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Vermögensverwaltung : Keine Inflation, bitte!

Anleger können der Inflation zuvor kommen. Bild: dpa

Die Inflationsraten in den Industriestaaten sind auf einem Rekordtief. Doch wer sein Geld langfristig anlegen will, der muss sein Depot auch auf das Szenario einer Inflation vorbereiten. Das müssen Sie beachten.

          Die Inflationsraten, gemessen an der Preisentwicklung von Gütern und Dienstleistungen, bewegen sich in den Industrienationen in der Nähe jahrzehntelanger Tiefststände. Nach Ansicht vieler Fachleute existiert in naher Zukunft auch keine bedeutende Inflationsgefahr. Gleichwohl muss eine langfristig ausgerichtete Vermögensverwaltung auch auf eine etwaige Beschleunigung der Geldentwertung eingestellt sein. Die Frage ist nur, wie ein effizient gestalteter Inflationsschutz in der Praxis aussehen soll.

          Ein ernüchterndes Ergebnis haben, wie die amerikanische Internetseite www.ai-cio.com berichtet, kürzlich zwei Fachleute auf einer Tagung britischer Aktuare vorgestellt. Ihre These lautet stark verkürzt: Ein wirklich zuverlässiger Inflationsschutz existiert zumindest für Großanleger entgegen aller verbreiteten Mythen eigentlich überhaupt nicht.

          Anleihen mit Inflationsschutz

          Ralph Frank vom Beratungsunternehmen Charlton Frank und Lukas Steyn von der Großbank Barclays machen folgende Rechnung für den britischen Markt auf, die sich aber in ihrer grundsätzlichen Aussage auch auf andere Märkte übertragen lassen dürfte: Die künftigen Auszahlungsverpflichtungen britischer Großanleger wie Versicherer und Pensionskassen sind mit rund 1,5 Billionen Pfund so groß, dass sie sich vollständig gar nicht gegen Inflation absichern lassen.

          Die im Prinzip beste Absicherung gegen Inflationsrisiken bilden Anleihen mit Inflationsschutz. Obgleich Großbritannien seit Jahren zu den wichtigsten Emittenten inflationsgeschützter Anleihen zählt, beträgt ihr Gesamtvolumen nur rund 450 Milliarden Pfund. In Deutschland ist das Angebot noch geringer: Der Bund hat seit dem Jahr 2006 drei inflationsgeschützte Anleihen mit einem Volumen von zusammen 41 Milliarden Euro begeben.

          Inflationsgeschützte Staatsanleihen

          Außerhalb von Deutschland und Großbritannien kursieren immerhin inflationsgeschützte Staatsanleihen im Volumen von rund 2 Billionen Pfund. Zu den wichtigsten Emittenten zählen die Vereinigten Staaten, Brasilien und Italien. Frank und Steyn betrachten ausländische inflationsgeschützte Anleihen aber nur als beschränkt nutzbar. Denn nicht nur mögen die Fälligkeiten der Anleihen nicht zu den Auszahlungsverpflichtungen der Großanleger passen. Es existieren auch Wechselkurs- und Bonitätsrisiken, die vor allem auf lange Sicht schwer einschätzbar seien. Im Falle inflationsgeschützter Unternehmensanleihen tritt noch ein Liquiditätsrisiko hinzu, da die Emissionsvolumina oft klein sind. Das Problem einer fehlenden „Masse“ gilt aber nicht nur für inflationsgeschützte Anleihen, sondern auch für den Markt für Inflationsabsicherung mit Swapgeschäften.

          Nach der Legende eignen sich Aktien besonders gut als Absicherung gegen Inflation, weil Inflation aus der Sicht von Unternehmen gleichbedeutend ist mit höheren Verkaufspreisen für ihre Güter und Dienstleistungen. Aber nicht nur die Untersuchung von Frank und Steyn weckt Zweifel an dieser Legende. Es liegen viele andere Studien vor, die Aktien bei historischer Betrachtung nicht generell als gute Absicherung gegen Inflation ausmachen. Aktien sind dann nach der Erfahrung am ehesten geeignet, wenn der Anleger sie schon vor Beginn der Inflationsperiode kauft und die Inflationsrate anschließend langsam und stetig zunimmt. Nachteilig wirkt sich nach der Erfahrung ein sprunghafter Anstieg der Inflationsrate aus, weil die damit bedingte Zunahme der Volatilität die generelle Attraktivität der Aktie als Anlageklasse beschädigt.

          Mit Rohstoffen sieht es nicht besser aus. „Es existiert kein Zusammenhang zwischen Rohstoffpreisen und Inflation, obwohl dies immer wieder behauptet wird“, sagt Steyn. Es ließe sich ergänzen, dass Gold historisch ein Schutz gegen Hyperinflationen gewesen sein mag, als Schutz bei moderaten Inflationsraten aber keineswegs zuverlässig taugt. Zum Abschluss ihres Vortrags zogen die britischen Experten dann auch noch die Eignung von Anlagen in Land und Infrastruktur als Inflationsschutz in Frage. Die Schwierigkeiten von Großanlegern sind aber nicht zwingend die von Privatanlegern. Inflationsgeschützte Anleihen sind vielleicht zu Unrecht in Deutschland wenig beliebt.

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