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Nur die Ruhe : Warum sich Anleger in schweren Zeiten zurücklehnen sollten

Doch nicht nur die eigene Psyche veranlasst Anleger zu ungünstigem Verhalten, auch äußere Anreize spielen eine Rolle. Steuerliche Gründe etwa verleiten häufig dazu, das Portfolio kurz vor Jahresschluss noch einmal zu verändern. Eine Studie des Wissenschaftlers Terrance Odean von der amerikanischen Universität Berkeley hat aber ergeben: Wer bei all den psychologisch verursachten Verzerrungen der Risiko- und Selbstwahrnehmung auch noch versucht, steueroptimiert anzulegen, erzielt erst recht schlechtere Ergebnisse, als wenn er seinen gesamten Aktionismus einfach bleiben ließe. Gar nichts zu machen und einfach abzuwarten wäre in vielen Fällen die bessere Alternative.

Sich der Fallstricke bewusst werden

Ist es möglich, ein perfekter Investor zu werden, der nicht in all diese psychologischen Fallen tappt? „Nein“, sagt der Kanadier Hersh Shefrin von der Universität Santa Clara im kalifornischen Silicon Valley, der seit Jahren das Verhalten der Anleger erforscht. Aber man könne versuchen, seine Emotionen zu dämpfen oder sich dabei helfen lassen. Das ist allerdings nicht ganz einfach, denn der Mensch ist darauf trainiert, sich bei vielen Entscheidungen auf bestimmte Impulse zu verlassen.

Es könne darum hilfreich sein, sich ein paar Regeln für die eigene Geldanlage aufzuschreiben, meint Finanzforscher Shefrin. Am besten solche Regeln, die einen schlicht daran erinnern, ein wenig mehr Geduld aufzubringen, oder die einem zumindest jene Fallstricke, die einem die menschliche Psyche immer wieder spannt, bewusst machen. Entscheidend sei aber, dass der Anleger diese Regeln hin und wieder auch lese.

Schon die berühmteste Börsenregel des legendären Spekulanten André Kostolany zielte darauf ab, dass Geduld und Ausdauer sich auszahlen. Sie lautet: Wer reich werden will, soll in Aktien investieren, darauf eine Schlaftablette nehmen und frühestens nach zehn Jahren wieder nachsehen, was aus seinem Investment geworden ist. Wer schläft, so die Botschaft, kann sich nicht zu Aktionismus hinreißen lassen.

Wer abwartet, gewinnt

Kostolanys Satz klingt abgedroschen, aber für seine Gültigkeit gibt es harte statistische Beweise. Langfristiges Geldanlegen hat sich zumindest in der Vergangenheit so gut wie immer gelohnt. Bei einem Anlagehorizont von mehr als zehn Jahren spielt sogar der Zeitpunkt des Einstiegs in den Aktienmarkt fast keine Rolle mehr. Das zeigt ein Blick auf die Wertenwicklung des wichtigsten deutschen Aktienindex, des Dax. Wer fünf Jahre Geduld aufbrachte, konnte aktuell eine durchschnittliche jährliche Rendite von 13 Prozent erzielen. Die Wahrscheinlichkeit für einen Gewinn betrug innerhalb eines beliebigen Zeitraumes von fünf Jahren beeindruckende 86 Prozent.

Blickt man nun auf einen beliebigen Zeitraum von zehn Jahren, so betrug die Wahrscheinlichkeit 97 Prozent. Und sobald der Zeitraum 15 Jahre oder mehr umfasste, haben Anleger mit dem Dax bislang stets ein positives Ergebnis erzielt. Dies zeigt ein weiteres Mal: Es ist viel wichtiger, dabeizubleiben, als nach dem richtigen Moment des Ein- oder Ausstiegs zu suchen. Selbst bei Profi-Anlegern macht das richtige Timing laut Studien allerhöchstens 15 Prozent des Anlageerfolges aus.

Anders gesagt: Der ganze Stress, den wir uns mit der Geldanlage machen, ist überhaupt nicht nötig. Mit bloßem Abwarten kann viel gewonnen werden.

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