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Sparen ohne Spaß : Wir wollen mehr Zinsen!

Doch wann werden die Zinsen deutlich steigen? Kenneth Rogoff, Wirtschaftsprofessor an der amerikanischen Harvard University, nennt drei tiefere Gründe, warum die Zinsen so niedrig sind – und macht daran fest, wann sich das ändern wird.

Der erste Grund ist die globale Sparflut. In vielen Ländern wird viel gespart. In Deutschland etwa, trotz der neuen Konsumlust – weil die alternde Bevölkerung für den Ruhestand vorsorgt. In China, weil das Land mit Devisenreserven den Wechselkurs stabilisiert. Die Folge: Die weltweiten Ersparnisse übersteigen die Investitionsmöglichkeiten, das drückt den Zins. Rogoff sieht die Chance, dass sich das auf der Investitionsseite ändert: „Die langfristigen Zinsen dürften maßvoll steigen, wenn die Investitionen sich weltweit beleben.“

Der zweite Grund für die niedrigen Zinsen ist die Angst der Investoren vor einer neuen Krise. Sie sind immer noch auf der Hut vor dem Risiko eines globalen Zusammenbruchs der Finanzmärkte. Auch wenn diese Angst seit der Finanzkrise nachgelassen hat, sind vermeintlich sichere Anlagen wie deutsche Staatsanleihen immer noch begehrt. Das drückt die Zinsen, die der deutsche Finanzminister dafür zahlen muss. „In dem Maß, in dem diese Angst vor einer Krise weiter zurückgeht, werden auch die langfristigen Zinsen wieder steigen“, sagt Rogoff.

Der dritte Grund schließlich sind die außerordentlichen Schritte der Notenbanken zur Krisenbekämpfung. Hier gibt es Unterschiede zwischen Amerika und Europa: In Amerika kämpft die Fed vor allem gegen die Folgen der Finanzkrise. Dort scheint ein Ende absehbar. In Europa hingegen sind die Probleme der südeuropäischen Staaten der wichtigste Grund, warum die Notenbank die Zinsen niedrig hält. Wie lange die Lage dort schwierig bleibt, weiß man nicht. „Deshalb wird es keinen Gleichlauf geben – und die Zinsen in Amerika marschieren voran“, sagt Rogoff.

Mit Festgeld und Bundesanleihen steht man besser da

Was aber bedeutet das alles nun für Tagesgeldzinsen, Festgeld und Hypotheken-Darlehen? Im Augenblick liegen die Tagesgeldzinsen laut FMH-Finanzberatung im Durchschnitt bei 0,65 Prozent, für Festgeld (zwölf Monate) bei 0,6 Prozent und für Hypothekendarlehen mit 15 Jahren Laufzeit bei 2,73 Prozent. Wo diese Zinsen in einem Jahr liegen, ist nicht vorherzusagen: Die Zeiten, in denen die Zinskurve einem Muster folgte, seien vorbei, sagen die Zinsexperten. Zumindest ist jetzt viel Luft nach oben: Wenn die Hypothekenzinsen über kurz oder lang auf das Niveau vor der Finanzkrise zurückkehren sollten, würde das immerhin eine Verdoppelung der heutigen Zinssätze bedeuten.

Tendenziell gilt: Spareinlagen mit kürzerer Laufzeit werden stärker vom Leitzins beeinflusst. Bis sie steigen, muss man womöglich auf Draghis Zinserhöhung warten. Viel besser sieht es für Festgeld und Bundesanleihen aus. Da könnte sich schon im nächsten Jahr was tun. Allerdings können auch die Hypothekenzinsen steigen: Sie orientieren sich stärker am Kapitalmarkt – auf sie könnte deshalb die Zinsentwicklung in Amerika Einfluss haben. Reinhard Klein, Chef der Bausparkasse Schwäbisch Hall, ist überzeugt: Zwar werde es in den nächsten zwölf Monaten noch keine wesentliche Änderung der Bauzinsen geben. Danach aber schon – wenn sich „die Deflationsorgen erledigt“ und die Amerikaner die Zinswende eingeleitet hätten.

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