https://www.faz.net/-hbv-9lbhu

Regeln gegen Zyklizität : Fonds gegen den „Todeskuss“

Die Aktie des niederländischen Einzelhandelskonzerns Ahold gehört aktuell zu den bevorzugten Aktien von Optinova. Bild: Reuters

Auch Fondsmanager sind vor spontane Entscheidungen nicht gefeit. Nicht immer sind diese gut. Die Boutique Optinova setzt auf klare Regeln und eine ruhige Hand.

          Norbert Völler, Vorstand der Fondsboutique Optinova, sind im Laufe seiner beruflichen Tätigkeit viele Fonds und ihre Manager begegnet. Dabei setzte sich in ihm eine Erkenntnis fest: Die meisten Fonds haben Zyklen, weil sie zu subjektiv gemanagt werden. Empirische Studien bestätigten seine Ansicht. „Bei einem frisch mit fünf Sternen ausgezeichneten Fonds ist einer Studie von Matthew Morey von der Pace University New York zufolge die Wahrscheinlichkeit groß, dass er danach schlechter läuft.“ Morey bezeichnet eine solche Auszeichnung daher provokativ als „Todeskuss“.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Völler zog daraus seine Schlüsse: Man sollte in der Fondsverwaltung sehr langfristig mit sauberen Ansätzen agieren, die wenig Platz für subjektive (Moment-)Einschätzungen bieten. Für die drei Fonds, die er mit Co-Vorstand Armin Sabeur managt, heißt das nicht nur, dass es ein festes Regelwerk gibt.

          Es heißt auch, dass Veränderungen nur zu festen Terminen vorgenommen werden. Dann trennt man sich von den Titeln, die am höchsten bewertet sind. Insgesamt ist die Absicht, auf diese Weise an der seit 150 Jahren währenden langfristigen Aufwärtstendenz der Aktienmärkte zu partizipieren. „Dellen in der Entwicklung der Kurse sind sehr schwer auszunutzen“, sagt Sabeur. „Wenn es dann mal abwärtsgeht, muss man die Kaufpositionen reduzieren.“ Das bedeutet, dass auch Optinova nicht immer auf der Käuferseite zu finden ist.

          Optinova Glob Value Equities

          -- -- (--)
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Wichtig sei, auf den langfristigen Trend zu vertrauen und nicht nervös zu werden, dann liege der Gewinn im Einkauf. Das sei gar nicht so leicht, denn Langfristigkeit widerspreche der menschlichen Natur. Für den langen Weg brauche es, unterbewertete, solide Aktien zu finden. Bei der Auswahl legt Optinova klassische Kriterien an, unter anderem etwa eine ausreichend hohe Eigenkapitalquote von 40 Prozent für den internationalen Aktienfonds des Hauses. Auch Dividenden sollten die Unternehmen ausschütten, und zwar nicht erst seit neuestem.

          Mit weiteren fundamentalen Kennziffern wird ausgesiebt und am Ende Branchen und Regionen bei 20 Prozent gedeckelt. „Wir verzichten dabei zwar darauf, Sonderkonjunkturen mitzunehmen, aber wir vermeiden auf diese Weise Klumpenrisiken“, erklärt Sabeur. Am Ende steht ein Portfolio aus stets nur 30 bis 33 Aktien, zwei Drittel davon in der Regel kleine und mittlere Unternehmen. Umgeschichtet wird viermal im Jahr.

          Mit diesem Aktienfonds habe man eine gute Rendite bei geringer Volatilität erwirtschaftet. In der Kategorie der global in Substanzwerte anlegenden Aktienfonds bringt es der Fonds mit einer durchschnittlichen jährlichen Rendite über die vergangenen fünf Jahre von rund 4 Prozent beim Datenanbieter Morningstar zwar nur auf einen der hinteren Plätze, weist dabei aber eine der niedrigsten Volatilitäten auf. Folgt man Völlers Logik, ist es aber gar nicht gewollt, über einen solchen Zeitraum ganz oben mitzumischen. Denn das vertrüge sich nicht mit der sehr langfristigen Orientierung. Seit Auflage im November 2012 bringt es der Fonds immerhin auf deutlich mehr als 6 Prozent jährliche Rendite.

          Der Rohstofffonds von Optinova hat es seit Auflage Ende 2012 insgesamt nur auf ein Plus von 10 Prozent gebracht. Das liegt aber nicht zuletzt auch daran, dass der Fonds aktuell nur zu rund 60 Prozent investiert ist. Im besten Fall sollte dieser zu 45 Prozent Rohstoffaktien und zu 55 Prozent börsengehandelte Rohstoffprodukte (ETCs) halten. Doch der Trend am Rohstoffmarkt sei derzeit eben negativ. So hält sich Optinova derzeit zurück, am Fonds aber fest: „Die Erzeugung und Verarbeitung von Rohstoffen ist das Rückgrat der Wirtschaft“, sagt Sabeur. „Sie werden wieder kommen, auch wenn die Erholung einmal etwas länger dauern kann.“

          Optinova Opportunities

          -- -- (--)
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Tatsächlich ist der Fonds im Vergleich zur Konkurrenz in den vergangenen fünf Jahren sogar sehr erfolgreich gewesen und bringt es bei Morningstar immerhin auf Platz zwei unter 200 Fonds. Optinova legt dabei Wert auf eine breite Streuung. Keine Aktie im Rohstofffonds soll mehr als ein Prozent des Portfolios ausmachen. Für die Auswahl gelten analog die gleichen Kriterien wie für den internationalen Aktienfonds, mit angepassten Schwellenwerten. Für die ETCs ist die Kursdynamik ausschlaggebend. Umgeschichtet wird sogar nur zweimal im Jahr.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Liveblog zu von-der-Leyen-Wahl : Showdown in Straßburg

          Ursula von der Leyen hält Bewerbungsrede vor EU-Parlament +++ Am Abend stellt sich CDU-Politikerin zur Wahl +++ Mindestens 374 von 747 Stimmen nötig +++ Verfolgen Sie alle Entwicklungen im Liveblog.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.