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Renditeunterschiede : Auch ein ETF muss gut ausgewählt sein

Steuern und Liquidität

Einfluss haben auch die Quellensteuern auf Dividenden. Hier hängt es von der steueroptimalen Gestaltung des ETF ab. Wegen der Vermeidung von Quellensteuern gelinge es etwa ETF auf den Euro Stoxx 50 regelmäßig deutlich besser abzuschneiden als der Vergleichsindex, schreibt Fairvalue. Denn die ETFs berücksichtigen die Wiederanlage der Dividenden nach Steuerabzug. Dabei wird von den Indexanbietern die Zahlung des Höchstsatzes unterstellt. Da die Fondsgesellschaften in der Praxis aber diesen oft reduzieren können, wird dieser eigentlich zu hoch angesetzt.

Ein weiterer Faktor ist der sogenannte „Cashdrag“. Bei Umschichtungen kann der ETF zeitweilig mehr Geld halten. Je nach Zinssituation beeinflusst dies die Wertentwicklung – bei steigenden Kursen tendenziell negativ, bei fallenden positiv.

Nur langfristige Betrachtungen sind sinnvoll

Fairvalue hat nun auch berechnet, mit Hilfe welcher Kennziffern sich am ehesten prognostizieren lässt, welcher ETF besser abschneiden kann als ein anderer. Naheliegend ist es dabei, die sogenannte Tracking-Difference zu betrachten, also einfach den Unterschied zwischen der Wertentwicklung des ETF und des Index.

Diese reiche aber als Indikator nicht aus. Fairvalue hat 42 ETF auf acht verschiedene Indizes daraufhin analysiert, ob sich damit die künftige Wertentwicklung prognostizieren lässt. Das Ergebnis: Wenigstens über vier bis fünf Jahre müssen Daten vorliegen, um überhaupt einen aussagekräftigen Vergleich vornehmen zu können.

Nur langfristige Betrachtungen sind sinnvoll

Das kann zum einen nicht überraschen, da alle Ausprägungen statistischer Daten umso eher zufällig sind, je geringer der Beobachtungszeitraum ist. Zum anderen verändern sich die oben beschriebenen Faktoren laufend, die zusätzlichen Einfluss auf die ETF-Rendite haben. Dadurch fällt die kurzfristige Abweichung vom Index einmal größer und einmal kleiner aus. Konstant sind nur die Gebühren.

Über einen längeren Zeitraum aber lagen in der Fairvalue-Untersuchung die ETFs mit der niedrigsten Tracking-Difference auch in den folgenden vier Jahren in sechs von acht Fällen auf einem der beiden ersten Plätze.

In der Fondsanalyse weiter verbreitet als die Tracking-Difference ist der sogenannte Tracking-Error. Dieser gibt an, wie stark die Tracking-Difference durchschnittlich um den Mittelwert schwankt. Je kleiner der Tracking-Error ist, desto stetiger ist die Leistung eines ETF. Doch das bedeutete nicht, dass auch das Endergebnis das beste ist. In der eher stichprobenartigen Fairvalue-Untersuchung, habe sich kein stabiler Zusammenhang zur zukünftigen Wertentwicklung ergeben. Auch die Erklärungskraft des Tracking-Error habe bei weniger als 20 Prozent der künftigen Rendite gelegen. ETFs mit den kleinsten Tracking-Errors über fünf Jahre kamen im Durchschnitt über das Mittelfeld nicht hinaus.

Renditen der Vergangenheit sagen viel über die Zukunft

Eines der verblüffendsten Ergebnisse dieser Untersuchung ist auf den ersten Blick, dass der Satz, den Fondsgesellschaften allen Informationen über ihre Fonds stets hinzufügen, nämlich dass die vergangene Rendite kein Indikator für die künftige Wertentwicklung sei, auf ETFs offenbar nicht zutrifft. Doch auch das hat einen Grund: ETFs zielen ausschließlich auf Marktrenditen, auch Beta genannt: Aktiv gemanagte Fonds tun dies aber in der Regel genau nicht. Sie wollen Alpha erwirtschaften, das hießt die Marktrendite übertreffen. Damit weichen sie in ihrer taktischen und operativen Ausrichtung laufend vom Markt ab, während ETFs diesem stur folgen.

Die Tracking-Difference könnte also ein brauchbarer Indikator sein, um den optimalen ETF zu identifizieren. Darüber sollten Anleger allerdings andere Faktoren nicht übersehen.

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