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Fünf Jahre Niedrigzinsen : Private Sparer verlieren 190 Milliarden Euro

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Der nachgestellte Blick auf Sparschwein und Sparbuch zeigt das Problem der Niedrigzinsen für Sparer. Hier gibt es nur noch kleines Geld. Bild: dpa

Die Zinsen sind so gering wie nie zuvor. Für private Sparer bedeutet das beträchtliche Verluste. Der Staat kann dadurch allerdings eine Menge einsparen.

          Die Null-Zinspolitik der Europäischen Zentralbank kostet deutsche Privathaushalte nach einer Studie Milliarden. Der deutsche Staat kann sich hingegen über kräftige Einsparungen freuen. Nach einer am Donnerstag veröffentlichten Analyse des genossenschaftlichen Zentralinstituts DZ Bank sind deutschen Sparern in den vergangenen fünf Jahren Zinseinkünfte in Höhe von 190 Milliarden Euro entgangen.

          Die Studie untersucht, wie sich die niedrigen Zinsen seit dem Jahr 2010 finanziell auf die privaten Haushalte ausgewirkt haben. Sie vergleicht dazu das tatsächliche Zinsniveau mit dem langjährigen Durchschnittszins ohne außergewöhnliche Inflationsereignisse und größere Krisen. Dieses „Normalzinsniveau“ legt die Untersuchung bei 4,2 Prozent fest, dem Durchschnittszinsniveau in der Phase zwischen 1998 und Mitte 2009. Würde man also ein geringeres Normalzinsniveau zugrunde legen, ergebe sich auch ein niedrigerer Vermögensverlust durch die fehlenden Zinseinkünfte.

          Doch wie die Studie konstatiert, haben die geringen Zinsen für die Bundesbürger auch Vorteile. So profitieren etwa die Schuldner: Sie sparen 78 Milliarden Euro, weil sie für Kredite weniger Zinsen zahlen müssen. Trotz dessen liegen die Zinsverluste deutlich höher als die Gewinne durch geringere Kreditzinsen, und so bleibt für die Bürger unter dem Strich ein deutlicher Verlust. Staat und Unternehmen profitieren hingegen, weil sie höhere Schulden haben.

          Zudem sind unter anderem befeuert durch die Niedrigzinspolitik die Aktienkurse kräftig gestiegen, vor allem weil Anlagealternativen fehlen. Dies kann zu Preisblasen auf den Aktien- und Immobilienmärkten führen. Allerdings sind deutsche Anleger vorsichtig, wie DZ-Bank-Chefvolkswirt Stefan Bielmeier betont: „Lediglich rund 10 Prozent des gesamten privaten Geldvermögens besteht hierzulande aus Aktien.“ Ein Grund ist, dass die Deutschen, die sowieso noch nie das große Volk der Aktienbesitzer waren, in Folge der Finanzkrise ihr Geld noch risikoärmer anlegen wollen, auch wenn das kaum Zinsen bringt. So gewinnen die Bürger hierzulande durch Vermögenszuwächse an den Aktienmärkten nur unterproportional.

          Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) hat unterdessen ausgerechnet, dass der deutsche Finanzminister bis ins Jahr 2030 auf Zinseinsparungen von 160 Milliarden Euro zählen kann. Dies ist ebenfalls eine Folge der mageren Zinsen, die dem Bund niedrigere Kosten bescheren. Zum Teil verdient der Staat sogar Geld mit der Schuldenaufnahme, weil Anleger mittlerweile bereit sind, eine Gebühr in Form von Negativzinsen zu zahlen.

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