachteilen, die mit diesen Risiken einhergehen. Diese besondere Art der Leidenschaft findet auf der Autobahn ihren Ausdruck im schnellen Sportwagen und an der Börse in einer Vorliebe für stark schwankende Aktien, für ungewöhnliche Strategien und für häufiges Kaufen und Verkaufen. Denn all das verspricht mehr Aufregung.

          Zum „Sensation Seeking“ zählen auch außereheliche Affären. In einer Studie der Miami Business School haben Wissenschaftler 2016 einen Zusammenhang zwischen Fremdgehen und der Zahl der Zwangsversteigerungen von Privathäusern festgestellt. 2015 waren die Daten einer Dating-Plattform für Verheiratete gehackt worden und danach öffentlich einsehbar. Die Forscher werteten sie anonym aus und fanden heraus: Menschen, die zu Seitensprüngen neigen, finanzieren ihre Häuser häufiger auf Pump.

          Der Zusammenhang zwischen der Suche nach solchen Erfahrungen und der Bereitschaft zu ökonomischem Risiko ist belegt, gilt aber selbstredend nicht für jeden Einzelfall. Trotzdem schadet es sicher nicht, einfach mal nachzuhören. Kleiner Tipp: Besser nach dem Auto fragen als nach dem jüngsten Seitensprung.

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