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Sinkende Fondsgebühren : Die Angst vor der alles verändernden Idee

Schöne Fassade: Die neuen Räume der Fondsgesellschaft DWS Bild: Wolfgang Eilmes

Die Gebühren für Investmentfonds sind weltweit unter Druck. Die Unternehmensberatung PWC rechnet damit, dass diese noch stärker fallen werden - und mit ihnen die Einnahmen und Gewinne der Gesellschaften.

          Die Finanzbranche befindet sich im Umbruch, Fintechs und Insurtechs machen traditionellen Banken und Versicherungen zunehmend das Leben schwerer. Dagegen geht es der Fondsbranche noch ganz gut. Nicht nur ist das global verwaltete Vermögen zwischen 2012 und 2017 um durchschnittlich 9 Prozent jährlich auf 98 Billionen Dollar gewachsen. Auch die durchschnittliche Gewinnmarge ist in diesem Zeitraum um fast 16 Prozent gestiegen. Das ist eines der Ergebnisse des alljährlich erscheinenden Berichts der Unternehmensberatung PWC über die Branche.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch mitnichten ist alles gut. „Wir rechnen mit deutlich langsameren Mittelzuflüssen in der Zukunft“, sagt Thorsten Gommel, Leiter des Asset-Management-Geschäfts in Deutschland bei PWC. „Künftig wird eine weniger vorteilhafte Lage die Erosion der Margen nicht mehr überdecken können.“ Denn auch wenn die Gewinne gestiegen sind, so sind die Managementgebühren doch schleichend zurückgegangen.

          Hatten diese 2012 noch bei durchschnittlich 0,52 Prozent gelegen, waren es 2017 nur noch 0,44 Prozent. Ob aktiv oder passiv, gleich welche Anlageklasse und welche Region der Welt: Die Gebühren sinken. 2012 konnte noch für mehr als jeden vierten aktiv verwalteten Fonds eine Gebühr von mehr als 1 Prozent verlangt werden. Heute ist es nicht einmal jeder fünfte. Passive Fonds wie ETFs trifft es noch stärker. Während die Gebühren für aktive Fonds durchschnittlich um 9 Prozent gesunken sind, ist es bei passiven Produkten ein Viertel weniger als noch vor fünf Jahren.

          Gründe sind eine in fast allen Ländern auf mehr Transparenz zielende Regulierung und ein größeres Kostenbewusstsein der Investoren seit der Finanzkrise. Dies führt zu einem allgemeinen Verfall der Margen. Bei ETFs spricht die Branche schon lange vom „Race to the bottom“, und schon jetzt gibt es Produkte, die ganz ohne Managementgebühren auskommen. Das werde zwar nicht zum Standard, aber eine gängige Marketing-Strategie werden, meint PWC. „Auch der Trend zu teureren, aktiven ETFs und ,Smart-Beta‘-Produkten wird daran nicht viel ändern“, sagt Gommel.

          Die intensive Konkurrenz durch transparente und billige passive Produkte hat ihrerseits die Gebühren für aktiv verwaltete Standardprodukte unter Druck gebracht. Darauf habe die Branche mit einer Rückbesinnung auf alte Stärken reagiert. „Es gab einen regelrechten Angebotsschub bei Multi-Asset-Fonds und alternativen Investments, was eine der letzten Domänen aktiven Fondsmanagements ist“, sagt Gommel. „Zwangsläufig bringt das auch die Gebühren in diesem Bereich unter Druck.“

          Dieser Druck auf die Gebühren sei bislang moderat gewesen, eben weil die Nachfrage groß war. Doch das werde sich ändern. Bis 2025 rechnet PWC mit einem Rückgang der Gebühren um weitere 20 Prozent. Das gilt vor allem für den asiatisch-pazifischen Raum sowie in Europa, dort nicht zuletzt deswegen, weil die Gebühren hier noch vergleichsweise hoch sind.

          Die deutsche Fondsindustrie befinde sich dabei noch in einer besseren Lage, sagt Gommel. Der Punkt, dass die Erträge bei steigenden Volumina sinken, sei hier noch nicht erreicht. „Deutschland ist bei Publikumsfonds weiter ein Verkäufermarkt mit einer starken Vertriebsstruktur in der Fläche. Das macht die Branche widerstandsfähiger, auch wenn sie sich dem Trend nicht wird entziehen können.“ Nicht zuletzt die Sparkassen und Volksbanken mit ihren Fondsgesellschaften trügen dazu bei.

          Insgesamt aber werde es in der Branche rund um den Globus einen gewaltigen Umbruch geben. „Vor allem mittelgroße Gesellschaften dürften es künftig schwerer haben. Entweder wird man groß sein und Skaleneffekte haben oder klein und spezialisiert“, sagt Gommel, der auch mit einer weiter sich verstärkenden Fusionstätigkeit rechnet. Die Zahl der Fonds werde eher gleich bleiben, sich aber weiter zu mehr passiven Produkten verschieben.

          Vor allem aber müsse die Branche zunehmend ein Kostenbewusstsein entwickeln. „Die Entwicklung der vergangenen Jahre sollte ein Weckruf sein“, sagt Gommel. „Bisher war die Branche nicht übermäßig kostensensitiv und hat vor allem darauf geachtet, die Kosten langsamer steigen zu lassen als die Erträge.“ Doch darauf könne sie sich nicht mehr ausruhen. „Es ist erschreckend, wie viele Fonds gerade in Europa aufgrund ihrer geringen Größe verlustbringend betrieben werden.“ Das könne man sich künftig nicht mehr leisten und müsse genauer überlegen, welche Produkte Erfolg versprächen.

          Außerdem müsse sich die äußerst konservative Branche wandeln. Immer häufiger verlangten Investoren nicht nur finanziellen Erfolg, sondern auch einen positiven Beitrag zur Gesellschaft. Der Frauenanteil im Fondsmanagement liegt bei nur 20 Prozent, und die Unterschiede in der Entlohnung sind hoch. Vor allem aber technisch müsse sich die Branche öffnen und attraktiv werden für Absolventen technischer Studiengänge. Gerade in der Datenanalyse sieht PWC hohes Rationalisierungspotential. „Aber das wird ein zäher Prozess werden und nur wenigen gelingen“, sagt Gommel. „Dabei plagt die Branche schon seit Jahren die Angst vor einer disruptiven Idee. Das wird bislang von der umfassenden Regulierung behindert, schwebt aber latent über ihr.“

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