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Nils Brinkhoff im Gespräch : „Die Umstellung auf Sepa betrifft jeden“

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Bei der Umstellung auf Sepa müssen Privatkunden erst einmal gar nichts tun Bild: dpa

In drei Monaten wird in Europa der einheitliche Zahlungsverkehr Sepa eingeführt. Für Unternehmen bedeutet das einen hohen Aufwand. Aber auch Privatleute müssen sich umstellen.

          Herr Brinkhoff, wen betrifft der neue geschaffene einheitliche Zahlungsverkehrsraum Sepa?

          Die Umstellung auf Sepa betrifft jeden, der ein Konto bei einer Bank hat – sei es ein Privatkunde, eine Behörde, ein Unternehmen oder ein Verein.

          Muss ich mein Konto selbst umstellen?

          Privatkunden müssen anders als Geschäftskunden – für sie ist der 1. Februar 2014 entscheidend – erst einmal gar nichts tun. Denn die Banken nehmen ihre Aufträge noch bis zum 1. Februar 2016 mit der alten Kontonummer und der alten Bankleitzahl an und wandeln sie entsprechend um. Bis dahin sind auch noch Scheck- und Kreditkartenzahlungen im alten Format erlaubt.

          Was kostet mich die Umstellung?

          Für Privatkunden entstehen durch die Umstellung keine zusätzlichen Kosten. Sepa läuft schon, ohne das es bislang viele gemerkt haben. Ein Beispiel sind die 5,3 Millionen Rentenüberweisungen für die Kunden der Volksbanken Raiffeisenbanken – sie werden schon seit zwei Jahren in dem neuen Format ausgeführt.

          Ist das neue Verfahren sicherer?

          Ja. Sepa schafft mehr Sicherheit, insbesondere bei den Einzugsermächtigungen. Denn aufgrund der neuen Gläubiger-Identifikationsnummern (Gläubiger ID) lässt sich der Zahlungsempfänger jetzt eindeutig zuordnen. Sie wird in Deutschland nur von der Deutschen Bundesbank ausgegeben. Bislang konnte eine Einzugsermächtigung jederzeit ohne wirkliche Kontrolle des Lastschriftnutzers zum Beispiel von Internet-Unternehmen erstellt werden.

          Wie erfahre ich meine neue 22-stellige Kontonummer?

          Von Ihrem Kreditinstitut. Die eigene Kontonummer (Iban) und die neue Bankleitzahl (BIC) sind schon seit längerem auf verschiedenen Bankanwendungen wie Kontoauszügen ausgewiesen. Bei den Genossenschaftsbanken ist dies seit dem Jahr 2007 der Fall. Die neue Kontonummer befindet sich auf der Rückseite der Bankkarte. Allerdings müssen in Deutschland laut der Bundesbank noch fast die Hälfte aller Karten bis zum kommenden Februar ausgetauscht werden. Beim Onlinebanking werden Iban und BIC häufig unter den Kontoinformationen aufgeführt. Die Kontonummer besteht aus dem Länderkürzel (für Deutschland: DE), der zweistelligen Prüfziffer sowie der alten Bankleitzahl und Kontonummer.

          Nils Brinkhoff ist Abteilungsdirektor Zahlungsverkehr der DZ-Bank und dort zuständig für die SEPA-Umstellung

          Wie kommt die Prüfziffer zustande?

          Die Prüfziffer ist das Ergebnis eines „Algorithmus“. Sie wird von der Bank anhand der Kontonummer bestimmt.

          Gibt es verschiedene Prüfziffern, wenn es verschiedene Unterkonten eines Kontos gibt?

          In der Regel ändert sich bei einer Unterkontonummer die Prüfziffer nicht.

          Muss ich meine Daueraufträge ändern?

          Daueraufträge werden von den Banken automatisch auf Sepa umgestellt. Der Kunde muss also nicht aktiv werden.

          Was muss ich mit den Briefen tun, die ich von meinem Versicherer, meinem Versorger oder meinem Verein bekomme?

          Die meisten aktuellen Anschreiben zur Sepa-Umstellung sind rein informativ. Der angeschriebene Kunde sollte die Informationen zur Kenntnis nehmen und sorgfältig prüfen, ob er auch tatsächlich diesem Unternehmen eine Einzugsermächtigung erteilt hat. Ansonsten ist ein sofortiger Widerruf sinnvoll und empfehlenswert. Als Kontoinhaber habe ich darüber hinaus auch die Möglichkeit, Lastschriften zurückzugeben und ihren Einzieher, den Lastschriftgläubiger, zu sperren.

          Aber sind nicht alle Anschreiben rein informativ?

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