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Neue App : Können Sparkassen auch cool sein?

Die Sparkassen riskieren einiges, um bei den jungen Kunden gut anzukommen. Jetzt setzen sie auf ein neues digitales Konto und eine App. Wird das helfen?

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          Mit den Sparkassen verbindet man viel: die Farbe Rot. Ein dichtes Filialnetz. Aber, auch das gehört zur Wahrheit: ein angestaubtes Image. Sparkasse – das ist alles, aber bestimmt nicht cool. Ungelenke Versuche mit jungen Werbeträgern wie den Youtube-Stars „Lochis“ sorgten eher für Fremdschäm-Momente als für Identifikation. Das hört man freilich nicht gern beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband, der sich nach kritischer Berichterstattung regelmäßig ungerecht behandelt fühlt.

          Franz Nestler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Um für die jüngere Zielgruppe attraktiver zu werden, setzt man nun auf „Yomo“, was die Abkürzung für „Your Money“ ist, also übersetzt „Dein Geld“. Yomo ist gleichzeitig ein neues digitales Konto sowie eine App für das Smartphone, die sich vorrangig an junge Menschen unter 35 Jahren richtet.

          Sieht gar nicht sehr nach Sparkasse aus: Die Beta-Version von „Yomo“.
          Sieht gar nicht sehr nach Sparkasse aus: Die Beta-Version von „Yomo“. : Bild: Unternehmen

          Die Sparkassen riskieren einiges, um gut anzukommen, und rütteln an ehernen Prinzipien. Die „Heilige Kuh“ Regionalprinzip? Wird auf dem Altar der App mehr oder weniger geschlachtet. Zur Erklärung: Unter Regionalprinzip verstehen die Sparkassen, dass sich ein Institut nicht in die Region einer anderen einmischt. Nicht nur, dass zehn große Sparkassen zusammenarbeiten, unter ihnen die Branchengrößen aus Hamburg, Köln, Bremen, Düsseldorf und Dresden. Auch wollen die beteiligten Sparkassen Kunden von außerhalb ihrer Gebiete akzeptieren, die dann nicht mehr zweifelsfrei einer Bank zugeordnet werden können. Es wird interessant sein zu sehen, wie die nicht beteiligten Sparkassen darauf reagieren werden.

          Die App sieht so gar nicht nach Sparkasse aus

          Yomo ist ausdrücklich keine neue Sparkasse mit eigener Banklizenz, sondern lediglich ein neues Kontomodell, welches die zehn Sparkassen gemeinsam betreiben. Statt es selbst zu entwickeln, setzten die roten Riesen auf die Expertise von „Star Finanz“, einem Hamburger Fin-Tech.

          Kartellrechtsfragen hat man elegant aus dem Weg geschafft: Zwar sind die Kontoführung und die Sparkassen-Card kostenlos, allerdings sind die dahinterliegenden Gebühren unterschiedlich: etwa der Dispozins oder die Gebühren für Geldabheben an einem Fremdautomat.

          Und schaut man sich die App an, sieht sie so gar nicht nach Sparkasse aus. Die Farbe Rot ist nur noch eine von vielen, grelle Töne dominieren. Das sieht modern aus und muss sich hinter der Fin-Tech-Konkurrenz von N26 nicht verstecken. Haben die Sparkassen damit im hart umkämpften Bankenmarkt eine Chance?

          Im Moment läuft noch die Beta-Phase

          Sie haben zumindest die besten Möglichkeiten dazu. Während N26 zuletzt wegen des schlechten Kundenservices kritisiert wurde, können die Sparkassen mit ihrem immer noch großen Vertrauen punkten, welches sie in breiten Kreisen der Bevölkerung genießen. Gerade wenn es ums Geld geht, ist es doch ein wesentlich wohligeres Gefühl, es den Sparkassen mit ihren mehr als 200000 Mitarbeitern anzuvertrauen als einem noch recht unbekannten Fintech mit seinen 140 Mitarbeitern. Wenn etwas im schlimmsten Fall nicht läuft, kann man bei der Sparkasse eben doch einfach mal schnell zur Filiale um die Ecke gehen.

          Das größte Problem ist aktuell aber der Faktor Zeit. Im Moment läuft noch die Beta-Phase. Das heißt: Einige wenige Ausgewählte testen das Programm auf Herz und Nieren, auch sind noch nicht alle Funktionen freigeschaltet. Es soll aber noch dieses Jahr für alle starten, und da müssen die Sparkassen einen schwierigen Spagat schaffen. „Sei der Erste oder sei der Beste“ ist eine alte Unternehmerweisheit.

          Der Erste kann man schon nicht mehr sein, also müssen die Sparkassen die beste App an die Kundschaft bringen. Dafür dürfen sie sich aber auch nicht zu viel Zeit lassen, damit die Konkurrenz nicht noch vorbeizieht. N26 hat nur noch wenig Kunden. Aber die Deutsche Bank und auch die Commerzbank haben mit Innovation Labs und Neugelb Start-ups im Hintergrund gegründet, die an neuen innovativen Produkten arbeiten.

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