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Vermögensbarometer 2018 : Die Deutschen sind finanziell zufrieden wie noch nie

  • Aktualisiert am

Der Notgroschen oder das Sparen für allgemeine Anschaffungen sind bei den Deutschen weiterhin beliebte Sparmotivationen. Bild: Picture-Alliance

Die finanzielle Zufriedenheit der Deutschen hat laut einer Studie einen neuen Höchststand erreicht und zieht sich durch alle Altersgruppen. Die Hauptsorge der Menschen bleibt derweil eine Altbekannte.

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          Die Deutschen sind finanziell so zufrieden wie noch nie. 63 Prozent der Bundesbürger fühlen sich finanziell gut oder sogar sehr gut aufgestellt. Gleichzeitig sinkt die Zahl derer, die angeben, gar nichts sparen zu können, von 13 auf neun Prozent. „Die Deutschen legen seit Jahren eine robuste Sparkultur an den Tag. Damit trotzen sie beharrlich fast allen welt- und geldpolitischen Krisen“, sagte Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), anlässlich der Vorstellung des „Vermögensbarometers 2018“.“ Die finanzielle Zufriedenheit ist vor allem bei den Hessen, Rheinland-Pfälzern und Bayern sehr hoch.

          Gleichwohl zieht sich die hohe finanzielle Zufriedenheit durch alle Altersgruppen. Dabei üben sich die Deutschen in Sachen Konsum aber in Zurückhaltung und legen wieder vermehrt Geld auf die hohe Kante. Fast drei Viertel der Befragten gaben an, ihr Ausgabeverhalten in den vergangenen zwölf Monaten nicht verändert zu haben. Der Anteil derjenigen, die für ihr Alter vorsorgen oder dies planen, ist gegenüber 2017 um acht Prozentpunkte auf 80 Prozent gestiegen. Auch der Notgroschen oder das Sparen für allgemeine Anschaffungen sind beliebte Sparmotivationen.

          Die Zinspolitik machen weniger Sorgen

          Welche aktuelle Entwicklung bereitet Ihnen bei der Ersparnisbildung die größte Sorge? Immerhin 39 Prozent der Menschen geben auf diese Frage hin an, sich keine Sorgen zu machen. 2016 zeigten sich lediglich 26 Prozent unbesorgt, 2017 waren es 25 Prozent. Entsprechend ist aktuell der Anteil derjenigen, die sich Sorgen machen, mit 61 Prozent weitaus geringer als im Jahr 2016 (74 Prozent) und 2017 (75 Prozent). Je höher Einkommen und Vermögen sind, desto größer ist der Anteil der Besorgten.

          Die Hauptsorge der Menschen ist nach wie vor die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank, auch wenn mit der steigenden finanziellen Zufriedenheit diese Sorge sinkt. Tatsächlich sank die Zahl derjenigen, die sich beim Sparen wegen der Nullzinspolitik Sorgen machen, auf 32 Prozent – im letzten Jahr waren es noch 53 Prozent.

          Gleichzeitig haben sich 38 Prozent inzwischen nach neuen Anlagemöglichkeiten umgesehen. Immobilien sowie Investment- und Immobilienfonds gelten dabei als besonders geeignet. „Es sieht so aus, als hätten sich die Deutschen nach all den Jahren an die niedrigen Zinsen gewöhnt“, so Schleweis weiter. Allerdings sehen immer mehr Menschen die politische Lage als Grund an, sich um das Ersparte zu sorgen: Dieser Wert hat sich von vier auf zehn Prozent mehr als verdoppelt.

          Speziell Frauen sind mit ihrer finanziellen Situation zufrieden oder sogar sehr zufrieden. Laut der Studie liegt der Wert bei 62 Prozent. Bei beiden Geschlechtern sinkt hingegen die Zahl derer, die sich vor dem Hintergrund der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank um ihr Erspartes sorgen. Aber lediglich 35 Prozent der Frauen haben reagiert und ihr Sparverhalten entsprechend angepasst. Bei Männern sind es 7 Prozentpunkte mehr, die Maßnahmen ergriffen haben.

          Frauen bevorzugen stabile, aber weniger renditestarke Anlagen

          Zudem reagierten nur 15 Prozent der Frauen auf die niedrigen Zinsen mit einem Wechsel der Anlageprodukte (Männer: 22 Prozent). Im Gegensatz zu den Männern sehen sie Investment- und Immobilienfonds eher weniger als geeignete Geldanlage in diesen Zeiten an. Ein Grund dafür könnte sein, dass 46 Prozent der Frauen, aber nur 29 Prozent der Männer ihr Wertpapierwissen als schlecht oder sogar sehr schlecht einschätzen, so die Einschätzung des DSGV. Für eine geeignete Geldanlage in Zeiten niedriger Zinsen halten Frauen dagegen mit 41 Prozent Immobilien – hier überragen sie die Männer um satte 18 Prozentpunkte.

          Die Tendenz der Frauen zu weniger renditestarken Anlageprodukten spiegelt sich auch bei der Frage nach den wichtigsten Kriterien bei der Auswahl der Geldanlage wider: Für mehr Frauen (48 Prozent) als Männer (41 Prozent) ist Sicherheit das wichtigste Merkmal. Rendite und Verfügbarkeit sind ihnen weniger wichtig als den Männern. Sie sparen im Vergleich also deutlich konservativer. Dieses konservative Sparverhalten kann allerdings nicht nur in Zeiten niedriger Zinsen, sondern auch angesichts von Inflationserwartungen langfristig für Probleme sorgen. „Damit laufen Frauen insgesamt eher Gefahr, dass sie inflationsbereinigt schlicht Geld verlieren“, so DSGV-Präsident Schleweis.

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