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Schlag den Meck : Die ganze Welt ist gegen mich

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Börsen brechen ein, Anleger verlieren Billionen: harte Zeiten für unser Börsenspiel. Nach 100 Tagen zieht Georg Meck Bilanz.

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          Timing ist alles, an der Börse wie im Leben. Für ein Börsenspiel gilt das erst recht. Mitte Juni hat die Sonntagszeitung ihre Leser herausgefordert: Schlag den Meck! Wer macht mehr aus seinem Geld, ich, der Redakteur, mit 20.000 echten Euro, oder das interessierte Publikum mit entsprechendem Spielgeld im faz.net-Depot? 100 Tage sind nun rum. Und was soll man sagen? Es hätte besser laufen können. Gestartet sind wir ziemlich genau am Höhepunkt von Dax und wie die Indizes alle heißen. Kurz danach sind die Kurven geknickt. Weltweit.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Börsen in Panikmodus“ überschrieben die Profis plötzlich ihre Finanzberichte, was einmal mehr beweist: Wagt sich der gewöhnlich ängstliche Kleinsparer endlich an die Börse, ist es mit dem Anstieg der Kurse bald wieder vorbei. „Dienstmädchen-Hausse“ heißt der Fachbegriff dazu, wahlweise auch: „Putzfrauenhausse“ oder „Hausfrauenrallye“. Alles nicht schön.

          Um es im Managerjargon zu formulieren: Wir bewegen uns durch herausfordernde Zeiten. Im Boom zu triumphieren, das ist Kindergeburtstag, jetzt zeigt sich der wahre Könner – journalistisch gesehen eine wertvolle Erfahrung, für das persönliche Vermögen eher desaströs: Die ganze Welt ist gegen mich! Wo man auch hinschaut, geht es bergab. Weltweit haben die Börsen das schlechteste Quartal seit Jahren hingelegt, mehr als zehn Billionen Dollar von Aktionären gingen insgesamt verloren. So gesehen sind die 1800 Euro Verlust in meinem Depot ein Klacks, nicht mal zehn Prozent des Startkapitals, folglich zu verschmerzen. Jeder hat sein Päckchen zu tragen, hat Oma immer gesagt.

          Kommende Quartalssaison verheißt wenig Gutes

          In der Schuldfrage sind sich die Experten einig: In der Weltwirtschaft ruckelt es gerade gewaltig, China schwächelt, in Amerika steht die erste Zinserhöhung seit fast einer Dekade bevor, was nicht nur die Schwellenländer nervös macht. Die mit Karacho anrauschende Quartalssaison verheißt deshalb wenig Gutes: Für Umsatz und Gewinn wird mehr Minus als Plus erwartet. Kein Wunder, dass da mancher die Nerven verliert.

          Der „Vix“ gerufene „Volatility Index“, das Maß für die Angst an den Börsen, zuckt panisch nach oben. Wer nicht unbedingt an die Börse muss, hält sich fern. Börsengänge werden gestutzt, verschoben oder ganz abgesagt. Und die Analysten wissen auch mal wieder nicht, wie’s weitergeht: „Wir bleiben neutral“, schreiben sie. „Die Unsicherheit dürfte anhalten.“ Aha. Irgendwas ist immer.

          Kleinlaut nehmen die Banker ihre himmelhoch jauchzenden Dax-Prognosen Punkt für Punkt zurück. Der Schlager „Die Dividende ist der neue Zins“, mit dem sie Festgeldsparer an die Börse getrieben haben, erklingt nur noch gedämpft: Was nützen drei Prozent Dividende als Zinsersatz, wenn gleichzeitig 30 Prozent des Vermögens flöten gehen? Dann lieber Omas Kopfkissen. Lektion eins also lautet: Vorsicht vor flotten Sprüchen!

          Der wohlfeile Rat, einfach die Augen zu schließen, die Aktien im Depot schlafen zu lassen, tröstet da nur bedingt: Frag nach bei den Aktionären von Eon oder RWE. Seien wir ehrlich, die werden ihr Geld nie mehr wiedersehen. Das Vermögen ist weg, vernichtet nicht zuletzt durch die panische Energiewende.

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