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Sinkende Aktienkurse : Ein Leben mit Aktien und zur Miete ist möglich, aber gefährlich

  • -Aktualisiert am

In Zeiten unruhiger Börsen kann schnell viel Geld verloren gehen. Bild: Getty

An der Börse reich werden oder das angelegte Depot plündern und sich den Traum vom Eigenheim verwirklichen? Was lohnt sich am Ende mehr? Unser Experte rechnet nach.

          4 Min.

          Es ist wieder einmal so weit. Die Kurse der Aktien sind um 5 Prozent gesunken. Das ist ja auch kein Wunder. Der Diesel hat die Autowelt verpestet. In Amerika und Russland wüten Diktatoren. Nun hat die CSU zehn Prozent ihrer Wähler verloren. Da müssen die Börsen in den Keller rauschen, und die Skeptiker dieser Welt fühlen sich bestätigt. Ein Leben mit Aktien und zur Miete ist möglich, aber gefährlich für Leib und Seele. Damit sind wir beim heutigen Thema, liebe Leserinnen, werte Leser!

          Ein Leser aus Stuttgart, zur Miete lebend, hat mich um Rat gefragt, was er mit seinem Depot, in dem Aktien im Wert von zweieinhalb Millionen Euro liegen, in den nächsten Tagen machen soll. Es wäre nett, wenn Sie erste Lösungen entwickeln würden, wie dem armen Mann geholfen werden kann. Ich muss Ihnen nämlich noch ein paar Details erzählen, um Ihnen das wahre Problem dieses Falles zu verdeutlichen. Der Anleger ist 51 Jahre alt. Er ist mit einer Frau verheiratet, die zwei Jahre jünger ist. Das kinderlose Paar betreibt eine Handelsvertretung, die in der Vergangenheit jährlich 250.000 Euro abgeworfen hat, doch der Mann ist skeptisch, ob das kleine Unternehmen auch in Zukunft so florieren wird.

          Die beiden Vertreter leben in einer 200 Quadratmeter großen Wohnung, die monatlich 3000 Euro kostet. Der Mann ist eine Mischung aus Skeptiker, Händler und Spieler, so dass es kein Wunder ist, dass die Überschüsse der letzten 25 Jahre in Aktien geflossen sind. Die Frau ist eine Mischung aus Kreativität und Sicherheit und wünscht sich seit Jahren ein Eigenheim. Haben Sie eine grobe Vorstellung, wo der Hase im Pfeffer liegt?

          Der Traum vom Eigenheim: Muss das Depot also nun doch schon geplündert werden? (Symbolbild)

          Sollte das wider Erwarten nicht der Fall sein, will ich Ihnen gerne auf die Sprünge helfen: Der Mann möchte an der Börse reich werden, und die Frau will in einer Wohnung leben, die ihr gehört. Wer wird diesen „Streit“ wohl gewinnen? Ich habe die Frage meiner professoralen Freundin aus dem Holsteinischen vorgelegt, und sie antwortete mit einem verschmitzten Lächeln, zu dem wirklich nur Frauen fähig sind: Der Mann habe keine Chance. Wenn ihm häuslicher Frieden wichtig sei, dann müsse er das Depot plündern und eine passende Wohnung kaufen! Sonst werde er in jeglicher Hinsicht auf halbe Ration gesetzt. Das ist doch eine klare Ansage, nicht wahr? Ich kann die Antwort nachvollziehen, doch neugierig, wie ich hin und wieder bin, habe ich nachgerechnet, wie teuer diese Empfehlung in Euro und Cent ist. Ich bin gespannt, was Sie zu dem Ergebnis sagen.

          Depot oder Wohnung?

          Das Depot hat zurzeit einen Wert von 2.500.000 Euro. Ich rechne in Zukunft mit einer Rendite von 5 Prozent pro Jahr. Sie soll zu gleichen Teilen aus Dividenden und Kursgewinnen bestehen. Folglich werden 62.500 Euro pro Jahr ausgeschüttet, und wenn von diesem Betrag die Abgeltungsteuer und der Solidaritätszuschlag von insgesamt 26,375 Prozent abgezogen werden, bleiben für die Anleger pro Jahr rund 46.000 Euro übrig. Damit kann die heutige Jahresmiete von 36.000 Euro locker bezahlt werden, und selbst wenn die Miete jedes Jahr um 2 Prozent steigt, werden die Anleger nicht in Engpässe geraten. Sie bunkern die anfänglichen Überschüsse und werden in 15 oder 20 Jahren genügend Reserven besitzen, um jährliche Mieten von 48.000 oder 53.000 Euro bezahlen zu können.

          Die anfänglichen 2.500.000 Euro werden durch Kursgewinne von jährlich 2,5 Prozent im Laufe der nächsten 20 Jahre auf 4.007.000 Euro steigen. Die Differenz zum Startwert von 2.500.000 Euro beträgt 1.597.000 Euro und unterliegt der Abgeltungsteuer. Dadurch sinkt der Endwert nach Steuern auf 3.675.000 Euro. Hinzu kommen die restlichen Dividenden in Höhe von 46.000 Euro, so dass der effektive Endwert der „Aktien minus Mieten“ in 20 Jahren bei 3.721.000 Euro liegen wird, wenn meine Prognosen korrekt sind.

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