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BCG-Analyse : Niemals gab es mehr Privatvermögen auf der ganzen Welt

Ein Lieblingsgetränk vieler Reicher: prickelnder Champagner, eisgekühlt. Bild: dpa

Trotz aller Krisen ist das Vermögen der Reichen im vergangenen Jahr so stark gewachsen wie seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr. Auch die Deutschen werden immer reicher – vor allem durch Immobilien.

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          Viele Menschen werden reicher, damit wächst auch die Kluft zwischen Arm und Reich. Denn allen internationalen Krisen zum Trotz stieg das Privatvermögen auf der Welt im vergangenen Jahr netto, also ohne Schulden, auf ein Rekordhoch von 473 Billionen Dollar (442 Billionen Euro). Zugleich war das jährliche Wachstum überdurchschnittlich und fiel mit plus 10,3 Prozent so kräftig aus wie seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr. Dies ergibt eine Analyse der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group (BCG).

          Kerstin Papon
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Grund für das starke Wachstum seien vor allem steigende Aktienkurse, befeuert von guten Unternehmensergebnissen, gewesen, sagt Anna Zakrzewski, Partnerin von BCG und verantwortlich für Vermögensverwaltung auf der Welt. Doch auch Sachwerte seien bei Privaten sehr beliebt, das Interesse von Investoren an Immobilien, Wein, Kunst und anderen physischen Anlagen werde immer größer. Mit einem Plus von 10,6 Prozent wuchs das Finanzvermögen in privater Hand besonders deutlich. Neu geschaffen wurden damit mehr als 26 Billionen Dollar. Das reale Vermögen, bestehend aus privaten Sachwerten, nahm auf der Welt um 9,4 Prozent oder 22 Billionen Dollar zu. Zum Finanzvermögen zählen etwa Bargeld, Kontoguthaben, Schuldverschreibungen, Anteilsrechte an Unternehmen, Fonds, Lebensversicherungen oder Pensionen.

          Ende der Schweizer Dominanz?

          Die Autoren des „Global Wealth Report 2022“ von BCG erwarten zudem, dass in den kommenden fünf Jahren insgesamt vermutlich rund 80 Billionen Dollar an neuem Reichtum geschaffen würden. Dies sollte trotz geopolitischer und wirtschaftlicher Destabilisatoren geschehen, wie Inflation, getrieben von Lieferengpässen, höherer Nachfrage und expansiver Geldpolitik, oder Russlands Invasion in die Ukraine mit stark gestiegenen Rohstoffpreisen, versiegten Energiequellen und gekappten Frachtverbindungen. In Deutschland betrug die Inflationsrate im Mai zuletzt 7,9 Prozent.

          In einem bemerkenswerten Branchenwandel werde dabei Hongkong im Jahr 2023 die Schweiz als das Land auf der Welt überholen, das den größten Teil des privaten grenzüberschreitenden Vermögens verwalte, heißt es in der Analyse. Damit würde eine lange Tradition von mehr als 200 Jahren Schweizer Dominanz beendet werden. Der Bericht prognostiziert zudem, dass zwar die Vermögensanlagen in allen Regionen der Welt weiter an Wert gewinnen dürften, der asiatisch-pazifische Raum aber die schnellsten Wachstumsraten beibehalten sollte. Bis 2026 könnte die Region so fast ein Viertel des Wohlstands der Welt beherbergen.

          Auch in Deutschland werden viele Menschen reicher. Das Privatvermögen stieg hierzulande im internationalen Durchschnitt um 10,3 Prozent auf netto 20,2 Billionen Dollar. Das private Sachvermögen wuchs um 11 Prozent auf brutto 13 Billionen Dollar, das Finanzvermögen stieg um 8 Prozent auf mehr als 9 Billionen Dollar. Traditionell investierten die Deutschen lieber in Immobilien als in Wertpapiere, dies zeige die Sachwertquote von mehr als 65 Prozent deutlich, sagt Zakrzewski. Deutschland liegt gemessen am Finanzvermögen unter den reichsten Ländern der Welt auf Platz fünf. Spitzenreiter bleiben die Vereinigten Staaten mit fast 120 Billionen Dollar, gefolgt von China (30,9), Japan (18) und Großbritannien (10,2).

          Rund 15 Prozent des auf der ganzen Welt investierbaren Finanzvermögens wird von rund 69 000 Superreichen („Ultra-High-Net-Worth Individuals“, mehr als 100 Millionen Dollar) gehalten. Mit 25 800 leben die meisten in den Vereinigten Staaten, gefolgt von China mit 8500 und 3100 in Deutschland.

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