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Robo-Advisor : Michael Bloomberg investiert in Scalable Capital

Michael Bloomberg Bild: dpa

Der New Yorker Milliardär setzt über die britische Beteiligungsgesellschaft Hedosophia auf deutsche Fintechs. Unter anderem auf den Robo-Advisor Scalable Capital.

          3 Min.

          Wochenlang hat Scalable Capital, der führende digitale Vermögensverwalter Deutschlands, stillhalten müssen, doch nun ist es aufgrund eines Eintrags in das Handelsregister herausgekommen: Der bislang geheim gehaltene Investor ist die britische Beteiligungsgesellschaft Hedosophia, die Michael Bloomberg, den früheren New Yorker Bürgermeister und Gründer des gleichnamigen Finanzinformationsdienstes, zu ihren wichtigsten Geldgebern zählt.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Einen entsprechenden Bericht auf der Fintech-Plattform Finance Forward bestätigten Finanzkreise. Interessant ist das breite Engagement von Hedosophia in deutschen Finanztechnologieunternehmen. So ist der von dem 37 Jahre alten Briten Ian Osborne gegründete Fonds größter Einzelinvestor der Smartphone-Bank N26 und darüber hinaus an der Zinsplattform Raisin (Weltsparen.de) beteiligt.

          Vor wenigen Wochen berichtete die F.A.Z. über die jüngste Finanzierungsrunde von Scalable Capital über 50 Millionen Euro. Mehr als die Hälfte entfiel davon auf Hedosophia. Der digitale Vermögensverwalter, der auch als sogenannter Anlageroboter oder Robo-Advisor bezeichnet wird, wollte sich auf Anfrage dieser Zeitung nicht zu dem neuen Anteilseigner äußern. Größter Einzelinvestor von Scalable bleibt der amerikanische Vermögensverwalter Blackrock mit einem Drittel der Anteile. Ein weiteres Drittel entfällt auf Holtzbrinck, Tengelmann und Hedosophia. Das restliche Drittel halten Gründer und Mitarbeiter.

          In der jüngsten Finanzierungsrunde wurde Scalable Capital, das für 80.000 Kunden 2,2 Milliarden Euro verwaltet, mit insgesamt 400 Millionen Euro bewertet. Der Einstieg des Beteiligungsfonds Hedosophia, der lieber im Verborgenen bleibt und die Öffentlichkeit meidet, stellt für Scalable Capital sowie seinen Gründer und Geschäftsführer Erik Podzuweit so etwas wie einen Ritterschlag dar.

          Denn Hedosophia mit einem Volumen von mehr als 1 Milliarde Dollar hat sich zu einem der wichtigsten Investoren in Internetunternehmen entwickelt. Die Beteiligungsliste liest sich fast wie ein „Who’s who“ der internationalen Start-up-Szene: Das chinesische Fintech Ant Financial, das aus Alipay hervorgegangen ist, gehört dazu. Zudem ist Hedosophia an dem britischen Überweisungsdienstleister Transferwise beteiligt oder an dem amerikanischen Versicherungs-Start-up Oscar. In Deutschland zählen neben Scalable Capital, N26 und Raisin auch der Busreisenanbieter Flixbus und der Online-Getränkelieferdienst Flaschenpost dazu.

          Verschwiegenheit bevorzugt

          Zwischen Bloomberg und dem Fondsgründer Osborne gibt es seit Jahren einen engen Kontakt. Der Brite startete seine Karriere als Politikberater. Zu seinen Mandanten zählte Bloomberg in dessen Zeit als New Yorker Bürgermeister. Auch der frühere britische Premierminister David Cameron oder Microsoft-Gründer Bill Gates sollen zu Osbornes Kontakten zählen. Vor acht Jahren hat er dann den Fonds gegründet und sich seitdem ein breites Start-up-Portfolio aufgebaut. Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf dem Bereich Fintech. Hedosophia und Osborne vermeiden es, eine Beteiligung an einem Unternehmen öffentlich bekanntzugeben. Selbst eine Website mit Informationen unterhält Hedosophia nicht. Unter „hedosophia.com“ erscheint einzig die Adresse in London. Zu den Geldgebern zählen auch Pensionsfonds. Darüber hinaus soll sich an einem Hedosophia-Fonds die KfW Capital, die auf Start-ups spezialisierte Tochtergesellschaft der staatlichen Förderbank KfW, engagiert haben.

          Warum Osborne die Verschwiegenheit bevorzugt, darüber wird in der Finanzszene gerätselt. Manch einer sieht darin eine Marketingmasche, um so eine gewisse Legendenbildung zu begünstigen. Osborne scheint es zumindest nicht für nötig zu halten, auf sich aufmerksam zu machen, um damit junge Unternehmensgründer anzulocken. Er scheint der Devise zu folgen, dass gute Gründer den Weg zu Hedosophia auch so finden werden. Nicht nur in London gilt er als bestens vernetzt, seine Kontakte in Politik, Wirtschaft und Finanzen sollen sehr weit reichen.

          Bloomberg ist bei Hedosophia über seine Gesellschaft Willett Advisors, die nach eigenen Angaben sein „philanthropisches Vermögen“ verwaltet, engagiert. Sein Vermögen wird auf 60 Milliarden Dollar geschätzt. Davon hat er im Herbst eine Milliarde Dollar verbrannt, als er sich vergeblich um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten beworben hatte. Seinen Wahlkampf hat er ausschließlich selbst finanziert. Er war von 2002 bis 2013 Bürgermeister von New York, allerdings damals noch für die Republikaner. Von 1966 bis 1981 hatte er an der Wall Street als Partner von Salomon Brothers Karriere gemacht. 1982 gründete er den Finanzinformationsdienst Bloomberg.

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