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Gläubigerversammlung P&R : Wut der Container-Anleger richtet sich gegen Aufsicht

Demonstranten vor der Olympiahalle Bild: dpa

Auf der ersten Gläubigerversammlung des Betreibers P&R steht die Bafin in der Kritik. Bis zu ersten Rückzahlungen müssen sich viele gedulden.

          Möglicherweise haben schon einige Anleger des zusammengebrochenen Schiffscontainervermieters P&R ihre Hoffnung begraben. Denn zur ersten Gläubigerversammlung in der Münchner Olympiahalle hatten sich am Mittwoch nur 2500 statt der 4000 angemeldeten Anleger eingefunden. Insolvenzverwalter Michael Jaffé konnte ihnen wenig Hoffnung auf eine baldige Rückzahlung machen. Eine erste Abschlagszahlung hält er erst im Jahr 2020 für möglich. Ohnehin dürfte angesichts des Fehlbestands von einer Million Containern nur ein geringere Anteil an die insgesamt 54000 Anleger zurückfließen.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Sie hatten der im Münchner Nobelvorort Grünwald sitzenden P&R insgesamt 3,5 Milliarden Euro anvertraut. Inzwischen sitzt der Gründer Heinz Roth in Untersuchungshaft. Wie aus einem noch heute im Internet abrufbaren Anlageprospekt hervorgeht, war für ihn im Zeitraum 2017 bis 2022 eine Gewinnbeteiligung von 32,5 Millionen Euro vorgesehen. Auch diesen Prospekt hatte die Finanzaufsicht Bafin geprüft, ohne dabei Hinweise auf eine bevorstehende Insolvenz oder den hohen Fehlbestand zwischen verkauften und vorhandenen Containern festzustellen. Wie Jaffé den Gläubigern auf der nichtöffentlichen Versammlung berichtete, gab es die Differenz seit dem Jahr 2007. Diese Fehlbestand habe sich kontinuierlich auf schließlich eine Million aufgebaut.

          Schon 2010 pleite

          Zwangsläufige Folge war nach seinen Worten, dass die laufenden Erlöse der Containerflotte nicht mehr ausreichten, um die Mietansprüche der Anleger zu bedienen. Nach Ansicht von Jaffé hätte der Insolvenzantrag schon im Jahr 2010 gestellt werden müssen. Teilnehmer der Gläubigerversammlung berichteten von zum Teil fassungslosen Gesichtern der Gläubiger während der Ausführungen des Insolvenzverwalters. Stattdessen finanzierte P&R die fälligen Auszahlungen an alte Anleger durch die Gelder neuer Anleger. Das entspricht einem klassischen Schneeballsystem.

          Nach Angaben von Jaffé stellen die aktuell noch 629.832 vorhandenen Container einen hohen Vermögenswert dar, auch wenn eine seriöse Bewertung der Flotte derzeit nicht möglich sei. Für die Weitervermietung ist die noch tätige Schweizer P&R-Gesellschaft zuständig. Deren erzielbare Einnahmen können nach Jaffés Schätzung bis Ende 2021 rund 560 Millionen Euro erreichen. Ansprüche aus Schadensersatz will er gegen die Verantwortlichen von P&R zwar durchsetzen, doch ist daraus kein nennenswerter Zufluss zu erwarten. Jaffé setzt auf ein mehrstufiges Verwertungskonzept aus Weitervermietung und Verkauf der Container. „Wenn wir wie geplant bei unserem mehrstufigen koordinierten Verwertungskonzept vorankommen, erscheint eine erste Zahlung an die Gläubiger im Jahr 2020 möglich.“

          Die erste Gläubigerversammlung in der Münchner Olympiahalle – weitere werden an diesem Donnerstag folgen – nutzte die vom Grünen-Bundestagsabgeordneten Gerhard Schick gegründete „Bürgerbewegung Finanzwende“, um die geschädigten Anleger zu Protestschreiben an die Bafin aufzufordern. „Dass nach den Pleiten von Prokon, S&K, Infinus und wie sie alle heißen nun ein Finanzdienstleister dieser Größe wegen offenbar krimineller Machenschaften das Geld seiner Gläubiger vernichtet hat, ist unfassbar. Deshalb fordern wir die Bafin auf, endlich aufzuwachen und ihre Aufgaben zu erledigen“, ließ sich Schick zitieren.

          Seine Bürgerbewegung vertrat auf der Gläubigerversammlung Stefan Loipfinger, Gründungsmitglied von Finanzwende sowie Betreiber der Internetseite Investmentcheck.de. Seiner Ansicht nach wusste die Bafin bestens Bescheid und hat nichts getan. „Jetzt sollte Bafin-Präsident Felix Hufeld endlich Betrügern den Kampf ansagen und den Verbraucherschutz bis in das letzte Referat der Behörde als ernstgemeinten Auftrag vermitteln.“

          Auf der Gläubigerversammlung habe die Kritik an der Finanzaufsicht viel Zuspruch gefunden, berichteten Teilnehmer. „Die P&R-Anleger sind auf die Bafin zu Recht wütend“, sagte Wolfgang Schirp. Der Berliner Anwalt hat in der vergangenen Woche eine erste Klage gegen die Bafin eingereicht, weitere sollen folgen. Die Anleger seien betrogen worden, und der Aufsicht sei nichts aufgefallen. Schirp rechnet auch im Vergleich mit der Magellan-Insolvenz mit einer Quote unterhalb von 25 Prozent, und das auch erst nach mehreren Jahren Verfahrensdauer. Auch Magellan hatte Schiffscontainer vermietet und war 2016 in die Insolvenz gegangen. Hier erhielten die Investoren die Hälfte ihrer Gelder zurück. Allerdings hatte es bei Magellan keinen Fehlbestand an verkauften und vorhandenen Containern gegeben.

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