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Anlegen in Pflegeimmobilien : Vorsicht vor Seniorenheimen

  • -Aktualisiert am

Im Eingangsbereich des privaten Frankfurter Altenheims Villa Kursana Bild: Hannes Jung

In einer alternden Gesellschaft sind Seniorenresidenzen eine prima Geldanlage, könnte man meinen. Ist aber nicht so.

          Manfred Klein hat sich ein neues Sofa gekauft. Cremefarbenes Leder, davon träumte er schon lange. Ansonsten sieht sein neues Zuhause fast genau aus wie sein altes: Die Schrankwand ist noch da, die bestickten Kissen auch, und an der Wand hängen die alten Fotos wie früher. Dass die Wohnung 20 Quadratmeter kleiner ist als seine alte, merkt man kaum. Nur wenn Manfred Klein ins Badezimmer geht, weiß er, dass er in seinem neuen Leben angekommen ist: Die Badewanne fehlt, und überall hängen Griffe, an denen er sich hochziehen kann, wenn er mal wackliger wird. Manfred Klein, der lieber nicht mit seinem echten Namen in der Zeitung stehen möchte, ist 85 Jahre alt und wohnt seit einem Jahr in einer Seniorenresidenz. Er hat seine Großstadtwohnung verkauft und sich in einer Kurstadt ein Zweizimmerapartment zugelegt.

          Wenn man ihn besucht, fragt man sich auf dem Weg zwischen Rezeption und Wohnungstür schon, ob man sich nun wie in einem Großhotel fühlt oder nicht doch ein bisschen wie im Krankenhaus. „So gemütlich wie in unserem Mehrfamilienhaus ist es natürlich nicht“, entschuldigt sich Manfred Klein, „aber dafür bin ich gut versorgt.“ Er kann in seiner kleinen Küche selbst kochen oder zum Essen in den Speisesaal gehen. Es gibt Musik- und Vortragsabende. Und wenn er später doch einmal Hilfe braucht, kann er für ein paar Stunden am Tag einen Betreuer dazubuchen oder sogar eine Vollzeitpflege. Das findet er praktisch, deshalb hat er sich hier eingekauft. Viele andere sehen das genauso wie er.

          Deshalb boomt der Markt für Pflegeimmobilien. Ein Apartment wie das von Manfred Klein kostet rund 150.000 Euro. Dafür bekommt man oft 50 Quadratmeter in einer Seniorenwohnanlage, außerdem die Zusage, dass man selbst einziehen kann, wenn es so weit ist - und bis dahin fünf bis sieben Prozent Rendite pro Jahr, so versprechen die Anbieter. Das klingt für viele Privatanleger nach einem guten Geschäft. Und inzwischen sind es nicht mehr nur Über-Sechzigjährige mit Vorsorgegedanken, die sich solche Wohnungen zulegen, sondern zunehmend Jüngere, die nach guten Anlagemöglichkeiten fahnden. Viele von ihnen stolpern in Immobilienportalen über solche Apartments.

          Meist liegen die Kaufpreise zwischen 120.000 und 200.000 Euro, bei rund 3000 Euro pro Quadratmeter. Damit erscheinen sie eigentlich viel zu günstig für Ballungsräume. Aber sie unterliegen einigen Einschränkungen im Vergleich zum klassischen Kauf einer Immobilie. Die Verkäufer werben mit „mindestens fünf Prozent Mietzins und regelmäßigen Mieteinnahmen“ durch den „garantierten Mietvertrag für 25 Jahre“. Sie versprechen: „Der Betreiber kümmert sich um alles.“ Man hat also als Käufer überhaupt keinen Aufwand damit, dass das Apartment dauerhaft belegt ist. Das alles regeln die Heimbetreiber.

          Immer mehr Pflegebedürftige brauchen Heimplatz

          Genügend Mieter für solche Plätze müssten sich ja finden lassen, da spielt die Demographie den Anlegern in die Hände: Die Bevölkerung wird immer älter. Heute sind fünf Prozent der Bundesbürger mehr als 80 Jahre alt, aber 2050 werden es dreimal so viele sein, schätzt das Statistische Bundesamt. Zwar verlängert sich auch der Zeitraum der gesunden Jahre, doch mit der Zahl an Hochbetagten steigt seit Jahren auch die Zahl der Pflegebedürftigen. Derzeit sind es 2,5 Millionen Bundesbürger, bis 2020 wird die Zahl wohl auf 2,9 Millionen zunehmen. 2030 könnten es bereits 3,5 Millionen sein. Die allermeisten werden zwar zu Hause gepflegt, aber knapp 30 Prozent leben in Heimen.

          Bereits jetzt gibt es viel zu wenige Plätze, obwohl Kommunen, gemeinnützige und vor allem private Betreiber kräftig Senioren- und Pflegeheime bauen. Knapp 13.000 solcher Einrichtungen existieren in der Republik. „Doch während es in manchen Regionen einen Angebotsüberhang gibt, wie in Nordrhein-Westfalen, sind Bayern und Mecklenburg-Vorpommern unterversorgt. Dort gibt es lange Wartelisten“, sagt Jens Nagel, Geschäftsführer des Pflegeheiminvestors Hemsö. Schätzungen sagen, dass bis 2030 zwischen 130.000 und 350.000 Pflegeplätze fehlen werden. Der Nachfragedruck ist also da, demnach müssten Pflegeimmobilien ein lukratives Investment sein.

          Genau das ist das Argument, mit dem die Apartment-Anbieter Hunderte von Wohnungen auf den Markt bringen. Analysten sagen, sie gingen weg wie die sprichwörtlichen Semmeln. Rund 834 Millionen Euro gaben Käufer im vergangenen Jahr für solche Immobilien aus, ermittelte die Immobilienagentur CBRE. Doch sind Pflegeimmobilien wirklich ein gutes Geschäft?

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