https://www.faz.net/-hbv-7rjmg

Spekulieren wie die Großen : So folgen Sie den Börsen-Gurus

Bild: SIS/Doriano Solinas

Auf der Internetplattform eToro kann man sich automatisch an die besten Händler anhängen. Unser Autor hat es ausprobiert.

          Der Tag, an dem Luiz Crato, genannt Gonzallez 69, in mein Leben tritt, ist keiner, den die Anleger dieser Welt lange in Erinnerung behalten werden. Ich dagegen schon. Sicher, an jenem Montag vor mittlerweile mehr als zwei Wochen wird die deutsche Nationalmannschaft noch ein schwieriges WM-Achtelfinale gegen Algerien zu bestreiten haben, doch an der Börse tut sich nichts: Der Dax bewegt sich kaum von der Stelle, auch der Wechselkurs des Euro zum Dollar steht praktisch still. Von geringer Volatilität sprechen die Fachleute in den Börsennachrichten da gerne - mir aber reicht’s: Diese totale Flaute geht mir gehörig auf die Nerven. Schließlich hatte ich mir ausgemalt, hier vom ersten Tag an ordentlich Geld zu verdienen.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          eToro heißt die neue Welt, die ich in diesen Tagen betreten habe, und wie das mit neuen Welten heutzutage so ist, sind sie über das Internet zu erreichen. Wer sich auf der Internetseite www.etoro.com registriert, ist sogleich mit 3,5 Millionen Menschen aus allen Kontinenten verbunden, von denen jeder angeblich nur eines will: an den Märkten richtig Geld machen. Keine Frage: Da bin ich dabei.

          Nun hat es das Versprechen auf unermesslichen Börsenreichtum in der Finanzgeschichte schon außerordentlich häufig gegeben: Mal war es ein vermeintlicher Superinvestor wie der Betrüger Bernie Madoff, dem die Anleger blind vertrauten, mal der Glaube an neuartige, nie dagewesene Geschäftsmodelle wie zu Zeiten des Internethypes um die Jahrtausendwende - gut ging die Sache selten aus. Trotzdem wagt auch der Gründer von eToro, der Israeli Yoni Assia, große Worte. Die von ihm verfochtene Idee des „Social Trading“ sei schlichtweg revolutionär. Nun ist es nicht sicher, ob es wirklich Assia war, der die Idee als Erster hatte, oder doch einer seiner zahlreichen Konkurrenten (wie Ayondo oder Currensee) - und auch die Revolution ist deswegen noch nicht ausgebrochen. Klar aber ist: „Social Trading“ ist in der Tat etwas Neues, und auf der ganzen Welt gibt es keinen Anbieter, der das Geschäft so erfolgreich betreibt wie eToro. Keine andere Plattform hat mehr Mitglieder.

          Der Grundgedanke des ganzen ist so einfach wie faszinierend: Jedes Mitglied soll von den Investmentideen der anderen profitieren. Klingt ein bisschen wie der gute alte Investmentclub, aber eben mit viel mehr Möglichkeiten: Denn bei eToro kann sich jedes Mitglied nicht nur die aktuelle Zusammensetzung der Depots aller anderen anschauen und mit Hilfe zahlreicher Ranglisten herausfinden, wer in der Community gerade am meisten mit Aktien, Währungen oder Rohstoffen verdient. Nein, hinzu kommt: Gefällt einem die Strategie einer dieser Top-Trader (so nennt man das im Börsenjargon) besonders gut, kann man sie mit nur einem einzigen Mausklick sofort nachahmen. Die Folge: Entscheidet sich der Trader, auf einen steigenden Goldpreis zu spekulieren, spekuliert auch jeder seiner Nachahmer darauf. Wettet er im Gegenzug auf einen fallenden Dax, gehen auch alle seine Nachahmer diese Wette ein. Der Auswahl sind keine Grenzen gesetzt: Mit einem Mindesteinsatz von in der Regel 50 Dollar (eToro rechnet grundsätzlich in Dollar ab) lässt sich jeder beliebige Trader imitieren.

          Womit wir wieder bei Luiz Crato, genannt Gonzallez 69, wären - der natürlich alles andere als ein beliebiger Trader ist. Der Mann (ein Portugiese mit vielen Jahren Börsenerfahrung) hat in den Ranglisten des vergangenen Jahres die Konkurrenz in ganz Südeuropa hinter sich gelassen. Allein in den vergangenen 30 Tagen lag sein Gewinn bei 500 Prozent. Und neben diesen beeindruckenden Zahlen lockt er mich mit einem besonderen Versprechen. Der oberste Eintrag auf seiner eToro-Seite lautet nämlich zu diesem Zeitpunkt: „Ich sehe die große Gelegenheit, dass wir in dieser Woche einen Jackpot knacken, meine Freunde.“ Ich bin hin und weg. Und setze sogleich 150 Dollar auf ihn. Diesen Jackpot will auch ich mir holen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Über der getroffenen Ölanlage in Abkaik steht eine immense Rauchsäule (Fernsehbild).

          Angriff auf Saudi-Arabien : Der Ölpreis dürfte am Montag kräftig steigen

          Die Houthi-Rebellen haben das Herz der saudi-arabischen Ölindustrie getroffen. Der Drohnenangriff könnte an den Märkten zu einem Schock führen. An der Tankstelle mussten Autofahrer schon etwas mehr zahlen.

          Proteste vor IAA : Blockade mit drei farbigen Fingern

          Hunderte Demonstranten der Aktion „Sand im Getriebe“ haben zwei der fünf Eingänge der Messe blockiert. Ihr Protest richte sich nur gegen die Konzerne, sagen sie. Das empfinden viele Besucher anders.
          Zu häufiges Nutzen des Smartphones kann krank machen. Aber ganz darauf verzichten geht heutzutage auch nicht.

          Data Detox : Wie man mit wenigen Schritten seine Datenflut eindämmt

          Unsere Datenflut kommt Konzernen wie Facebook und Google zugute, wobei alles andere als klar ist, was genau mit den Informationen geschieht. Mit einigen Tipps kann man sein Handy vor Zugriffen schützen.

          Bayerns zwei Gesichter : „Keine Feuer legen, bitte“

          War es ein Taktik-Sieg von Julian Nagelsmann gegen Niko Kovac? Die Bayern haben offenbar nicht schnell genug auf Veränderungen des Gegners reagiert – und rutschten in der Tabelle ab. In München will man aber Ruhe bewahren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.