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Warnung : Genossenschaften sind kein Renditemodell

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Wohnungsbau ist ein Genossenschaftszweck, Dividendenzahlungen nicht. Bild: dpa

Die Stiftung Warentest warnt vor dubiosen Geschäftemachern, die das gute Image von Genossenschaften ausnutzen.

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          Vor dubiosen Geschäftemachern, die das gute Image von Genossenschaften ausnutzen, warnt die Stiftung Warentest. Sie nutzten Spielräume im Genossenschaftsgesetz aus und lockten Interessierte mit hohen Renditeversprechen, berichtete die Zeitschrift "Finanztest" in ihrer kommenden Ausgabe.

          Dabei seien Genossenschaftsanteile als reine Kapitalanlagen gar nicht geeignet, zitiert die Zeitschrift den Vorstandsvorsitzenden des Genossenschaftsverbandes, Eckard Ott. Ein reines Dividendengeschäft sei vielmehr unzulässig, weil die Mitglieder wirtschaftlich oder sozial gefördert werden müssten.

          Förderzweck Börsenhandelssystem

          Als Beispiel für einen dubiosen Anbieter nennt Finanztest die „Altersvorsorgegenossenschaft AVG“, die mit überdurchschnittlichen Renditen für eine „langfristige Altersvorsorge“ unter „Aufsicht eines staatlich überwachten Prüfungsverbandes“ warb. Die AVG, die „Investitionen an der Börse“ versprochen habe, habe Millionen an die Potsdamer „Karriere AG“ ihres Aufsichtsratsvorsitzenden James Klein verliehen. Diese sollte Erträge aus einem Börsenhandelssystem erwirtschaften, das Kleins Stiefsohn Ingo entwickelt habe.

          Seit August wird die AVG liquidiert, unter anderem von Kleins Ehefrau. Schon im Februar hatte die Finanzaufsicht Bafin wegen Unzulässigkeit des Förderzwecks von der AVG die Rückzahlung der Genossenschaftsbeiträge binnen vier Wochen an die Mitglieder verlangt. Dann sei aber nichts geschehen, offenbar weil der Potsdamer Prüfungsverband der AVG einen zulässigen Förderzweck bescheinigt habe.

          Gegen Klein werden mittlerweile Untreuevorwürfe seitens der Staatsanwaltschaft geprüft. Klein war 1994 schon einmal als Vorstand einer Genossenschaft vom Prüfungsverband suspendiert worden. Das Börsenhandelssytem können für Investmentgesellschaften einen Wert von 111 Millionen Euro haben, betone Klein.

          Zwei Prüfverbände fallen auf

          Dubiose Gründer erschlichen sich häufig die Einstufung des Förderzwecks als zulässig, indem sie bei einem der gut zwei Dutzend Prüfverbände zur Prüfung die Mustersatzung des Bundesverbands deutscher Wohnungsgenossenschaften vorlegten. Dabei seien besonders der DEGP Deutsch-Europäischer Genossenschafts- und Prüfverband und der Potsdamer Prüfungsverband beliebt. In zwei Drittel der Fälle seien die Genossenschaften von diesen beiden Verbänden geprüft worden. Der Potsdamer Verband hatte auch die AVG geprüft, beide Verbände haben mit Wolfram Klüber denselben Vorstand.

          Die meisten Angebote seien seriös, betonte "Finanztest". Dennoch führt die Stiftung Warentest eine Warnliste mit mehr als 60 Einträgen, auf der unter anderem auch die Wohnungsbaugenossenschaften Protectum Moderne und DWG (ehemals GenoKap) sowie die Duisburger Inco Genossenschaft stehen. Die DWG sei nicht durch offensives Telefonmarketing aufgefallen.

          "Finanztest" rät zur Vorsicht, wenn eine Genossenschaft hohe Renditen, vermögenswirksame Leistungen oder Wohnungsbauprämien verspricht. Ein Callcenter oder externe Vertriebe sollten ebenso misstrauisch machen wie ein schwammiger Geschäftszweck. Wenn Mitgliedsbeiträge nicht in Immobilien investiert würden, in denen Mitglieder wohnen können, könne dies ebenfalls ein Zeichen für mangelnde Seriosität sein.

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