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Barzahlen oder abstottern? : Warum Ratenzahlungen oft ein teurer Fehler sind

Sollte man die Bahncard auf Raten kaufen? Und was ist mit der teuren Waschmaschine – lohnen sich solche Deals? Bild: dpa

Wer seine Bahncard oder eine neue Kamera nicht sofort bezahlen kann, sollte sich die monatlichen Ratenzahlungen ganz genau anschauen. Oft sind sie spektakulär überteuert.

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          Es kommt nicht oft vor, dass ich sprachlos bin, doch in der letzten Woche ist es mal wieder passiert. Ich liebe die Eisenbahn und wollte wissen, wie viel zur Zeit die Bahncard 100 kostet, mit der Sie ein Jahr lang in der ersten Klasse „umsonst“ durch Deutschland fahren können. Es sind 6812 Euro, falls Sie die Karte auf einen Schlag bezahlen, oder 7584 Euro, wenn Sie den Preis in monatlichen Raten von 632 Euro entrichten. Die Differenz beträgt 772 Euro, so dass die Einmalzahlung um 7,72 Prozent billiger als die Ratenzahlung ist. Genauso ist die Aussage erlaubt, die Ratenzahlung sei im Vergleich zur Einmalzahlung um 11,33 Prozent teurer. Wichtig ist in meinen Augen nur die Erkenntnis, dass beide Aussagen fragwürdig sind, weil die Kosten der Teilzahlung bei stolzen 24,02528 Prozent pro Jahr liegen. Den Beweis finden Sie in der heutigen Tabelle.

          Volker Looman
          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Die Teilzahlung der Bahncard ist, darüber besteht hoffentlich Einigkeit, ein Kleinkredit mit einer Laufzeit von zwölf Monaten. Falls Sie die Karte zum Beispiel am Ende dieses Monats kaufen und die Ratenzahlung wählen, dann verschulden Sie sich am 30. März 2021 mit exakt 6812 Euro. Die erste Rate ist, das ist kein Aprilscherz, gleich am nächsten Tag fällig und besteht, wie das bei Annuitätendarlehen üblich ist, aus Zins und Tilgung. Der Zins für einen Tag beträgt 4,55 Euro, weil die 6812 Euro mit 24,02528 Prozent multipliziert und durch 360 Tage dividiert werden. Dadurch liegt die Tilgung bei 627,45 Euro und senkt die Schuld auf 6184,55 Euro. Das ist doch einfach, klar und nachvollziehbar – nicht wahr?

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