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Schwache Gemeinschaftswährung : So werden Anleger zu Euro-Profiteuren

Bild: Rüchel, Dieter

Der Euro ist schwach. Und das dürfte auch noch einige Zeit so bleiben. Anleger können damit ein gutes Geschäft machen.

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          Der Euro, die gemeinsame Währung Europas, ist im Augenblick schwach wie lange nicht mehr. Sein Außenwert, also der Wechselkurs gegenüber anderen Währungen, ist seit Jahresanfang deutlich gesunken. Und zwar nicht nur gegenüber dem Dollar; das könnte man ja auch noch umgekehrt als eine Stärke der amerikanischen Währung interpretieren. Nein, der Kurs des Euros ist auch gegenüber den meisten anderen Währungen der Welt gefallen - von Ausnahmen wie dem brasilianischen Real (das Land hat gerade eine Menge Schwierigkeiten) und der ukrainischen Währung Griwna (dort herrscht immerhin Krieg) einmal abgesehen.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Schuld war zuletzt vor allem das Anleihekaufprogramm „QE“ der Europäischen Zentralbank - und die Erwartung der Investoren, dass die Zinsen in Europa noch lange niedrig bleiben, während sie in Amerika bald steigen dürften.

          Dabei kann eine schwache Währung kurzfristig sogar Vorteile haben - jenseits der Frage, ob das langfristig ein schlechtes Zeichen ist. Der Konjunktur kann ein niedriger Wechselkurs einen Schub geben, weil Exportunternehmen Vorteile haben, wenn ihre Waren auf den Weltmärkten billiger werden und sie größere Mengen absetzen können. Und auch Anleger können vom schwachen Euro profitieren: Wenn sie glauben, dass der Wechselkurs in absehbarer Zeit nicht stark steigt, sollten sie ihr Portfolio darauf einstellen - und können mit dieser Art von „Wette“ am Ende sogar gut verdienen.

          Wie macht man das konkret? Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, sieht vor allem zwei Möglichkeiten: Aktien von exportorientierten Unternehmen aus der Eurozone kaufen. Oder in amerikanische Anleihen investieren, für die es im Moment etwas höhere Zinsen gibt als hierzulande und bei denen man einen zusätzlichen Vorteil hat, wenn der Dollar gegenüber dem Euro weiter steigt. „Wobei wir insbesondere amerikanische Unternehmensanleihen guter Bonität empfehlen“, sagt der Anlageexperte der Deutschen Bank. Für amerikanische Unternehmensanleihen erhielten Sparer noch bis zu drei Prozent Zinsen - statt weniger als ein Prozent wie in Europa. Auch ausgewählte amerikanische Immobilien könnten unter diesem Gesichtspunkt interessant sein.

          Mit europäischen Aktien vom niedrigen Eurokurs profitieren

          Dabei gibt es allerdings ein Risiko: Die Kurse der Anleihen könnten fallen, wenn die amerikanische Notenbank Fed die Zinsen anhebt. Das könnte Anlegern, die diesem Tipp gefolgt sind, schmerzhafte Kursverluste bereiten. Allerdings glaubt man bei der Deutschen Bank, dass die Auswirkungen der Zinserhöhung, so wie sie jetzt zu erwarten ist, auf die länger laufenden Anleihen überschaubar bleiben wird. „Wir rechnen nicht damit, dass es in Amerika zu einem steilen Anstieg der sogenannten Zinsstrukturkurve kommt“, sagt Anlageexperte Stephan. Das heißt: Die amerikanische Notenbank Fed wird die Zinsen voraussichtlich behutsam und in kleinen Schritten anheben - so dass die langfristigen Zinsen nicht stark steigen werden und sich die Kursverluste bei Anleihen in Grenzen halten dürften.

          Wem das trotzdem zu abenteuerlich ist, der kann auch mit europäischen Aktien vom niedrigen Eurokurs profitieren. Reinhard Pfingsten, Chief Investment Officer des Frankfurter Bankhauses Hauck & Aufhäuser, nennt vor allem Konsumgüter-, Pharma- oder Industriewerte. Beispiel Airbus: Das Unternehmen produziert seine Flugzeuge zu großen Teilen im Euroraum, verkauft sie aber überwiegend in Dollar. Die Aktie, deren Kurs bei 62 Euro steht, ist nach einer schwierigen Phase Ende 2014 mehr oder minder mit dem Fallen des Euros gestiegen. Von demselben Effekt könnten auch Bayer, Daimler, Siemens oder der französische Luxuskonzern LVHM (Louis Vuitton, Hennessy, Moët) profitieren.

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