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Nicht so sicher wie gedacht : Banksafes ziehen Räuber an

Tatort Volksbank Berlin-Steglitz: Rund 300 Schließfächer wurden hier von Räubern aufgebrochen und leergeräumt. Bild: dpa

Immer mehr Bankkunden suchen Sicherheit in Schließfächern. In manchen Kreditinstituten werden sie schon knapp. Aber ganz so sicher wie gedacht sind sie nicht.

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          Es gibt wohl wenige Angebote einer Bank, die so begehrt sind wie ihre Schließfächer. Die Einbruchzahlen in Wohnungen und Häuser steigen Jahr für Jahr. Die Aufklärungsquote ist erschreckend gering. Auch Wohnungsbrände, Überschwemmungen oder andere Katastrophen können große Schäden anrichten. Aber wohl jeder hat seine ganz eigenen kleinen Schätze, die er sicher verwahrt wissen möchte - selbst wenn sie nur einen rein ideellen Wert haben. Und ein kleiner Safe im großen Tresor einer Bank oder Sparkasse gilt nun einmal vielen als der Inbegriff von Sicherheit schlechthin.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im vergangenen Jahr wurde in Deutschland etwa alle dreieinhalb Minuten in eine Wohnung eingebrochen. Insgesamt waren es fast 150.000 Einbrüche - das höchste Niveau seit 15 Jahren. Dies ergibt die polizeiliche Kriminalstatistik. Nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft beliefen sich diese Einbruchschäden auf 480 Millionen Euro oder umgerechnet im Durchschnitt 3300 Euro je Einbruch. In immer mehr Haushalten gebe es teure elektronische Geräte wie Laptops, Tabletcomputer oder Digitalkameras, heißt es zur Begründung. Und während die polizeiliche Aufklärungsquote insgesamt bei 54,5 Prozent lag, wurden zuletzt nur 15,5 Prozent der Wohnungseinbrüche aufgeklärt.

          Doch die Schließfächer in den Banken werden knapp. Dies gilt vor allem in Städten und Ballungszentren. Bankangestellte berichten davon, dass die Nachfrage nach den Mini-Safes durch die Finanzkrise noch einmal einen neuen Schub bekommen habe. Auf dem Land hingegen finden sich häufig noch freie Schließfächer. Glücklich kann sich jedenfalls derjenige schätzen, der einfach zu seiner Bank geht und ein freies Fach noch zudem in der von ihm gewünschten Größe bekommt. Die meisten Kreditinstitute berücksichtigen bei der Vergabe der freien Fächer ohnehin nur ihre eigenen Kunden. Manchmal muss man auch flexibel sein und nur für den Safe in eine andere Filiale der Bank oder Sparkasse wechseln. Denn nicht jede Zweigstelle verfügt zudem über geeignete Räumlichkeiten für Schließfachanlagen. Bei anderen Banken wiederum kann man froh sein, wenn man selbst als langjähriger Kunde immerhin auf eine Warteliste kommt, von der man sich freilich nicht allzu viel versprechen sollte.

          Kleine Schließfächer sind am einfachsten zu haben

          Während sich die Deutsche Bank mit Angaben zur Belegung zurückhält, lässt ein Sprecher der Commerzbank durchblicken, dass die Schließfachanlagen zum Teil voll belegt seien. Insgesamt bietet die Commerzbank 250.000 Schließfächer an. Auch mit solchen Zahlen hält sich die Deutsche Bank zurück. Ein Sprecher weist einzig darauf hin, dass an fast allen Filialstandorten Schließfächer angeboten würden. Nach den Worten einer Sprecherin der Frankfurter Volksbank wird das Schließfachangebot hier rege wahrgenommen. Das Institut besitzt 16.000 Schließfächer. Die Kapazitäten seien aber ausreichend. Deutsche Bank und Commerzbank planen gegenwärtig keine Erweiterung der Anlagen. Das Angebot sei ausreichend, sagen die Sprecher beider Banken übereinstimmend.

          Kleinere Schließfächer sind in der Regel am ehesten verfügbar, weil sie meist auch besonders zahlreich vorhanden sind. Ein solch kleines Fach gibt es zum Beispiel bei der Frankfurter Volksbank für 21 Euro im Jahr, die Frankfurter Sparkasse verlangt 30 Euro dafür. Bei der Deutschen Bank kostet das kleinste Fach 59,50 Euro, bei der Commerzbank 65 Euro. In ein solches Fach passt zum Beispiel ein mittelstarker Aktenordner. Doch die Größen dieser Schließfächer sind unterschiedlich, wie auch das Angebot der einzelnen Banken. Die Deutsche Bank bietet sieben Schließfachgrößen, die Commerzbank nur fünf. Das größte Schließfach der Commerzbank fasst 50 Liter, hier findet nach Angaben eines Sprechers eine Archivbox oder eine kleine Umzugskiste Platz. Dafür muss der Kunde im Jahr 400 Euro zahlen. Das größte Fach der Deutschen Bank ist sogar mehr als drei Mal so groß. Dort könnte sicherlich eine kleinere Kunstsammlung untergebracht werden. Diese Tresore stellt die Bank im Jahr für 476 Euro zur Verfügung.

          Doch so manches Schließfach ist gar nicht so sicher wie gedacht. Denn die dort verborgenen Vermögenswerte wecken Begehrlichkeiten. So räumten im Januar 2013 Räuber rund 300 Schließfächer der Berliner Volksbank im Bezirk Steglitz leer. Bisher blieben die Täter unentdeckt. Sie hatten von einer Tiefgarage in einem Ärzte- und Wohnhaus in wohl monatelanger Arbeit einen etwa 45 Meter langen Tunnel in den Keller der Bank hinein gegraben. Dann kamen sie am Wochenende. Der Schaden soll sich auf rund 10 Millionen Euro belaufen.

          Versicherung für Schließfächer in einigen Hausratversicherungen enthalten

          Vor allem dieser - zugegebenermaßen spektakuläre - Fall zeigt, wie wichtig eine Versicherung sein kann. Teilweise ist der Inhalt der Banksafes durch die Gebühren schon mitversichert. Die Finanzinstitute bieten aber auch zusätzliche Versicherungen an. So gibt es bei der Frankfurter Sparkasse für bis zu 30.000 Euro eine Schließfachversicherung für 20 Euro im Jahr. Versichert sind nach Angaben der Sparkassen Versicherung zum Beispiel Wertpapiere, Urkunden, Edelmetalle, Münz- und Briefmarkensammlungen oder Schmuck. Bargeld ist nicht nur hier nicht mitversichert. Der Schutz tritt unter anderem bei Brand, Blitzschlag, Explosion, Absturz eines Flugkörpers oder eben Raub ein. Auch die Deutsche Bank rät zum Abschluss einer zusätzlichen Versicherung. Die Kosten lägen in der Regel bei etwa 1 Prozent der Versicherungssumme. Denn wenn es zum Schadensfall käme, hafte die Bank grundsätzlich nur für eigenes Verschulden.

          Auch in einigen Hausratversicherungen ist eine Versicherung für Schließfächer enthalten. Doch inzwischen gehen einige Versicherer offenbar dazu über, solche Risiken in einem „Zusatzbaustein zur Hausratversicherung“ auszugliedern wie die HUK Coburg. Dieser Schutz kostet hier 19 Euro jährlich. Die Entschädigung ist auf maximal 40 Prozent der Versicherungssumme und 25.000 Euro begrenzt. Versichert sind aber nicht nur Schließfachinhalte, sondern zum Beispiel auch außerhalb der Wohnung gelagerte Sportausrüstungen.

          Im Fall der Berliner Volksbank waren wohl nur 20 Prozent der betroffenen Kunden versichert. Sie haben nach Angaben der Bank schon einen Ausgleich erhalten. Den anderen Betroffen hat die Volksbank im Juli außergerichtlich eine Entschädigung über 30 Prozent des Wertes im Schließfach angeboten. Doch ein Kunde - versichert oder nicht - muss natürlich immer nachweisen können, was in seinem Schließfach lag. Deswegen raten Experten, den Schließfachinhalt für den Fall der Fälle zu dokumentieren, zum Beispiel durch eine Inventarliste mit Kaufbelegen und Fotos. Und manche Dinge bleiben trotz Entschädigung für immer verloren.

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